Der Weg des Wassers: Von der Quelle bis zum Wasserhahn durchläuft das Wasser viele Stationen

Dieser Turm reicht bis auf Grund der Talsperre und dient der Wasserentnahme.
 
„Wir liefern Komfortwasser mit 3,5 ° deutscher Härte. Das spart Haushaltschemikalien und schont Armaturen und elektrische Geräte.“ Hans- Dieter Linz, Leiter Betrieb Mitte
Trinkwasser ist klar, frisch und immer verfügbar. Es ist das am strengsten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland. Doch bevor es aus unserem Wasserhahn läuft, hat es oft schon viele Kilometer zurückgelegt und dabei eine Wasseraufbereitungsanlage durchlaufen. Hans-Dieter Linz, Leiter Betrieb Mitte, der Thüringer Fernwasserversorgung, erklärt am Beispiel der Talsperre Ohra den Weg des Wassers von der Quelle zum Wasserhahn.

Die Quellen: Die Ohra-Talsperre wird aus mehreren Quellen gespeist, das Wasser kommt aus dem Silbergraben und dem Kerngrund. Bis zur Talsperre legt es etwa fünf Kilometer zurück. Über Stollen kann von der Zahmen Gera, Wilden Gera, des Kanzlersgrund, des Kehltalbaches, des Sieglitzbaches oder des Langen Grundes bei Bedarf jederzeit zusätzliches Wasser in die Talsperre geleitet werden. Damit wird der Talsperre Wasser aus einem Einzugsgebiet von knapp 90 Quadratkilometern zugeführt.

Die Talsperre: In sieben Jahren Bauzeit (1960-1967) entstand die Ohra-Talsperre. Hinter dem 59 Meter hohen und 260 Meter langen Staudamm können insgesamt rund 18 Millionen Kubikmeter Wasser angestaut werden, dass entspricht ca. 120 Millionen durchschnittlichen Badewannenfüllungen. Jährlich werden etwa 22,7 Millionen Kubikmeter Wasser aus der Talsperre entnommen und zu Trinkwasser aufbereitet.

Die Wasserentnahme: Von dem Staudamm gut sichtbar ist der Wasser-Entnahmeturm. Dieser ist ca. 60 Meter hoch und schaut damit kurz über die Wasserfläche. In drei unterschiedlichen Höhen kann das Wasser entnommen werden. Damit wird sichergestellt, dass immer das qualitativ beste Rohwasser zu Trinkwasser aufbereitet wird. Die Höhe der Entnahme ist abhängig von verschiedenen Umweltfaktoren und von der Jahreszeit.

Die Energieerzeugung: Kurz hinter dem Staudamm befindet sich in einem Gebäude eine Turbine. Der natürliche Wasserdruck treibt diese an und erzeugt damit Strom. Dieser wird für den Eigenbedarf in der Wasser-Aufbereitungsanlage genutzt. Die Überschüsse werden ins öffentliche Netz eingespeist. Jährlich werden etwa 2 444 000 kWh Strom produziert. Das entspricht dem durchschnittlichen Energiebedarf von 611 Haushalten.

Die Aufbereitung: Damit das Talsperrenwasser zu Trinkwasser werden kann, durchläuft dieses in der Trinkwasser-Aufbereitungsanlage mehrere Aufbereitungsstufen. Das Ohra-Wasser ist sehr weich und muss in einem ersten Schritt gering aufgehärtet werden, sonst lässt es sich später nicht mit anderen Wässern mischen oder schädigt die Rohrleitungen. Danach wird das Wasser gereinigt – unerwünschte Inhaltsstoffe wie Algen, Mikroorganismen oder im Wasser gelöste Stoffe werden entfernt. In einem letzten Schritt wird es desinfiziert. Pro Tag durchlaufen etwa 60 000 Kubikmeter Wasser diese Anlage in Luisenthal.

Die Kontrolle: Ein externes Labor überwacht die Qualität des Talsperrenwassers und des Trinkwassers.

Der Transport: Das aufbereitete Talsperrenwasser wird über ein 249 Kilometer umfassendes Fernwasserleitungsnetz in Thüringen verteilt. Die Rohre haben dabei einen Durchmesser von 40 Zentimetern bis zu einem Meter. Mehr als 190 Kilometer Steuerkabel sorgen für die Überwachung und Steuerung. Über den Ostring gelangt das Wasser nach Arnstadt, Erfurt, Weimar und Jena und über den Westring nach Gotha, Erfurt-Nord bis nach Sömmerda.

Die Überwachung: Von Luisenthal aus überwachen in der zentralen Leitwarte zwei Mitarbeiter rund um die Uhr die Zulaufpegel, die Talsperre, die Trinkwasseraufbereitungsanlage sowie das gesamte Fernwassernetz. Über vier Monitore und eine große Gesamtübersicht an der Wand können sie bei Auffälligkeiten und Störungen sofort eingreifen. Mit einem Mausklick können hier nicht nur Schieber geöffnet und geschlossen werden. Im Ernstfall werden von hier Einsatzkräfte wie Feuerwehr und THW informiert und koordiniert, aber auch die Mitarbeiter und Baufirmen erhalten von hier ihre Informationen. Selbst wenn einem Spaziergänger ein Rohrbruch oder nur einen unrechtmäßig entsorgter Kanister auffällt, und er die auf den zahlreichen Schildern angegebene Störungsnummer wählt, landet er in der Leitwarte.

Die Abnehmer: 227 Städte und Gemeinden erhalten in Mittel- und Nordthüringen das Wasser der Ohra. Die jeweiligen Zweckverbände und Stadtwerke verteilen das Fernwasser direkt an die Haushalte weiter oder mischen es vor Ort mit eigenen Grundwasservorkommen.

Der Notfall: Bei einer Havarie kommt es nicht gleich zu Engpässen. Im Netz gibt es 12 Hochbehälter mit einem Speichervolumen von 1 12 400 Kubikmetern. Diese Wasserbevorratung dient auch zum Ausgleich von Verbrauchsschwankungen.
Der Verbrauch: Der Durchschnittsthüringer verbraucht durchschnittlich 88 Liter Wasser am Tag. Davon sind nur drei Liter zum Trinken und zur Zubereitung von Essen.

Die Qualität: Das Wasser der Ohra ist weich und nährstoffarm. Das Trinkwasser in Deutschland lässt sich problemlos aus der Leitung trinken. Große Thüringer Getränkehersteller, wie die Oettinger Brauerei in Gotha oder Coca-Cola in Weimar, nutzen das Wasser der Ohra zur Getränkeproduktion.


Thüringer Trinkwassertalsperren, aus denen zurzeit Trinkwasser aufbereitet wird:
Talsperre Ohra
Talspere Leibis/Lichte
Talsperre Scheibe/Alsbach
Talsperre Schönbrunn
Talsperre Neustadt
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2 Kommentare
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Hannelore Grünler aus Artern | 03.10.2014 | 06:28  
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Renate Jung aus Erfurt | 05.10.2014 | 18:06  
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