Das Stille Billard

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Karambol wird mit drei Kugeln gespielt, die nicht in Taschen versenkt werden. Im Bild: Jerome Saint- Maxent.
Waltershausen: | In Waltershausen wird sehr erfolgreich Karambol gespielt. Bei einem Turnier ging es gegen Freunde aus Frankreich

WALTERSHAUSEN. Auch wenn Billard auf die breite Masse gesehen eher eine Randsportart ist, in der Puppenstadt Waltershausen wird sie, in Form von Karambol, nicht nur betrieben, sondern intensiv gelebt. So ist die Abteilung Billard der ZSG „Grün-Weiß“ Waltershausen einer der wenigen Vereine der Stadt, der die Partnerschaft mit der Partnerschaftsstadt Bruary sur l' Escaut am Leben erhält und weiter ausbaut. Bereits seit 13 Jahren treffen sich beide Vereine, mal in Waltershausen, mal in Frankreich, zu gemeinsamen Turnieren mit Kultur, Sightseeing und Familientreffen. Nun hat der Eine oder Andere sicher schon einmal etwas von Billard gehört. Am bekanntesten ist Pool. Grüne Tische mit einem abgewetzten Tuch, tief darüberhängenden Lampen, die in dem dunklen Raum gerade einmal den Tisch beleuchten, im Hinterzimmer einer Kneipe. Umhüllt wird das ganze Szenario durch dichten Zigarettenrauch. Mehr oder weniger gekonnt werden die Kugeln in die Taschen gekickt. „Das wäre für uns kein Ort um ein Spiel zu wagen“, sagt Peter Hellmuth, der beim ZSG „Grün-Weiß“ Waltershausen mit seinen Teamkollegen in einem großen hellen Raum dem Denk-, Winkel- und Feinmotorik-Sport Karambol frönt. „Bei diesem stillen Billard ist Denken genauso gefragt wie die räumliche Vorstellungskraft. Dazu kommt eine gewisse Kenntnis der Winkel.“ Von der Art wie Spieler bei Karambol am Tisch auftreten wäre am ehesten noch mit Snooker vergleichbar. Ruhe, Sauberkeit, gepflegte und vorgeschriebene Anzugsordnung geben dem Sport etwas Elitäres, Gediegenes. „Nur sind unsere Tische viel kleiner als beim Snooker, sie haben keine Taschen und wir spielen auch nur mit drei Kugeln, auch Bälle genannt“, erzählt Hellmuth weiter. Seinen Ursprung hat Karambol in Frankreich. Etwa zur Mitte des 16. Jahrhunderts trieb die Lange Weile der Adligen die verschiedensten Blüten. Sie ließen sich die unterschiedlichsten Spiele einfallen um die Zeit totzuschlagen. Unter anderem auch Karmabol. Und noch heute ist diese Art des Billards auch in Frankreich, Belgien und Holland, aber auch in Österreich und im Ruhrgebiet am weitesten verbreitet. Hier finden auch immer wieder Turniere statt. Auch in der ehemaligen DDR war Billard beliebt, wurde aber weitestgehend in Hinterzimmern gespielt. In Waltershausen wird Billard seit mehr als 50 Jahren aktiv gespielt. Nach der Wende haben sich einzelne Betriebssportgemeinschaften (BSG), auch die Billardsportler in der ZSG „Grün-Weiß“ Waltershausen vereinigt. Kleine und größere Talente hat der Verein hervorgebracht, so wie Ulrich Graue, der mehrfacher Thüringer Meister war und gute Plätze bei den Deutschen Meisterschaften der Senioren belegte. Heute spielt die Waltershäuser Billard-Abteilung wieder in der Landesliga, nach dem sie in die Landesklasse abgestiegen und gleich wieder aufgestiegen ist. Zu ihren Punktspielen treffen sie dann auf Mannschaften aus Weida, Neustadt/Orla, Erfurt, Ilmenau, Jena, Schleiz, Sonneberg, Sömmerda und Haselbach. Oder sie veranstalten Freundschaftsturniere, wie das vor wenigen Tagen, als die Freunde aus der Partnerschaftsstadt Bruary sur l' Escaut zu Gast waren. „Hier haben wir in den Disziplinen `Freie Partie´, `Cadre 47/2´, und `3-Band´ gespielt“, erklärt Peter Hellmuth und resümiert ernüchtert, denn „in diesem Jahr mussten wir uns der französischen Equipe mit 12 zu 4 Punkten deutlich geschlagen geben. Obendrein haben wir unseren Freunden den Sieg mit einem schönen Pokal versüßt.“ In Waltershausen selbst haben die Sportler beste Bedingungen. Im Billardsaal am Sportplatz können sie ungestört trainieren und sogar Bürgermeister Michael Brychcy ließ es sich nicht nehmen, die Billardspieler während ihres Turniers zu besuchen und sie für den nächsten Tag zu einem Empfang in die Bohlenstube des Rathauses einzuladen. Doch jetzt heißt es wieder sich auf den Spielbetrieb zu konzentrieren. Denn in der Meisterschaft stehen jeweils fünf Heim- und Auswärtsspiele auf dem Programm. „Dafür müssen wir jetzt trainieren, um auf jeden Fall die Klasse zu halten.“

Abteilung Billard der ZSG Grün-Weiß Waltershausen,
Ansprechpartner: Peter Hellmuth, Tel.: 03623/307434, Mobil: 0176/23160980
Training: Montag, 16 - 20 Uhr, im Billardsaal im Sporthaus Waltershausen, in der Gothaer Straße
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