Bessere Urlaubsfotos: Mit diesen zehn Tipps werden die Bilder aus den Ferien noch schöner

Das Hauptmotiv sollte nicht in der Bildmitte liegen, sondern etwas seitlich oder versetzt ­angesetzt werden, damit das Foto harmonischer erscheint. (Foto: Jürgen Creutzburg)
 
In Reiseführern oder bei Google Earth lassen sich im Vorhinein interessante Fotomotive erkunden. Die gute Vorbereitung hilft, dann vor Ort ein offenes Auge für situations­bedingte Motive zu haben. (Foto: Jürgen Creutzburg)
 
Der Gothaer ­Fotograf Jürgen Creutzburg hat zehn Tipps, wie die Erinnerungen noch besser aufs Bild gebannt werden können. (Foto: Jürgen Creutzburg)
Gotha: LIMITED ART |

Fast zu keiner Zeit fotografieren wir mehr als in den Ferien. Der Gothaer ­Fotograf Jürgen Creutzburg hat zehn Tipps, wie die Erinnerungen noch besser aufs Bild gebannt werden können.

Vorbereitet sein

Vor einer Reise legt sich Jürgen Creuzburg immer einen Plan zurecht. „Stell dir vor dem Urlaub die Frage: Was willst du fotografieren?“ Da hilft schon ein Blick in den Reiseführer. Auch bei Google Earth lassen sich im Vorhinein interessante Fotomotive erkunden. Die gute Vorbereitung hilft, dann vor Ort ein offenes Auge für situations­bedingte Motive zu haben.

Weg vom Picture-Point

„Fotografiere nur das, was du liebst.“ Das müssen nicht die Sehenswürdigkeiten sein, die schon millionenfach abgelichtet wurden. Aber die markanten Türen einer mittelalterlichen Stadt oder die schmucken Kandelaber vor dem Opernhaus. Hat Jürgen Creutzburg ein interessantes Motiv gefunden, hält er es gleich in Serie fest. In Dublin fielen ihm die vielen Schornsteine auf den Häuserdächern auf. In Großbritannien fotografierte er Taxis – farbenfroh und glänzend frisch geputzt.

Um den schiefen Turm von Pisa hat er erst ­einmal eine Runde gemacht. Die Turmrückseite war ­menschenleer. Um andere Sehenswürdigkeiten aufs Bild zu bannen, geht er noch weiter auf ­Türme, ­Berge und andere Aussichtspunkte, wo ihm die Stadt zu ­Füßen liegt. Mehr Abstand lässt oft weitere ­Perspektiven zu.


Schlechtes Wetter ist gutes Wetter

Blauer Himmel und kein Wölkchen am Himmel? Für Jürgen Creuzburg ist dieses Traumwetter nur langweilig. „Der Baum auf der Weide gibt mir nichts, aber steht er im Nebel, ist das schon etwas ganz anderes.“ Erst wenn das Meer aufgewühlt ist, der Wind die Äste peitscht und sich Wolkenformationen am Himmel türmen, wird es doch interessant. Naturgewalten sind fotogener, sagt der Gothaer. Das Grau wirkt dann als perfekter Kontrast zu farbenfrohen Regenschirmen, Gummistiefeln oder der Sandstein-Architektur Schottlands.

Menschen aufs Foto

Ist Jürgen Creutzburg unterwegs, hat er immer ein bisschen Kleingeld in der Tasche. Denn für ein kleines Trinkgeld posiert beispielsweise jeder Dudel­sackspieler gerne für ein Foto.

Doch nicht jeder fühlt sich foto­gen. „Ich rede immer mit den Menschen, damit sie nicht verkrampfen“, sagt Creutzburg. Auf ­diese Weise kann er sie erinnern, gerade zu stehen: Brust raus, Schultern zurück.  

Für den Fotografen ist es Tabu, sein ­Gegenüber von unten zu fotografieren – Doppelkinn und Einblicke in Nasenlöcher sind dabei vorprogrammiert. In die Knie geht es hingegen, will man Kinder oder Tiere fotografieren.

Action auf dem Bild ist immer gut, der Sprung in die Wellen besser als ein Foto davor. Am Abend lassen sich bei Gegenlicht gut Silhouetten-Aufnahmen machen.

Den Betrachter überraschen

Ein interessantes Foto überrascht den Betrachter. Jürgen Creutzburg spielt beispielsweise gerne mit Größenverhältnissen: Ein Hydrant erscheint plötzlich riesig, eine Straße viel kürzer als vermutet. Er spielt mit den Schärfen, setzt mal den Vordergrund, mal den Hintergrund in Szene. Er rät, sein Auge für die Details zu schulen – das Kreuz zu fotografieren, nicht die ganze Kirche.

Angezogen wird Creutzburg von starken Farbkontrasten, wenn er beispielsweise die bunten Kilt-Stoffe fotografiert, die in einer sonst farblosen schottischen Fabrik produziert werden. Gerne spielt er auch mit Langzeitbelichtung. „In der Sächsischen Schweiz habe ich Feldwege gesucht, auf denen nur ab und zu ein Auto fährt. Dann habe ich die Lichtspur festgehalten – mal das Ablendblendlicht und mal die roten Rücklichter.“ Die Belichtungszeit auf 20 bis 30 Sekunden einzustellen, würde für diesen coolen Effekt schon reichen – der Einsatz des Stativs ­vorausgesetzt.

Früh aufstehen, spät ins Bett

Mittags, wenn die Sonne senkrecht am Himmel steht, kann die Kamera ruhig im Hotelzimmer bleiben. Die Sonnenstrahlen werden nur wenig ­gestreut, das Licht ist zu hart, die Schatten sind zu scharf. Vor allem Fotos am Strand werden zu grell, wenn der Sand die Sonne reflektiert. Creuzburg rät, im Sommer besser bis 11 und dann wieder ab 16 Uhr zu fotografieren.

Auf die Uhr sollten Urlaubsfotografen auch schauen, um dem Touristen­strom aus dem Weg zu gehen. Es sei denn, sie möchten absichtlich den Straßenverkehr einfangen. Am Abend lohnt es sich, das Licht der Laternen und Schaufenster zu nutzen. Dann sind weniger Menschen unterwegs und die Zeit für lange ­Belichtungszeiten ist gekommen.

Mit Format

Wenn es nach Jürgen Creutzburg geht, wird zu viel hochkant fotografiert. „Meine Bilder sind zu 90 Prozent im Querformat aufgenommen. Sonst fehlt doch die Hälfte.“ Generell hält er sich daran, das Bild nach dem Goldenen Schnitt aufzuteilen oder es zu dritteln. Das Hauptmotiv sollte also nicht in der Bildmitte liegen, sondern etwas seitlich oder versetzt ­angesetzt werden, damit das Foto harmonischer erscheint.

Mut zur ­Verbesserung

Jürgen Creutzburg rät, nicht einfach drauflos zu knipsen, sondern sich mit seinen Fotos und der Kamera zu beschäftigen. Inspirationen findet er in Büchern, Magazinen oder auch bei Online-Fotoplattformen wie Instagram. Auch rät er, sich mit erfahrenen Fotografen auszutauschen, beispielsweise bei Fotosafaris oder bei Communitys, die allerorten regelmäßig zusammenfinden. Wer die Technik seiner Kamera beherrscht, kann dann seinen eigenen Stil entwickeln.

Hintergrund ­beachten

„Ich habe schon Hochzeitsfotos gesehen, da wächst dem Brautpaar ein Garderoben­ständer aus dem Kopf. Wer macht denn solche Fotos?“ Viele blicken nur auf ihr ­Motiv im Vordergrund, ohne auf den Hintergrund zu achten, in dem dann die unansehnlichen Mülltonnen im Weg stehen. „Man muss sich das Bild ansehen und sich fragen: Was stört?“, rät Creutzburg.

Gerade Bilder

Krumme und schiefe Schnappschüsse sind ­Jürgen Creutzburg zuwider. Er ist deshalb meist mit ­Stativ unterwegs, damit kein See auszulaufen und kein ­Gebäude umzufallen droht, wie er sagt. Ein weiteres Problem sind stürzende Linien, also aufeinander zulaufende Kanten an Objekten, die in Wirklichkeit parallel sind. Wer beispielsweise ein hohes Gebäude foto­grafiert, richtet die Kamera schräg nach oben. Dadurch erscheinen allerdings auf dem Foto die ­Wände schief, das ­Gebäude verjüngt sich ungewollt nach oben. Um dies zu vermeiden, sollte man ausreichend Abstand nehmen und – wenn möglich – eine erhöhte Position auf Augenhöhe des Objektes zum Fotografieren einnehmen.

Zur Person

• Jürgen Creutzburg (51) ist über­wiegend Hochzeitsfotograf. Zu seinen Einsätzen im In- und Ausland zählen zahlreiche Prominenten-Hochzeiten.
• Der gelernte Mediengestalter in Bild und Ton ist seit zehn Jahren gut im ­Geschäft und derzeit anderthalb Jahre im Voraus ausgebucht.
• Seit fünf Jahren fährt er jährlich nach ­Edinburgh in Schottland und veröffent­licht jedes Mal einen Reisekalender.
• Kontakt: www.limited-art.de
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
6 Kommentare
874
Griseldis Scheffer aus Gera | 14.07.2017 | 14:17  
109
Bruni Rentzing aus Sondershausen | 16.07.2017 | 09:47  
14.458
Uwe Zerbst aus Gotha | 16.07.2017 | 10:33  
109
Bruni Rentzing aus Sondershausen | 16.07.2017 | 10:50  
13.095
Renate Jung aus Erfurt | 20.07.2017 | 00:37  
7.944
Gabriele Wetzel aus Zeulenroda-Triebes | 20.07.2017 | 20:15  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige