„Demenz“ zeitig erkennen

Demenz ist nicht allein nur auf „Alzheimer“ reduziert. Gegenwärtig ist durch Rudi Assauers Demenz-Offenbarung das Thema in den Mittelpunkt der Medienbeachtung und Diskussionen gerückt. Diese Sitution lässt mancher Politiker „Demenz“ in den Hintergrund geraten.

Im eigenen Umfeld „Demenz“ erlebt, ist es mir wichtig, über die beobachteten Erscheinungsformen zu schreiben, um anderen zu helfen, frühzeitig Signale dieser Krankheit zu erkennen. Deshalb bin ich froh, dass diese Thematik im gegenwärtigen Brennpunkt steht.

Hier einige Kennzeichen, die nicht notwendig auf Demenz hinweisen aber doch auch dafür ein Signal sein können. Ihre Früherkennung und medizinische Bewertung kann nicht hoch genug gewertet werden.
01) Eigene Aufgaben im Alltag werden vergessen, wobei immer begründende Ausreden angeführt werden. Das Versagen wird Anderen schuldhaft zugesprochen.
02) Man geht ungern außer Haus, findet immer öfter Begründungen für notwendig zu erledigende Aufgaben in der Wohnung.
03) Verabredete Besuche mit Bekannten / Freunden werden ganz kurzfristig abgesagt auch und besonders, weil daheim die viele Arbeit nicht weiter liegenbleiben darf.
04) Einkäufe werden am liebsten dem Partner (Dritten) überlassen. Wenigstens nicht allein einkaufen wird angestrebt. Was einzukaufen ist, wird dabei benannt aber nicht selbst ausgeführt, weil man es nicht 100%ig finden würde. Sollte der Beauftragte nicht gleich fündig werden, erfolgen Zurechtweisungen und Kritik, wo man doch endlich suchen solle. (Gibt es dort nichts und kann es dort gar nicht sein, wird steif und fest behauptet, dass das aber früher immer dort war.)


Erscheinen diese Punkte als Hinweis nicht so klar, so wird es im Folgenden sehr deutlich.
05) Oft werden Dinge verlegt, andere für deren Wegkommen verantwortlich gemacht. Bei der Bitte, doch selbst zu suchen, erkennt man die „Kindersuchmethoden“ des Überallhinguckens ohne wirklich zu suchen. Dabei wird auch dort gesucht, wo ein Finden total unwahrscheinlich ist.
Mitunter sucht man / läßt man suchen, was man gar nicht mit hatte und sich daheim an gewohnter Stelle wiederfindet. Beim Suchen werden aber förmlich Völkerstämme verrückt gemacht.
06) Dinge werden „entsorgt“, die ständig gebraucht werden. Auch Schriftstücke zählen dazu.
07) Laufend wird umgeräumt, von einer Tasche in eine andere und nach Abschluss dessen ein erneutes Zurückumräumen.
08) Schränke und Regale werden ausgeräumt (um eine klarere Ordnung vorzubereiten) und schließlich wie bisher oder unbedeutend anders wieder eingeräumt. Dies erfolgt später erneut – immer wieder und ohne sichtbare Notwendigkeit. Das wiederholt sich unabhängig von der Tageszeit also tagsüber wie auch nachts.
09) Wenn man nach Hause zurückkommt und nicht "im Schatten" des Partners laufen kann, findet man die eigene Haustür / Wohnung nicht, geht daran vorüber. Die Worte „Ach Gott, war eben so tief in Gedanken, dass ich gar nicht gemerkt habe …“ sind nicht selten der Beginn von Ausreden.
10) Falsch und auch nicht ausreichend angezogen wird die Wohnung verlassen, geht man irgendwohin und findet schwer wieder zurück.
17) Jegliche Orientierung wird anderen überlassen aber dazu werden Anweisungen und Richtungsanzeigen schier angewiesen.



Die Demenz wird kaum selbst erkannt – jedenfalls nicht anderen gegenüber eingestanden. Selbst zum Arzt gehen und sich Gewissheit verschaffen, ist somit eher selten.
Es bedarf großer Überredungskunst, Tricks und einem Hartbleiben, den Demenzkranken zum Arzt zu bekommen. Meist sind da schon 1-3 Jahre ins Land gegangen, ehe man die Krankheitsvermutung für den Betroffenen hatte.
Ich machte den Fehler, beim Arzt nicht dabei geblieben zu sein, so dass natürlich nichts zur Sprache kam, was dem Arzt hilfreich gewesen wäre.

Einen Demenzkranken daheim zu versorgen und zu umsorgen ist eine immense Kraftanstrengung, bedarf ständiger Aufsicht und lässt einen mitunter kaum zum Schlafen kommen, wenn beispielmäßig nachts der Kleiderschrank im Schlafzimmer „aufgeräumt“ werden muss(!).

Mit fortschreitender Erkrankung, werden einem Geschichten aufgetischt, die angeblich gerade passiert sind oder „vor kurzem“, die oft sehr dicht an realer Möglichkeit sind und doch eben nur erdacht wurden.
(Verstorbene!) Menschen hat man gestern getroffen. Sie haben sich nach dem Befinden erkundigt und lassen grüßen. Man ist zum Kaffeetrinken bei der eigenen Oma im Nachbarhaus eingeladen – wobei diese schon seit vielen Jahren nicht mehr lebt und auch nie in der Nähe gewohnt hat.
Auch will man nicht dalang – ohne einen Grund dafür angeben zu können. Man will einen anderen Weg gehen. Argumente, dass dieser bald endet, werden ignoriert. Steht man am Ende, wird erbost darauf verwiesen, dass man doch den anderen Weg gehen wollte.
Widersprechen bringt gar nix! Man muss am besten für immer darauf eingehen und einfach tun, was der Demenzkranke für richtig empfindet.
Der Demenzkranke sieht möglicherweise seine falschen Worte, möchte aber doch als Person akzeptiert und nicht immer belehrt werden. Das verlangt Feinfühligkeit des Betreuers. (Eigentlich bedürfen die Betreuer eine professionelle Zuwendung!)

Es kommt die Zeit, wo der Demenzkranke nicht mehr erkennt, wer wer ist. Personen und Namen werden vertauscht oder es entfällt jeglicher Bezug auf die Person.
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All das Beschriebene erlebte ich mit, wurde mir von mehreren Bekannten (auf deren Demenzkranke bezogen) alles bestätigt.
Hätte ich eher die Demenz erkannt, wären die Auswirkungen der Demenz vielleicht zeitlich hinausgeschoben. Da ist jedes Jahr ein riesiger Gewinn.

Ganz wichtig ist mir, darauf hinzuweisen, dass Demenzkranke nicht abgeschrieben werden sondern vollkommen bestimmte Fähigkeiten besitzen und auch Arbeiten ausführen können.
Man sollte die Krankheitserscheinungen zwar im Auge behalten aber stets auf das Positive / Machbare orientieren!
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