Wie werden wir in fünf Jahren wohnen?

Gotha: Innenstadt | Heike Backhaus, Technischer Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft Gotha e.G. (WBG) und Charistine Riede, Geschäftführerin der Baugesellschaft Gotha mbH (BGG) geben Auskunft und wagen einen vorsichtigen Ausblick:


GOTHA. „In Deutschland fehlen rund vier Millionen Sozialwohnungen“, verlautbart eine aktuelle Studie des Eduard-Pestel-Instituts. Nach Aussage des in Hannover ansässigen Instituts für Systemforschung „verschwanden in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt 100.000 Sozialwohnungen pro Jahr vom Markt.“ Ist das auch ein Trend, den man in Gotha feststellen kann? „Nein, das kann man so nicht sagen“, lenkt Heike Backhaus, Technischer Vorstand der WBG ein. „Um das differenzierter zu sehen, muss man einen Blick in die Geschichte unserer Genossenschaft werfen. Unser `Verein für Wohnungshülfe´ wurde 1895 gegründet und hatte die Aufgabe, übrigens bis heute, Menschen mit ordentlichen und bezahlbaren Wohnraum zu versorgen. In den ersten 100 Jahren des Bestehens der Genossenschaft wurden lediglich Wohnungen gebaut. Mitte der 1990er Jahre sahen wir uns dann einem Überangebot an Wohnraum gegenüber und begannen, Wohneinheiten von Markt zu nehmen - der Rückbau von maroden und/oder nicht mehr zeitgemäßen Quartieren begann.“ Heute wollen die Menschen nicht mehr die Wohnung von der Stange. Gefragt sind individuelle Lösungen. „Beispielsweise sind Zwei-Raum-Wohnungen sehr gefragt. Genauso Maisonette-Wohnungen oder solche mit einer offenen Küche, sowie Wohnraum mit einem großen Bad. Die Menschen wollen großzügig wohnen, mit viel Platz und einem Fahrstuhl im Haus“, bestätigt Heike Backhaus und fügt hinzu: „Immer öfter verzeichnen wir einen vermehrten Zuzug aus dem Umland. Ältere Menschen kommen vom Dorf in die Stadt. Fehlende Einkaufsmöglichkeiten und Ärzte sind hier der Grund für den Wunsch, mitten in der Innenstadt zu wohnen.“ Ein völlig neuer Trend ist das gestiegene Bedürfnis nach Sicherheit. So wird bei der WBG immer öfter nach Wohnungen mit Rollläden und Rauchmeldern gefragt oder nach Elektroherden, die sich von selbst abschalten. „Wir versuchen hier zu reagieren, können aber den Bedarf nicht flächendeckend anbieten, weil das den finanziellen Rahmen sprengen würde. Denn unsere Wohnungen sollen ja bezahlbar bleiben“, bestätigen beide WBG-Vorstände Heike Backhaus und Steffen Priebe. „Wichtig ist für uns auch der Spagat zwischen energetischer Sanierung und Mietkosten. Für die Plattenbauten heißt das: Farbe, Fuge, Fenster. Das treibt die Mieten nicht über Gebühr nach oben.“


Bei der Baugesellschaft Gotha mbH ist ebenfalls der vermehrte Zuzug aus den ländlichen Gemeinden zu verzeichnen. „Im ersten Halbjahr 2012 haben wir bereits 51 neue Mietverträge genau aus diesem Grund abgeschlossen“, bestätigt Christine Riede, Geschäftsführerin der Baugesellschaft Gotha mbH (BGG). Insgesamt gab es bei der BGG 2011 212 Zuzüge, was dem Wohnungsumfeld und der Lebensqualität in Gotha eine besondere Güte bescheinigt, was auch die Empirica-Studie, die speziell zum Wohnungsmarktbereich Thüringen angefertigt wurde, der Residenzstadt bestätigt. „Bei unseren Mietern ist ein sehr hohes Qualitätsempfinden zu verzeichnen. Fast 47 Prozent aller Instandhaltungskosten wenden wir die Arbeiten vor einer Neuvermietung auf“, bestätigt Christine Riede. Damit liegt auch die BGG voll im Trend. Denn heute wollen die Menschen Küche und Bad mit Fenster, ein Zimmer mehr als Anzahl der einziehenden Personen, einen Balkon, einen PKW-Stellplatz und nicht höher als 2. Obergeschoss. „Das ist natürlich nicht in jedem Fall zu machen“, so die BGG-Chefin. „Deshalb bieten wir verschiedenste `Produkte´ an. Für junge Menschen `hoch und günstig´ und für Familien `größer für kleiner´ (etwas preiswerter).“


Anders als bei der Genossenschaft verwaltet die Baugesellschaft Gotha einen großen Bestand an Plattenbauwohnungen, hat also rund 800 sogenannte Sozialwohungen. Mit einem Mietpreis im Durchschnitt von 4,16 Euro/m² liegt Gotha noch unter dem Thüringenschnitt von 4,44 Euro/m². Auch bei der Baugesellschaft Gotha mbH kennt man das Problem des demographischen Wandels. „93 Prozent unserer älteren Mieter wollen selbstbestimmt in `normalen´ Wohnungen wohnen. Hier gilt es zu schauen, wo Bedarf besteht und entsprechend zu reagieren um gezielt den Menschen bezahlbaren Wohnraum zu vermitteln, auch über unsere Geschäftspartner.“ Natürlich weiß man auch bei der BGG um das gestiegene Sicherheitsbedürfnis der Mieter und hat bei allen Sanierungen im Erdgeschoss Rollläden eingebaut.
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