Kino im Wohnzimmer – Kindheitserinnerungen auf dem Dachboden

Im Spätherbst räumte ich den Dachboden auf. All die Dinge, die lange nicht benötigt wurden, sollten endgültig weggeschmissen werden. In einer entlegenen Ecke stand ein grauer Karton. Was war wohl in diesem Karton. Es war einfach zu lange her, dass der Karton dort abgestellt wurde. Der Inhalt blieb bis zum öffnen des Kartons ein Geheimnis. Zum Vorschein kam ein schwarzes Gerät mit einem vorgestülpten Rohr, in dem sich ein Glas befand. Beim umdrehen des Gerätes sah man einen Hohlraum mit einer einfachen Glühbirne. Zwei Armaturen und eine Spannvorrichtung waren erkennbar. Um das schwarze Gerät lagen lauter Dosen und Schachteln auf den meistens Märchennamen standen. Ach ja, das war meine „Pouva Magica“ und in den Dosen und Schachteln befanden sich Filme. Es gab ein Filmvergnügen vor DVD und Videokassette im heimischen Wohnzimmer. Voll Wehmut setzte ich mich in eine Ecke des Dachbodens und hielt die staubige „Pouva Magica“ in meinen Händen. Ich wollte jetzt nicht mehr aufräumen und verträumt machte ich in Gedanken eine Reise in meine Kindheit. An Winterabenden holten wir die „Pouva Magica“ aus dem Schrank und dazu eine auf Leisten gespannte Leinwand. Ein Sammelsurium von Filmdosen mit DEFA – Filmen bestimmte unser Abendprogramm. Die Stühle wurden in Stellung gebracht und Freunde aus der Nachbarschaft nahmen darauf Platz. Dann verlöschte das Licht und Finsternis bestimmte den Raum. Das Klicken des Schalters war zu hören und schon erschien ein Lichtstrahl im Zimmer. Ein Freund fungierte als Filmvorführer und die Kinovorstellung begann. Das Filmbild hatte einen unterlegten Text, der abwechselnd vom Freundeskreis vorgelesen wurde. Aschenputtel, Dornröschen, Münchhausen das waren die beliebtesten Filmtitel und das erzeugte Bild blieb so lange auf der Leinwand, wie es uns beliebte. Wir hatten Zeit zur Betrachtung der bunten Filmbilder. Das war Bildvergnügen ohne Zeitdruck. Lange hielt ich die „Pouva Magica“ in meinen Händen und konnte mich nicht von ihr lösen. Es gibt bestimmt andere unnütze Dinge hier auf den Dachboden zu entsorgen, dachte ich bei mir. Meine „Pouva Magica“ bleibt und all die vielen Filme in den Schachteln und Dosen. Sie sind ein Teil von meiner Kindheit und vielleicht gibt es demnächst eine Filmvorführung im Freundeskreis, so wie damals.
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13 Kommentare
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Ulf Wirrbach aus Gotha | 01.01.2012 | 09:46  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 01.01.2012 | 11:48  
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Petra Seidel aus Weimar | 01.01.2012 | 12:30  
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Karin Jordanland aus Artern | 01.01.2012 | 13:18  
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Hannelore Grünler aus Artern | 01.01.2012 | 20:03  
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Lutz Leipold aus Ilmenau | 06.01.2012 | 12:15  
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Gerald Kohl aus Erfurt | 06.01.2012 | 17:56  
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Steffen Weiß aus Gera | 06.01.2012 | 19:55  
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Eberhard :Dürselen aus Weimar | 06.01.2012 | 21:38  
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Eberhard :Dürselen aus Weimar | 07.01.2012 | 13:46  
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Renate Jung aus Erfurt | 07.01.2012 | 16:08  
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Hannelore Grünler aus Artern | 07.01.2012 | 21:20  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 10.01.2012 | 20:09  
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