100. Patientin kam aus Eisenach

Oberärztin Susanne Teichmann (Leiterin der Lymphologischen Fachabteilung), Brigitte Hinz und Pflegedienstleiterin Kathrin Stöbe (v. l.). Foto Rainer Aschenbrenner/Curcuma Medien
TabarzThüringer Wald: Inselsberg Klinik |

Die Lymphologische Abteilung der „Inselsberg Klinik“ Tabarz hat eine erste „Schallmauer“ durchbrochen. Die Eisenacherin Brigitte Hinz war die 100. Patientin der im April eingeweihten neuen Station. 15 komfortable Einzelzimmer stehen zur Verfügung. „Wir sind mit der Resonanz zufrieden“, zieht der stellvertretende Geschäftsführer Mayk Jäger am Jahresschluss eine erste Bilanz.

Brigitte Hinz gehört zu jenen rund 4,5 Mio. Menschen in Deutschland, denen die Lymphe Sorgen macht. Das kann erbliche Ursachen haben, ist Folge anderer Krankheiten oder medizinischer Eingriffe. Dann „entgleist“ das Lymphsystem. Es kommt zu Einlagerungen im Gewebe, v. a. in den Beinen. Das belastet physisch, aber auch psychisch.

Bei Brigitte Hinz, Jahrgang 1946, zeigten sich in den frühen 1990er-Jahren erste Symptome. Zunächst fiel ihr auf, dass die Beine immer dicker wurden, deshalb oft schmerzten. „Erst habe ich mir nix dabei gedacht, weil ich schon immer eine kräftigere Figur hatte“, erinnert sie sich. Dann aber suchte sie Rat bei der Hausärztin. Die riet zum Abnehmen. Wenig hilfreich, dieser Rat, wie sich herausstellte.

Bald kamen Rückenschmerzen hinzu. Linderung sollte der Besuch in einer Physiotherapie bringen. Die Massagen taten gut. Noch wertvoller aber war der Rat, sich wegen der dauerhaft geschwollenen und deshalb schmerzenden Beine an einen Facharzt zu wenden. Ihre erste Station war der damalige Chefarzt der Gefäßchirurgie im Eisenacher Krankenhaus. Der erkannte die wahre Ursache und leitete Brigitte endlich an jene Spezialisten, die ihr helfen konnten.

„Das Beispiel von Brigitte Hinz ist typisch“, sagt Oberärztin Susanne Teichmann. „Oft sind es tatsächlich immer noch Physiotherapeuten, die die Ursache der Erkrankung erkennen. Schließlich haben sie eine entsprechende Ausbildung.“ Die Internistin erwarb eine spezielle Qualifikation für die Lymphologie und leitet die neue Abteilung. Sie kennt auch Dr. med. Heike Friebertshäuser, in deren Eisenacher Fachpraxis für Physikalische und Rehabilitative Medizin Brigitte Hinz behandelt wird.

Bisher war sie schon zweimal zur Reha. Beide Aufenthalte führten sie in die Seeklinik Zechlin in Mecklenburg-Vorpommern. Anfang des Jahres rief sie in Tabarz an, weil sich herumgesprochen hatte, dass die „Inselsberg Klinik“ eine entsprechendes Reha-Angebot aufbauen würde. Die Auskünfte müssen damals einladend gewesen sein. Nach der üblichen Beantragung bekam sie den Drei-Wochen-Aufenthalt genehmigt.

Die Erkrankung

Trotz steigender Fallzahlen spielt diese Gefäßkrankheit kaum eine Rolle bei der Facharzt-Ausbildung. Daher sind Experten, spezialisierte Akut-Krankenhäuser oder Reha-Einrichtungen deutschlandweit selten. Der geringe Stellenwert der Lymphologie wirkt sich oft auf die Diagnose aus. Chronische Lymphödeme werden deshalb oft nicht erkannt und gar nicht oder falsch behandelt.

Die Klinik

Die „Inselsberg Klinik“ in Tabarz hat seit April 2014 einen Fachbereich Lymphologie. Die Thüringer Reha-Einrichtung, die seit 1992 zur Michael Wicker GmbH & Co. oHG (Bad Wildungen) gehört, ist bisher v. a. auf die Nachsorge von Krebserkrankungen spezialisiert. Leiden am Lymphsystem begleiten aber häufig Krebs oder sind Nebenwirkungen von OPs. Um den Standort in Tabarz weiter zu stärken, wurde deshalb als zweites Standbein für diese Gefäßerkrankungen eine Fachabteilung mit 15 Betten geschaffen.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige