Andy Dittmar schiebt keine ruhige Kugel

Andy Dittmar in Aktion (Foto: Uwe-Jens Igel)
Gotha: Schloss Friedenstein |

Gotha. Kugelstoßer Andy Dittmar ist noch immer aktiv und organisiert das Gothaer Schloss-Meeting mit, bei dem Deutschlands Kugelstoß-Elite antritt.

Der Ehrgeiz ist noch da. Selbst mit fast 40. „Solange die 18 vor dem Komma steht, ist alles in Ordnung“. 18 Meter. Diese Strecke muss die Kugel mindestens zurücklegen, wenn Andy Dittmar sie mit Kraft und Schwung von sich stößt, das hat er für sich so festgelegt. Solange das noch funktioniert, tritt er zu Wettkämpfen an.

Noch immer erfolgreich


Mit Erfolg, der Gothaer ist deutschlandweit auf der Bestenliste seiner Altersklasse immer unter den ersten zehn. Dabei gönnt er sich nur dreimal pro Woche eine Trainingseinheit, einmal Kraft, einmal Kugelstoßen, einmal kombiniertes Training. Manchmal legt er auch eine Pause ein, tagelang. „Ich muss dem Alter Tribut zollen“, sagt Andy Dittmar, der am 5. Juli seinen runden Geburtstag hat. Wenn ihm im Training mal eine Kugel 'durch die Finger rutscht', dauert es eben ein wenig länger als früher, bis sich alles regeneriert hat. Ansehen kann man das dem durchtrainierten Hünen nicht.

Der Spätstarter


Erst spät hatte Andy Dittmar mit dem Kugelstoßen begonnen. Ein Trainer hatte in dem 17-jährigen Mehrkämpfer und Speerwerfer das Potential zum Kugelstoßen gesehen. Er sollte Recht behalten. Das kraftvolle Spiel mit der Kugel liegt dem Jungen besser als das elegantere Speerwerfen. Kraft und Schnelligkeit sind sowieso seins, Bewegung überhaupt. „Ich war als Kind ein richtiger Zappelphillip, deshalb haben mich meine Eltern schon früh zum Sport geschickt“, erinnert er sich an seine ersten Trainingseinheiten im Kindergartenalter. Der Kugelstoß-Spätstarter hat schnell Erfolg, wird 1996 zum ersten Mal Deutscher Meister.

Kein Kugelschubser


„Ab da ging es immer weiter vorwärts“, sagt er und erzählt von guten und trotzdem harten Zeiten. In mancher Woche standen acht Trainingseinheiten auf dem Programm, so ganz 'nebenbei' musste er die Ausbildung gut hinter sich bringen, qualifiziert sich für seine ersten internationalen Meisterschaften. Immer wichtiger wird auch die Familie, im Mai des Jahres 2000 wird Andy Dittmar zum ersten Mal Vater. Das ist auch das Jahr, in dem der Sportler eine große Enttäuschung einstecken muss. „Ich war ganz nah dran.“ Doch 13 Zentimter fehlen ihm an der nötigen Weite für die Olympia-Qualifikation. Vier Jahre später schafft er die Norm, doch andere sind noch besser. Andy Dittmar trainiert weiter, pendelt sich stabil auf Stoßweiten über 20 Meter ein. „Alles darunter ist Kugelschubsen“, zitiert er seinen früheren Trainer.

Es kommt anders


Das Ziel ist klar: Ein Jahr Auszeit von der Arbeit möchte er nehmen, noch einmal hart trainieren, 2007 zur Weltmeisterschaft antreten, ein Jahr später zu Olympia. Doch ein abgerissener Brustmuskel macht alle Träume vom Gold zunichte. Nicht die vom großen Geld. „Als Kugelstoßer kannst du nicht reich werden. Höchstens reich an Erfahrungen, Emotionen und tollen Erlebnissen.“

Zeit zum Durchatmen und Neustart


Vielleicht wollte es das Schicksal so. Andy Dittmar nimmt sich die Zeit, gesund zu werden und sich in seine Arbeit zu stürzen. Auch die Familie ist größer geworden, braucht ein Haus. Alles ist gut. Vor allem, als er endlich wieder trainieren kann. Entspannter, mehr für sich. „Ich war Mitte 30, das richtige Alter, um wettkampfmäßig in die Seniorenriege einzusteigen“, beschreibt er seinen neuen Weg. Aber die 18 Meter müssen es immer sein. Sonst höre er lieber auf, sagt er.


Am 19. Juli kann er wieder die 18-Meter-Marke knacken. Beim Gothaer Schloss-Meeting der Kugelstoßer, das er 1997 mit einem Freund aus der Taufe hob und das jedes Jahr mindestens 1000 Zuschauer anlockt.



Das Gothaer Schloss-Meeting


Samstag, 19. Juli, 15.30 Uhr, im Westgarten von Schloss Friedenstein. Drei Wettbewerbe (Damen, Rollis, Herren) und das Jedermann-Stoßen stehen auf dem Programm. In den Wettkampfklassen sind alle Athleten am Start, die in Deutschland Rang und Namen haben, zum Beispiel David Storl, Weltmeister von 2011 und 2013 und Olympiazweiter von 2012. Weitere Informationen unter www.gothaer-schlossmeeting.de
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