Mein Geheimtipp: Revolution in einer Tabelle - Fördervereinsvorsitzender Horst Gröner zeigt sein Lieblingsstück im Deutschen Versicherungsmuseum

Horst Gröner, der Fördervereinsvorsitzende des Deutschen Versicherungsmuseums in ­Gotha, zeigt das Journal, in dem die ersten Versicherten der Gothaer Feuerversicherungsbank eingetragen sind.
 
Das Museum repräsentiert die gesamte deutsche Versicherungsbranche. Seit seiner Gründung im Jahr 2009 konnte der Förderverein zahlreiche Exponate hinzugewinnen. 24 Versicherungsgesellschaften sind Mitglieder des Fördervereins.
Gotha: Deutsches Versicherungsmuseum E.W. Arnoldi |

So also sah Excel vor fast 200 Jahren aus. In super­schöner Schreibschrift sind im großen, gebundenen Buch zahlreiche Namen, Orte und Daten fein säuberlich in die Tabellen eingetragen.

An der Vitrine im Deutschen Versicherungsmuseum in Gotha, in der das Buch ausgestellt liegt, gehen viele Besucher erst einmal vorbei. Dabei ist gerade dieses Buch das Lieblingsstück von Horst Gröner. Er ist der Vorsitzende des Fördervereins, der das Museum betreibt. Gröner erklärt: „Dieses Journal zeigt die ersten Verträge, die Ernst-Wilhelm Arnoldi ab dem 1.  Januar 1822 abgeschlossen hat.“

Heute würde das Buch 3,5 Millionen Namen tragen – so viele versicherte Mitglieder zählt der Gothaer-Konzern, der aus der früheren „Feuer­versicherungsbank des Deutschen Handelsstandes“ gewachsen ist. Mit mittler­weile über vier Milliarden Euro Beitragseinnahmen zählt das Unternehmen zu den größten und ältesten deutschen Versicherern. Nach dem genossenschaftlichen Prinzip sind die Mitglieder bis heute gleichzeitig Träger des Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit (VVaG).

Das Buch zeigt: Die ersten Versicherten wohnten in Pößneck, quasi um die Ecke. Dann folgen aber schon entfernte Städte wie Berlin, ­Hanau oder Frankfurt am Main. „Man sieht, wie schnell es Arnoldi geschafft hat, deutschlandweit seine Ver­sicherung zu verkaufen“, staunt Gröner. „Das ist faszinierend. Es gab damals schließlich über 40 Staaten im Deutschen Reich, mit festen Zollgrenzen. Und es gab natürlich noch kein Tele­fon, Internet oder so etwas.“

Artikel im Allgemeinen Anzeiger führte zum Erfolg


Was es aber gab: den Allgemeinen Anzeiger der Deutschen. Herausgeber dieser Zeitung war der Gothaer Verlagsbuchhändler Rudolph Zacharias Becker. Er war ein Bestsellerautor seiner Zeit, publizierte Bücher mit Millionenauflage. Seit 1812 schrieb Arnoldi für Beckers Anzeiger immer wieder Artikel zu sozial­politischen oder wirtschaftlichen Themen.

Ein Artikel rührte besonders auf. Ernst Wilhelm Arnoldi beklagte, dass ausländische Versicherungsfirmen den deutschen Markt beherrschen, die Gelder in ihre Heimat transferieren und im Schadensfall nur wenig zahlen würden. Er ­suchte Kaufleute, die mit ihm zusammen eine deutsche, eigenständige Versicherungsgesellschaft gründen wollten. Arnoldi fand diese Menschen und gründete 1820 die Versicherung mit Sitz in Gotha. Er warb Agenten in ganz Deutschland, die Versicherung verbreitete sich rasant im ganzen Reich. Arnoldi revolutionierte in Folge das Versicherungswesen.  

Und begonnen hat es mit ein paar Namen in einem Buch. „Es ist doch faszinierend, wie schnell seine Ideen gefruchtet haben“, sagt Gröner nachdenklich und legt seinen Geheimtipp vorsichtig wieder zurück in die Vitrine.


Hintergrund

• Das Deutsche Ver­sicherungsmuseum Ernst Wilhelm Arnoldi teilt sich das Gebäude mit dem Thüringer Finanz- und Sozialgericht. Besucher müssen daher erst die streng bewachte Pforte passieren. Das Museum hat jeden Montag von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Infos: dvm-gotha.de

• Das Museum repräsentiert die gesamte deutsche Versicherungsbranche. Seit seiner Gründung im Jahr 2009 konnte der Förderverein zahlreiche Exponate hinzugewinnen. 24 Versicherungsgesellschaften sind Mitglieder des Fördervereins.

• Falsch ist, wenn Ernst Wilhelm Arnoldi immer wieder als Erfinder der Versicherung bezeichnet wird – die gab es schon vor 3800 Jahren. Allerdings gilt er als Vater des modernen Versicherungswesens.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige