Warnungen auf Zigarettenschachteln und ihre Bedeutung

     

Raucher kennen die Aufdrucke auf Zigarettenschachteln auswendig. Doch was verbirgt sich eigentlich medizinisch gesehen hinter solchen Aussagen wie „Rauchen schädigt Zähne und Zahnfleisch“?

Jeder Raucher blickt unweigerlich auf sie, wenn er sich eine Zigarette aus der Packung zieht: Die Warnhinweise. Seit 2003 sind sie in der EU Pflicht und müssen mindestens 30 beziehungsweise 40 Prozent der Vorder- und Rückseite der Packungen einnehmen. Allerdings reicht der Platz naturgemäß nicht, um vollständige Hintergrundinformationen zu jeder Warnung zu liefern. Das will dieser Artikel übernehmen und listet daher typische Warnhinweise auf und erläutert, was jeweils hinter dieser Aussage steckt. Eine Information bereits vorweg: Viele der Krankheiten und Symptome, die die Hinweise auflisten, sind Folge der gefäßverengenden Wirkung des Nikotins. Dieser Begriff wird daher öfter zu lesen sein.

1. "Rauchen kann die Spermatozoen schädigen und schränkt die Fruchtbarkeit ein"


Als Spermatozoen bezeichnet man die einzelnen Spermien des Mannes. Hier haben vor allem die giftigen Inhaltsstoffe, die bei der Verbrennung des Tabaks entstehen, verheerende Wirkung: Sie gelangen über die Blutbahn in die Hoden. Und dort können sie dafür sorgen, dass in den Spermien die Erbgutinformationen beschädigt werden. Das bedeutet, wenn ein so geschädigtes Spermium in die weibliche Eizelle eindringt, gibt es sein „falsches“ Erbgut weiter. Das wiederum kann laut einer kanadischen Forschergruppe das Risiko von Erbkrankheiten steigern. Der zweite Teil der Warnung betrifft die Menge der Spermien selbst: Durch die gefäßverengende Wirkung sorgt der Rauch dafür, dass schlicht im Gesamten weniger Spermien produziert werden – auch gesunde.

2. "Rauchen schädigt Zähne und Zahnfleisch"


Wer als Nichtraucher jemals einen Raucher küsste, der weiß: Das schmeckt nicht sonderlich gut. Aber hinter dieser Warnung steckt noch mehr: Zum einen lagert sich das Nikotin auf den Zähnen ab und sorgt dafür, dass sie mit der Zeit gelb werden. Zum anderen schwächt der Tabakrauch das Immunsystem. Und das wiederum kann dafür verantwortlich sein, dass sich in den Zahnfleischtaschen Krankheitserreger ausbreiten und für Entzündungen sorgen können. Aber noch nicht genug: Weil Nikotin gefäßverengend wirkt, sorgt es dafür, dass Zähne und Zahnfleisch nicht ausreichend mit Blut und Nährstoffen versorgt werden – Zahnverlust ist dann die Langzeitfolge. Und nicht zuletzt können vor allem die bei der Verbrennung entstehenden Gifte durch ihr erbgutschädigendes Verhalten das Risiko für Mundhöhlenkrebs gewaltig steigern: Um das Sechsfache ist es bei Rauchern erhöht.

3. "Rauchen kann zu Durchblutungsstörungen führen und verursacht Impotenz"


Auch hinter dieser Warnung verbirgt sich einmal mehr die gefäßverengende Wirkung. Im Penis des Mannes befinden sich Schwellkörper. Sie werden mit Blut gefüllt, damit „Er“ steif wird. Durch einen hohen Nikotinspiegel im Blut ziehen sich die Adern, die diese Schwellkörper versorgen, zusammen – weniger Blut kann hindurchfließen. Das wiederum kann dafür sorgen, dass der Penis nur noch teilweise oder gar nicht steif wird. Zudem berichtet die Apotheken-Umschau, dass Tabakrauch auch die Produktion des männlichen Sexualhormons Testosteron hemmt. Ein solcher Mangel kann ebenfalls zu erektilen Dysfunktionen kommen, weil der Mann auf hormoneller Ebene nicht mehr erregt wird.

4. "Rauchen in der Schwangerschaft schadet Ihrem Kind"


Babys sind über die Nabelschnur mit der dem Körper verbunden. Darüber wird das Ungeborene nicht nur mit Nährstoffen versorgt, sondern auch mit sämtlichen Giftstoffen, die die Mutter aufnimmt. Schwangere, die Rauchen, sorgen so dafür, dass das beim Rauchen eigeatmete Kohlenmonoxid die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung des Babys hemmt. Dadurch wird die Entwicklung eingeschränkt. Wie Gofeminin schreibt, sind Raucherbabys nicht nur körperlich kleiner, sondern leiden auch häufiger unter Atemwegs- und anderen Erkrankungen. Und gleichzeitig werden Gebärmutter und Muttermund schlechter durchblutet. Das wiederum kann zu Früh- oder Fehlgeburten führen. Wichtig: Die gerne verwendete Behauptung, dass sofortiger Rauchstopp beim Embryo zu Entzugserscheinungen führen würde, ist ein medizinisch unbewiesenes Gerücht. Im Gegenteil: Jede Zigarette, die das Kind nicht „mitrauchen“ muss, ist von Vorteil.

5. "Rauchen lässt Ihre Haut altern"


Das klassische Bild vom Marlboro-Cowboy mit dem wettergegerbten Gesicht. Markant, aber mitnichten Zeichen eines bodenständigen Lebensstils, sondern eher ein weiterer Beweis für die schädigende Wirkung des Rauchens. Auch hier macht das Nikotin den Adern das Leben wieder schwer: Der Nährstofftransport zum größten menschlichen Organ, der Haut, wird reduziert. Gleichzeitig schädigen die Dutzenden Gifte des verbrannten Tabaks die Hautzellen. Und dann meldet die Krankenkasse BKK24 noch, dass der Tabakrauch auch zuverlässig die Versorgung der Haut mit Feuchtigkeit verhindere. Die Gesamtsumme dieser Faktoren: Falten entstehen nicht nur wesentlich früher, sondern werden auch zahlreicher und tiefer.


6. "Rauch enthält Benzol, Nitrosamine, Formaldehyd und Blausäure"


Wenn in Zigaretten tatsächlich nur reiner Tabak stecken würde, wären sie zwar immer noch gefährlich, aber wohl um Längen weniger. Jedoch behandeln die Hersteller den Tabak mit Zusätzen wie Zucker. Das Ziel: Das Rauchen soll leichter und bekömmlicher werden – Kritiker sprechen auch davon, dass die Sucht gesteigert werden soll. Aber: Was zunächst harmlos klingt, etwa der erwähnte Zucker, spaltet sich bei der Verbrennung zu teilweise extrem ungesunden Stoffen auf. Benzol etwa. Der Kohlenwasserstoff kommt in Kraftstoffen als Antiklopfmittel zum Einsatz und ist nicht nur ein Blutgift, sondern auch krebserregend. Nitrosamine entstehen ebenfalls durch die Verbrennung und sind einer der krebserregendsten Stoffe, die die Wissenschaft kennt. Formaldehyd dient der Industrie unter anderem als Desinfektionsmittel und zur Herstellung einiger Kunststoffe. Es ist nicht nur krebserregend, sondern schädigt auf die Dauer auch das Gedächtnis. Und Blausäure ist einer der giftigsten Stoffe überhaupt und in hohen Konzentrationen absolut tödlich. Laut dem Rauchstoppzentrum werden in den USA zum Tode Verurteilte in der „Gaskammer“ ebenfalls durch Blausäure hingerichtet. Die hier genannten Stoffe sind aber nur vier von mehr als 3800 chemischen Verbindungen im Tabakrauch – von denen mehr als 200 giftig und mindestens 40 krebserregend sind.


7. "Rauchen kann zu einem langsamen und schmerzhaften Tod führen"

Raucher bekommen Lungenkrebs – so der gängige Tenor. Stimmt auch, aber darüber hinaus ist das Rauchen laut dem Focus auch noch für 19 weitere Krebsarten verantwortlich. Darunter alleine neun im Bereich zwischen Lippen und Speiseröhre. Und zudem kann der Tabak auch für Krebs im gesamten Verdauungstrakt verantwortlich sein. Der Fakt ist: Nahezu jeder zweite Krebspatient überlebt seine Erkrankung nicht. Zuvor stehen jedoch verschiedenste Operationen, Therapien und teilweise äußerst belastende Chemiecocktails, die den Krebs bekämpfen sollen. Obwohl unvermeidlich, wird dadurch der Tod nur weiter hinausgezögert und das Leben bis zu diesem Punkt ein schmerzhafter Prozess zwischen Krankenhäusern und Bestrahlungszentren. Tod ist niemals schön, aber es gibt wahrlich bessere Todesarten, als durch die von Tabak ausgelösten Krebstypen.

8. "Rauchen macht sehr schnell abhängig: Fangen Sie gar nicht erst an!"


Rauchen macht gleich auf mehrere Arten abhängig: Körperlich und psychisch. Das Schlimme daran ist, dass es tatsächlich sehr schnell geht, denn Nikotin ist ein verhältnismäßig starkes Nervengift, auf das der Körper sehr gut anspricht.
Körperliche Abhängigkeit entsteht dadurch, dass durch Nikotin im Gehirn das Glückshormon Dopamin ausgeschüttet wird. Dieser Botenstoff wird normalerweise nur ausgeschüttet, um die Selbsterhaltungstriebe Essen, Trinken und Fortpflanzung zu stimulieren. Durch das Rauchen bilden sich immer mehr Rezeptoren für Dopamin – die Gier wird also immer stärker. Beim Entzug führt das dazu, dass angehende Nichtraucher mürrisch und unkonzentriert sind – ihre Dopamin-Rezeptoren werden ja nicht bedient.

Psychische Abhängigkeit basiert nach Rauchfrei-info vor allem auf der Verbindung des Rauchens mit bestimmten Situationen: Die Zigarette nach dem Essen, die morgendliche Fluppe auf dem Weg zur Arbeit. Der Körper merkt sich sehr schnell den daraus resultierenden „Gute-Laune-Schub“ und erzeugt so einen unbewussten Zusammenhang zwischen Situationen und dem Rauchen. Die Folge: Wer etwa in Stresssituationen zur Zigarette griff, glaubt oft, dass diese Momente ohne Nikotin viel schwerer zu bestehen sind. Dabei ist das ein Trugschluss: Vielmehr verhält es sich so, dass der Nikotinmangel erst Stress verursacht. Wer sich dann angesichts eines überquellenden Terminkalenders erst mal „eine ansteckt“, reduziert nicht den tatsächlichen Stress, sondern nur den, den seine Sucht auslöst.

Fazit


Auch wenn die Warnhinweise für sich und insbesondere nach einer solchen Erklärung schon eine sehr deutliche Sprache sprechen, gehen viele Raucher immer noch nach der Maxime „Worte sind nur Schall und Rauch“ und ignorieren die Hinweise schlicht. Um das zu umgehen, werden in Deutschland ab Mai 2016 alle Packungen zusätzlich mit Bildern von Raucherlungen, Krebsgeschwüren und anderen, durch Tabakrauch ausgelösten Krankheiten bedruckt. Doch selbst das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange, denn wie Australien vormacht, geht es auch noch weiter: Der fünfte Kontinent erlaubt nur noch Packungen in einheitlichem Design, auf denen in einer Einheits-Schriftart die Marke angegeben wird. Der Rest der Packungen wird von Schockbildern dominiert. Das soll dafür sorgen, dass Zigarettenkonzerne auch nicht mehr durch das Design der Schachtel Kauflaune wecken können. Zweckmäßig ist das sicherlich und auch wirksam. Ob allerdings damit nicht auch eine Grenze überschritten wurde, die die Wahlfreiheiten eines jeden Einzelnen etwas zu sehr einschränkt, darüber werden noch viele Diskussionen zu führen sein.


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