Biathlon-Tourist de Luxe

Biathlon-Fan Norbert Starke (Foto: Holger John)
 
Norbert zu Gast in Crawinkel
Er ist gelernter Zimmermann, arbeitete beim Zoll und jobt über den Sommer als Wachmann. Dabei ist Norbert Starke schon 74 Jahre. „Damit verdiene ich mir meinen Spaß im Winter“, sagt der rüstige Rheinländer. Seit 23 Jahren gehört das Kölner Urgestein zum Biathlonsport einfach mit dazu. Wie der Schnee und das Publikum. Und genau hier fühlt sich Norbert am wohlsten. Hier ist er in seinem Element, hier macht er Party, hier sammelt er aber auch Geld. Mit seiner Büchse um den Hals bittet er all diejenigen um eine kleine Spende, die den markanten Biathlon-Touristen, wie er sich selbst sieht, fotografieren möchten. Aber auch sonst ist jeder Euro, der in seiner Büchse landet, gern gesehen. Denn am Abend eines jeden Veranstaltungstages übergibt er seine gesammelten Werke an den Veranstalter, damit das Geld dem Nachwuchs zu Gute kommt – so wie in Oberhof, wo der Biathlon-Förderverein die, wenn auch nicht allzu üppigen, Mittel dringend braucht und gern entgegen nimmt. Übrigens, in der vergangenen sechs Jahren insgesamt schon fast 10.000 Euro.

Sein Interesse für Biathlon besteht schon sehr lange. Schon vor 1989 feuerte er die deutschen Athleten kräftig an, allerdings nur im heimischen Wohnzimmer vor dem Fernseher. Erst als sein Beruf ihn im Jahr 1992 nach Erfurt führte, hier half Norbert Starke beim Aufbau der Oberfinanzdirektion, kam er auch zum ersten Mal mit dem Virus Biathlon in Berührung. „Das war etwas ganz anderes“, sagt Norbert, der mit aller Welt per Du ist und gern mit seinem Vornamen angesprochen werden möchte. „Da habe ich zum ersten Mal meine Stars live gesehen, war ihnen ganz nah und wollte das ab sofort immer und so oft wie möglich erleben. So oft es meine Zeit zuließ besuchte ich die Rennen und machte während dieser Zeit auch schon mal Urlaub in der Nähe“, plaudert die sympathische Brummbär mit seinem weiße Rauschebart.

Doch Norbert Starke „plagt“ noch eine andere Leidenschaft. Er sammelt Pin´s. Aber nicht irgendwelche, sondern nur solche von den Biathlonwettbewerben und den jeweiligen Veranstaltungsorten. Inzwischen zieren seinen fast zwei Kilogramm schweren Hut schon fast 360 solcher Blechnägel, die er stolz zur Schau trägt. Und genau dieser Hut und seine gesamte Erscheinung machen den Fan und seine Erscheinung aus. Und ob Oberhof, Ruhpolding, Hochfilzen, Östersund oder Nove Mesto – überall steht er im Publikum und feuert die Deutschen an, aber auch alle anderen Teilnehmer.

„Am Biathlon fasziniert mich der Wechsel der Sportarten. Volle Pulle laufen und hochkonzentriert schießen. Hätte ich diesen Sport nicht entdeckt, wäre ich sicher Fan von der Nordischen Kombination geworden“, scherzt Norbert, der in diesem Jahr zum 23. Mal in Oberhof mit dabei ist in der „großen bunten Biathlon-Familie. Neben allem Lob über seinen Sport, seine Sportler und seine Fans schlägt Norbert aber auch deutliche Worte an und kritisiert den Oberhofer Weltcup – oder besser gesagt den Kommerz drum herum. „Zum einen sind die normalen Karten viel zu teuer, von den VIP-Karten ganz zu schweigen, und zum anderen kommen viele Menschen mit Busreisegruppen nur zum Trinken und Feiern. Manche Reisebüros kaufen Kartenkontingente und machen damit und ihren Reisenden Geld. Der eigentliche Sport und die Fankultur kommen hier leider zu kurz. Das ist meins nicht“, sagt Norbert.

Noch vor einigen Jahren ist er selbst mit dem eigenen Auto zu den Wettkämpfen gefahren. Heute lässt er sich mal von seinem Sohn, mal von Freunden oder Journalisten zu den Wettkämpfen „in der Nähe“ mitnehmen. Nur wenn es weiter weg geht, nimmt er den Flieger. „Nach Oberhof bin ich mit dem Zug gekommen. Wenn es die Gesundheit mitmacht, möchte ich noch weitere 23 Mal kommen“, scherzt der bei den Zuschauern beliebte Rentner, der immer öfter Autogramme schreiben muss und inzwischen sogar seine eigenen Autogrammkarten hat. Selbst das Fernsehen hat ihn schon das eine ums andere Mal interviewt und so dafür gesorgt, dass man Norbert inzwischen, wie die Rennsteighexe mit dem Rennsteiglauf, mit dem Biathlon-Weltcup in Verbindung bringt. Hier verbringt er seine Winter und hofft, dass es noch möglichst viele Weltcup´s in Oberhof gibt. Ob allerdings sein Hut weiterer 23 Jahre lang Pin´s von jedem Weltcup verkraftet, bleibt abzuwarten.
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