Die Keimzelle des Weltfriedens

Seit einiger Zeit beschäftigt mich die Frage, ob der zu Weihnachten gewünschte Weltfrieden nicht ein Zustand wäre, der den Regeln des Universums zu wider laufen würde. Selbst die zeitlos erscheinenden Sterne und Galaxien sind dem Werden und Vergehen unterworfen und auf der Erde, so scheint es, ist das biologische Leben doch auf vielfältige Weise ein Kampf um Ressourcen und Standortvorteile. Weiter unten in der Nahrungskette ist die überdurchschnittliche Vermehrung bei günstigen Bedingungen ein gefundenes Fressen für die nachfolgenden Glieder. Auf diese Weise wird bestenfalls ein gewisses Gleichgewicht hergestellt – aber ist es das, was der Mensch unter Frieden oder gar Weltfrieden versteht?

Weltfrieden wörtlich genommen

Agent Fox Mulder aus der Science Fiction Serie Akte X traf in einer Folge auf eine weibliche Dschinn, ein Geist, der sämtliche Wünsche erfüllt. Er wollte den Weltfrieden und sah sich kurz darauf auf dem Planeten Erde wieder, von dem sämtliche Menschen und auch die Tierwelt verschwunden waren. Solche Geister nehmen Wünsche wörtlich.

Frieden für alle?

„Ehre sei Gott in der Höhe, und Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“. Der Text aus der Weihnachtsgeschichte hat sich mir eingeprägt, weil er einst meiner war, als ich in einem Krippenspiel die Rolle des Verkündigungsengels hatte und den Hirten und der Kirchgemeinde die frohe Botschaft überbringen durfte. Dieses Jahr erfuhr ich aus einem Welt-Artikel, dass es sich dabei um eine Fehlübersetzung der Bibel handelt http://www.welt.de/wissenschaft/article135709037/D... Der noch in griechischen Vorgängertexten vorhandene Genetiv wurde unterschlagen. Die Übersetzung müsste lauten: Friede auf Erden den Menschen des Wohlgefallens. Also kein Frieden für alle?

Wo fängt der Frieden an?

Interessanterweise war das genau die Frage, die der, wie ich finde, erstaunlich weitsichtige Vertretungspfarrer unserer Dorfgemeinde im Weihnachtsgottesdienst stellte. Ob er sich als Ruheständler über die Bibelforschungen auf dem Laufenden hält, weiß ich nicht. Aber er zeigte anschaulich, wie unterschiedlich diese Weltfriedensbotschaft zu interpretieren wäre, je nachdem, ob man sie mit einem Punkt, einem Ausrufungszeichen, einem Fragezeichen oder einem Doppelpunkt beendet. Die Aussage mit Punkt hielt er aus nachvollziehbaren Gründen für leicht widerlegbar, das Ausrufungszeichen für hilflos, da solche Aufforderungen ja schon in Kinderzimmern nicht funktionieren, die Frageformulierung wohl angebrachter und am zielführendsten den Doppelpunkt, denn danach käme ja bekanntlich immer noch was. Er interpretierte die Botschaft als Handlungsanweisung, was, wenn man auch die Fehlübersetzung berücksichtigt, Sinn macht. Der Frieden beginne in jedem Einzelnen. Und wenn ihn jeder für sich gefunden hat, dann ist er auch auf der Erde.

Endzustand Frieden

Krieg kann sich jetzt meiner Meinung nach nur noch am Wort „Wohlgefallen“ entzünden, weil sich das Wohlgefallen in den Augen eines Gottes abspielen soll, dem Urteil eines Externen unterläge und Menschen bekanntlich schnell unterschiedlicher Meinung darüber sind, mit welchen Mitteln sie Wohlgefallen bei wem auch immer erregen. Was aber, wenn es um ein inneres Wohlgefallen geht? Die innere Ausgeglichenheit, die beispielsweise bei dem Gedanken entstehen kann, dass alles eins war und wieder sein wird. Nebenbei bemerkt, ein ziemlich langweiliger Zustand ohne Erfahrungsmöglichkeiten und Konflikte, weswegen die Welt, wie wir sie meist wahrnehmen, so ist, wie sie ist – vom Weltfrieden noch ein ganzes Stück entfernt. Man möchte fast sagen, gottseidank.
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18 Kommentare
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Silke Dokter aus Erfurt | 28.12.2014 | 10:08  
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Mike Picolin aus Gera | 28.12.2014 | 12:04  
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Antje Hellmann aus Jena | 28.12.2014 | 12:46  
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Silke Dokter aus Erfurt | 28.12.2014 | 12:48  
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Antje Hellmann aus Jena | 28.12.2014 | 14:49  
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Uwe Zerbst aus Gotha | 28.12.2014 | 21:59  
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Mike Picolin aus Gera | 29.12.2014 | 15:20  
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Uwe Zerbst aus Gotha | 29.12.2014 | 20:36  
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Mike Picolin aus Gera | 29.12.2014 | 23:08  
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Eberhard :Dürselen aus Weimar | 30.12.2014 | 08:39  
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Silke Dokter aus Erfurt | 30.12.2014 | 09:40  
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Klaus Borgolte aus Saalfeld | 01.01.2015 | 15:05  
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Hannelore Grünler aus Artern | 05.01.2015 | 14:58  
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Antje Hellmann aus Jena | 06.01.2015 | 15:34  
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