Es ist geschafft!

  Von Wolfgang Gleichmar:

Der 30. März 2014 geht als Feiertag in die Geschichte von Basketball in Gotha ein. Denn seit 18.49 Uhr steht fest, dass die Oettinger Rockets Gotha erstmals seit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga ProA im Jahr 2012 den Einzug in die Playoffs geschafft haben.

Den letzten Schritt zu ihrem großen Ziel vollbrachten die Gothaer beim Hauptrunden-Showdown vor heimischer Kulisse: In diesem Do-or-die-Match behielt das Team des Trainer-Gespanns Ensminger-Völkel die Nerven und deshalb gegen die Kirchheim Knights mit 96:82 (44:33) die Oberhand. Somit beenden die Rockets die Hauptrunde auf Platz sieben der Tabelle. Gegner in der ersten Runde der Playoffs ist die Mannschaft der Crailsheim Merlins, die das BiG-Team erst am vorvergangenen Samstag mit 78:75 bezwingen konnte.

Kein Wunder also, dass beim Ertönen der Schlusssirene in der ausverkauften „Blauen Hölle“ alle Dämme brachen: Spieler, Trainer und Betreuer lagen sich jubelnd in den Armen. Die Fans skandierten minutenlang: „Playoffs, Playoffs, Playoffs...“ Noch lange nach Spielende bearbeiteten die Trommler euphorisch ihre Pauken, Cheerleader und Rasselbock vollführten Freudentänze und Chris Ensminger auch. Er hottete umzingelt von seinen Schützlingen im Playoff-Style – abgekupfert bei Lee Reilly – durch den Mittelkreis und trug umgehend einen neuen Spitznamen davon: Chris Danceminger.

Kurzum: Die „Blaue Hölle“ bebte stärker als je zuvor, der Jubel kannte keine Grenzen. Spätestens als Björn Snater, Geschäftsführer der BiG GmbH, verkündete, dass es Freibier gibt, schnellte der Lautstärke-Pegel in nie zuvor erreichte Höhen.

„Ich freue mich riesig für meine Mannschaft, für unsere großartigen Fans, für die ganze Stadt und natürlich auch für die gesamte BiG-Organisation“, sagte Chris Ensminger, der in seinem ersten Jahr als Trainer auf Anhieb den Einzug in die Playoffs geschafft hat. „Jetzt genießen wir diesen historischen Moment für 24 Stunden in vollen Zügen – und dann machen wir uns an die Arbeit: Denn nun ist alles möglich! Wir sind zuletzt immer besser in Fahrt gekommen, haben einen tollen Teamspirit und deshalb unser Ziel erreicht. Nun können wir die Playoffs befreit in Angriff nehmen. Wir haben keinen Druck und zuletzt schon gezeigt, dass wir auch gegen ein starkes Team wie Crailsheim gewinnen können. Ich freue mich auf das, was kommt!“

Derweil kommentierte Kirchheims Trainer Branislav Ignjatovic das Spiel mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Er gratulierte seinem Gothaer Kollegen zum Erfolg und sagte: „Ich freue mich, dass wir im Vergleich zur Vorsaison eine starke Serie gespielt haben und nichts mit den Abstiegsplätzen zu tun hatten. Natürlich ist es ärgerlich, wenn man die Playoffs so knapp verfehlt. Aber wir wussten, dass es heute verdammt schwer werden würde und wir ein perfektes Spiel gebraucht hätten: Gotha hat eine starke Mannschaft und fantastisches Publikum. Ich bin mir sicher, dass die Rockets in dieser Atmosphäre jeden Gegner ärgern können – die beiden Top-Teams der Liga haben ja nicht grundlos hier verloren.“

Die Geschichte der Begegnung ist schnell erzählt: Beide Teams starteten nervös – speziell in den Anfangsminuten wurde deutlich, dass sehr viel auf dem Spiel stand. Auf Seiten der Gothaer spiegelte sich das vor allem in sechs Ballverlusten im ersten Viertel wider. Folge: Nach zehn Minuten lagen die Hausherren knapp in Rückstand (12:14).

Im zweiten Durchgang kamen die Rockets besser ins Spiel – allen voran der bärenstarke Torvoris Baker. Gothas Kapitän machte mit einem imposanten 9:0-Solo-Lauf in einer knappen Minute – zwei Dreier, ein Dreipunkt-Spiel – aus einem Fünf-Punkte-Rückstand (16:21 / 13.) eine Vier-Punkte-Führung (25:21 / 14.). Im Anschluss ließ er noch weitere vier Punkte in diesem Abschnitt folgen. Unterm Strich erzielte „T“ 13 seiner insgesamt 15 Punkte (bei 100 Prozent Trefferquote) im wegweisenden zweiten Durchgang. Somit hatte er maßgeblichen Anteil an der deutlichen Pausenführung (44:33) und dem erfolgreichen Verlauf der Partie.

Torvoris Baker war es auch, der im dritten Viertel mit zwei erfolgreich verwandelten Freiwürfen den mit 17 Punkten größten Vorsprung im gesamten Spiel herstellte (68:51 / 29.). Dennoch blieb es spannend – nicht zuletzt, weil wohl jeder in der „Blauen Hölle“ wusste, welches Husarenstück die Knights am Freitag gegen die Gießen 46ers abgeliefert hatten.

In der Tat machten es die Gäste noch einmal spannend: Im Schlussdurchgang verkürzten sie den Rückstand innerhalb weniger Minuten auf sechs Punkte (73:67 /35.). Doch just in jener Phase war dann Chase Griffin, am Ende mit 24 Punkte zum 19. Mal in dieser Saison Top-Scorer der Rockets, mit einem Big Shot vom Perimeter zur Stelle (76:67 / 36.) und erstickte den Kirchheimer Hoffnungsfunke im Keim.

In der verbliebenen Zeit bewiesen die Rockets Nervenstärke an der Freiwurflinie: Von insgesamt 20 Versuchen in knapp vier Minuten verwandelten sie 18 und machten somit den 17. Saisonsieg und den Einzug in die Playoffs perfekt. Zu diesem Zeitpunkt hatte es die Fans längst von ihren Sitzen gerissen. Mehrfach schwappten La-Ola-Wellen durch die „Blaue Hölle“, die einem gut temperierten Tollhaus glich. Auf einen Jubelgesang folgte der nächste...

Und auch das gehört zur Geschichte dieser Partie: Während des Spiels bekam die Facebook-Seite der Rockets ihren 2000. Like. Die erhobenen Daumen sind ein gutes Stück weit auch das Spiegelbild der guten Entwicklung, die das Team in der Hauptrunde genommen hat: Los ging’s mit einem Fehlstart, gestern gab’s den vorläufigen Höhepunkt, nun kann die Zugabe folgen!
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1 Kommentar
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Katrin Treydte aus Erfurt | 09.04.2014 | 13:11  
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