Job-Profil: Wie ist das Leben als Architektin, Frau Jauck?

So leben Architekten: Ines Jauck mit ihrem Ehemann und Partner Tom Kanngießer im ­gemeinsamen Haus in Gotha. Das Büro liegt eine Etage tiefer.
 
Viel Arbeit erledigen Ines Jauck und Tom Kanngießer am Computer.
Gotha: Kanngießer Jauck Architekten GbR |

Ein Architekt ist Künstler, Rechtsanwalt und Verkäufer in einer Person. Zudem hat er am besten noch vom Dachdecker bis zum Klempner den Meistertitel von 30 Gewerken in der Tasche.

„Weil diese Anforderungen aber kein Mensch erfüllen kann, laufen Sie dem Idealbild des Architekten immer nur hinterher.“ Ines Jauck sorgt sich, dass nach diesem Job-Profil keiner mehr Architekt werden möchte. Denn eigentlich macht ihr der Beruf, den sie mit Ehemann Tom Kanngießer im gemeinsamen Architekturbüro in Gotha erfolgreich ausübt, so richtig Spaß. Doch der größte Vorteil des Berufs, eben dass er vielseitig und komplex ist, bringt auch so einige Nachteile mit sich.

Ein selbstständiger ­Architekt muss kreativ und rechtlich sicher sein. Er muss seine Mit­arbeiter führen, auf Baustellen den Handwerkern kompetent entgegentreten und hart durchgreifen, wenn ­gepfuscht wird. „Der Architekt hat ein unglaublich umfangreiches Aufgabengebiet zu bewältigen“, stellt Jauck fest. „Wir sind seit zwölf Jahren selbstständig. Und trotzdem gibt es jeden Tag neue Herausforderungen.“ Ständig ändern sich die Baustoffe, Technologien, die Normen, Rechtsvorschriften, Klassifizierungen und Richtlinien.


Ines Jauck: "Wir haben den Anspruch, vielseitig zu bleiben. Wir wollen uns nicht verwirklichen. Die Bedürfnisse des Bauherrn stehen im Vordergrund."


Unterschätzt, anstrengend, im Verhältnis zur Arbeitszeit unterbezahlt – mit diesen ­wenig einladenden Adjektiven beschreibt das Architekten- und Ehepaar seinen Beruf. Die beiden ergänzen sich zum Glück. „Nur zu zweit sind wir überhaupt in der Lage, jede Leistungsphase des Berufs abzudecken.“ Von diesen Phasen gibt es gleich neun. Sie beginnen damit, die Grundlagen zu klären: Was kann ich auf diesem Grundstück überhaupt bauen? Und sie enden schließlich mit dem fertigen Objekt und seinen möglichen Mängeln.

Die wichtigste Phase ist aber die vorletzte: „Die Bauleitung macht 31 Prozent der gesamten Architektenleistung aus“, sagt Jauck. Dafür einen guten Architekten an der Hand zu haben, kann dem Bauherrn viel Ärger ­ersparen. Denn: „Da draußen passiert ­unglaublich viel Unfug. Die Fachkompetenz ist zurückgegangen und vor allem der Wille zum Arbeiten.“ Da ist sich das Architektenpaar einig. Den richtigen Architekten zu finden, sei daher die schwierigste Aufgabe des Bauherrn. „Hat er ihn gefunden, wird alles ganz einfach.“


Hintergrund


Wo?
In Thüringen kann Architektur an der Bauhaus-Universität in Weimar oder an der Fachhochschule in Erfurt studiert werden. Doch erst nach mehrjähriger Praxis dürfen sich Absolventen in die Liste der Architektenkammer eintragen.

Was?
Geforderte Talente sind unter anderem räum­liches Denken, Technikverständnis, Physik-, Mathe- und Chemiewissen, Baustoff- und Rechtskunde.

Wie lange?
Die Studiendauer ist je nach Hochschule und Abschluss unterschiedlich. Bis zum Ende der Masterarbeit vergehen etwa 10 Semester.

VITA Ines M. Jauck (41)
• 1992 - 1998: Architekturstudium an der Bauhaus-Universität Weimar
• 1998 - 2001: ­Architektin in Eisenach
• seit 2001: Mitglied der Architektenkammer
• 2000 - 2003: Studium der Betriebswirtschaft an der VWA Erfurt
• 2003: Gründung des Büros „kanngießer jauck architekten“, Infos:
www.kj-architekten.de
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
1 Kommentar
9.688
Hannelore Grünler aus Artern | 01.03.2015 | 18:22  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige