Hier ist echt der Wurm drin: In Tambach-Dietharz machen Würmer aus Müll schwarzes Gold

Günter Hebestreit mit einigen der "kleinen Vereinsmitglieder". Der Kompostwurm "Eisenia foetida" ist 6 bis 13 Zentimeter lang, man kennt ihn auch unter der Bezeichnung "Tennessee Wiggler", "Roter Kalifornier", "Tigerwurm", "Gelbschwanz". Die beim Wurmverein verwendete Variante ist ein "Eisenia foetida foetida", er ist rot mit hellen Querstreifen.
 
Eines der Würmchen aus dem Vereinslogo (Foto: Wurmverein)
Tambach-Dietharz: Wurmanlage | Der Tambach-Dietharzer "Wurmverein" befasst sich seit 25 Jahren mit Abfallverwertung und Humusproduktion durch Würmer und öffnet am 4. juni für alle Interessierten seine Türen.



Die Idee könnte von Rumpelstilzchen stammen: Aus Müll wird Gold. Kein echtes zwar, dafür das, worauf Gärtner große Stücke halten, "schwarzes Gold" genannt. Wüsste Rumpelstilzchen gar, dass die Gold-Hersteller überaus fleißige Arbeiter sind, käme es aus dem Freudentaumel nicht mehr heraus. Rund um die Uhr sind die kleinen Macher am Werk, sie brauchen keine Pause und fordern nicht einmal Überstundenzuschläge. Und dass sie über die Maßen gefräßig sind, kommt der Sache sehr zupass.

"Ja, sie sind immer hungrig", bestätigt Günter Hebestreit und ist sehr zufrieden mit den Goldmachern. Etwa 20 Millionen von ihnen verrichten auf der Anlage in Tambach-Dietharz ihr gutes Werk. Sie sind Würmer, Humuswürmer mit dem Namen "Eisenia foetida foetida", eine Regenwurm-Unterart. Was sie vertilgen, scheiden die Tierchen als Wurmhumus wieder aus, ein hochwertiger natürlicher Dünger, der Gärtnerherzen höherschlagen lässt.

Seit ein paar begeisterte Wurmfreunde und -züchter in Tambach-Dietharz ihren Verein zur Förderung vermitativer Abfallverwertung und Humusproduktion gründeten und kurz darauf die Pilotanlage errichteten, sind 25 Jahre vergangen. Damals mussten sie sich allein auf ihr neu erworbenes Wissen, ihre Fähigkeiten und das Gespür verlassen, eine Wurm-Abfallverwertungsanlage, bei der man nach Erfahrungen hätte fragen können, gab es in ganz Deutschland nicht. "Unseres Wissens sind wir sogar bis heute die Einzigen", weiß Vereinsvorsitzender Günter Hebestreit um die Exklusivität der Tambach-Dietharzer Wurmfarm. Einzigartig ist auch das Ansinnen dahinter: Die Stadt mit Hilfe der Würmer von ihren organischen Abfällen zu befreien. Es hat zwar damals lange gedauert, alle Ämter von der guten Sache zu überzeugen und die Genehmigungen dafür zu bekommen. Nun ist es seit zweieinhalb Jahrzehnten Alltag, dass die Masse an Bio-Müll der Tambach-Dietharzer Haushalte als Wurmfutter dient. "Keine zweite Kommune macht das so", ist Günter Hebestreit stolz auf den fortschrittlichen Ort.

Die Würmer an sich sind pflegeleicht, auch die Fütterung in den Wurmmieten bereitet keine große Mühe. Viel mehr Zeit brauchen die 22 Vereinsmitglieder dafür, die Fremdkörper aus dem Bio-Müll herauszusortieren, Plastik, Glas, Stoffe, Babywindeln und Schlimmeres sind für Würmer ungenießbar. Schade, dass manche Menschen so unvernünftig sind und ihren Müll falsch entsorgen. Sind die Würmer fertig mit ihrer Arbeit, wird der Wurmhumus geernet und für mindestens ein Jahr gelagert. Später wird er gefiltert, so entstehen drei Qualitätsstufen des Naturdüngers, den der Wurmverein, wie er sich umgangssprachlich nennt, verkauft. Immer wieder freuen sich Günter Hebestreit und seine Mitstreiter, wenn sie hören, was ihr Wurmhumus Gutes zu bewirken vermag. Er selbst schwört natürlich selbst darauf, staunt immer wieder über blühende Pflanzen und beste Ernteerträge. Dass er täglich nach seiner Arbeit im Landratsamt noch mindestens zwei Stunden in der Wurmfarm verbingt, stört ihn nicht weiter, zu tun ist immer. "Hier steckt so viel Herzblut drin", sagt er und beginnt schon wieder zu räumen, nachzuschauen und ganz viel von den fleißigen Würmern zu erzählen.





Tag der offenen Tür


Seit 25 Jahren besteht der "Verein zur Förderung vermitative Abfallverwertung und Humusproduktion e.V", deshalb öffnet er am Samstag, 4. Juni, von 13 bis etwa 18 Uhr seine Türen für alle Interessierten. Die Anlage befindet sich in der Nähe der Triftstraße in Tambach-Dietharz. Infos und Anfahrtsskizze: www.Wurmverein.de



Und hier noch ein bewegter Blick zu den Wurmfreunden:

https://www.youtube.com/watch?v=t9idjsliHi8&featur...


Motto des Vereins:


Hast Du Würmer, bist Du nicht allein!" (Motto des Vereins)



Wissenswertes:


- Die bodenlockernde und humusbildende Tätigkeit von Regenwürmern ist Landwirten und Gärtnern seit langem bekannt.

- Vor über 60 Jahren begann der Benediktinerpater August Hessing im Kloster Gerleve bei Coesfeld die Kompostierung von Abfällen durch Würmer, insbesondere durch den Mistwurm "Eisenia foetida", zu beschleunigen.

- Würmer werden vor allem zur Aufbereitung organischer Abfälle (Hausmüll, Gartenabfälle...), zur Produktion von Bodenverbesserungsmitteln (Wurmhumus) sowie als Proteinquelle und Fischköder genutzt.

- Zur Vereinsgründung vor 25 Jahren gab es nirgends eine Wurmzuchtanlage zur Abfallverwertung und Humusproduktion, die Tambach-Dietharzer haben die Idee als Erste im großen Stil umgesetzt.

- Humustierung ist effektiver als Kompostierung: Das Volumen des Eingangsmaterials schrumpft durch den Wurmfraß auf ein Zehntel als Ausgangsmaterial (Humus), bei der Kompostierung schrumpft das Volumen nur auf ein Sechstel.


Die Vereinswürmer:


- Um einen Liter Biomüll kümmern sich in der Anlage ca. 180 Würmer der Gattung Eisenia foetida foetida

- Ein Wurm wiegt im Durchschnitt etwa 150 Milligramm und ist sechs Zentimeter lang

- Der Wurm frisst täglich ca. 100 Milligramm organische Stoffe und scheidet etwa 80 Milligramm Wurmhumus aus

- Die Wurmmieten - also das Betätigungsfeld der Tiere - sind etwa 40 Meter lang, 3 Meter breit und ca. 50 Zentimeter hoch
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