Wille auf Papier

Immer mehr denken über eine Patientenverfügung nach. (Foto: Igel)
 
Erika Daubitz ist Richterin am Amtsgericht. (Foto: Igel)
Von Uwe-Jens Igel

Selten wurde das Thema Organspende so stark diskutiert wie gerade. Doch neben einem Organspendeausweis, der den eigenen Willen ziemlich genau dokumentiert, sollte man auch das Thema Patientenverfügung nicht außer Acht lassen. Darüber sprach der Allgemeine Anzeiger mit Richterin am Amtsgericht Erika Daubitz.


Was regelt eine Patientenverfügung?
Bis zum Jahr 2009 gab es keine gesetzlichen Regelungen. Um so wichtiger ist es, das der Gesetzgeber nun Klarheit geschaffen hat. Denn es bestand und besteht immer noch eine große Unsicherheit – und das bei Patient und Arzt. Eine Patientenverfügung regelt alle Bestimmungen über mein Leben, wenn ich nicht mehr kann – meine Gesundheit betreffend – für alle bindend, die damit zu tun haben.

Wann, wie und wo muss ich meinen Willen dokumentieren?
Es gibt keine festgelegten Form- und Gültigkeitsvorschriften. Je aktueller das Papier ist, um so besser. Aber auch das ist nicht vorgeschrieben. Natürlich muss es Personen geben, die davon wissen und die Patientenverfügung im Bedarfsfall auch umsetzen können. Auch die Einbeziehung eines Notars ist nicht nötig. Man sollte die Patientenverfügung aber koppeln mit einer Vollmacht, und Angehörige, Verwandte oder Freunde informieren. Denn was nützt die beste Patientenverfügung, wenn niemand davon weiß. Darüber hinaus macht es Sinn, alle zwei Jahre drüber zuschauen und das mit einer neuen Unterschrift zu manifestieren.

Reicht ein Ankreuzformular aus dem Internet?
Das würde mir nicht reichen. Es ist im Einzelfall nicht zu empfehlen, weil diese Vordrucke viel zu allgemein gehalten sind. Eine Patientenverfügung muss sehr individuell sein. Denn das Gesetzt sagt: es muss auf die aktuellen Situation, zu dem momentanen Zeitpunkt passen. Das ist natürlich sehr schwer, weil man nicht weiß, wie und wann das Schriftstück zum Ansatz kommt. Zumal wir hier immer von den Fall sprechen, wo nichts mehr geht, ich nicht mehr selbst entscheiden kann. Natürlich kann man sich im Internet Anregungen holen. Die Anhaltspunkte sind zum Teil speziell, dennoch aber Vorsicht. Noch nicht einmal die Vordrucke vom Bundesjustizministerium sind vollständig.

Wie bindend ist meine Patientenverfügung?
Eine Patientenverfügung muss schriftlich abgefasst sein und ist zu 100 Prozent bindend für alle. Mehr noch, es drohen strafrechtliche Konsequenzen, wenn der Wille nicht befolgt wird. Es geschieht aber sowieso erst einmal immer das, was medizinisch erforderlich ist. Auch hier ist immer der Einzelfall zu betrachten.

Was ist vorab wichtig?
Ich glaube, es wird immer mehr zu einer Modeerscheinung: Alles haben es, ich brauch es auch. Nicht jeder braucht automatisch eine Patientenverfügung, nur der unbedingt möchte und denkt, für ihn sei es wichtig.

Was ist sonst noch zu beachten?
Sie muss schriftlich, konkret auf die Person, den Sachverhalt der Erkrankung, durchsetzbar und verbindlich ausformuliert sein. Sie kann ohne Reichweitenbeschränkung, d.h. auf das ganze Leben bezogen sein. Der eine wünscht beispielsweise keine Bluttransfusion, der andere keine Tetanus-Spritze. Ein Dritter wieder etwas ganz anderes. Im Einzelfall muss es passen. Obendrein soll meine Verfügung bei Jemandem hinterlegt sein, der es dann auch durchsetzen soll.


INFOKASTEN:
• Gesundheitstag: am Mittwoch, 14. März, von 10 bis 15 Uhr, im Landratsamt Gotha, 18.-März-Straße.
• Vorträge: „Burnout“ (Frau Dr. Hammann, 10 Uhr), „Patientenverfügungen“ (Richterin Frau Daubitz, 11 Uhr) sowie „Alternative Heilmethoden“ (Apotheker Herr Hock, 13 Uhr
• Weitere Thema: gesunde Ernährung, ein physiotherapeutisches Verwöhnprogramm, zwei Kurse zur Gesundheitsbildung, Impfcheck und Impfberatung, Bestimmung des Body-Maß-Indexes, Blutdruck-, und Blutzuckermessungen sowie Hör- und Sehtests
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