Grandios gekämpft, knapp gewonnen

  Gotha: Blaue Hölle | Von Wolfgang Gleichmar:

GOTHA. Im Abstiegskampf gibt’s keinen Schönheitspreis zu gewinnen. Was hier zählt ist einzig und allein, dass man in den entscheidenden Partien bis zur letzten Sekunde fightet und am Ende mindestens ein Punkt mehr auf der Habenseite steht als beim Gegner. Und genau das, worauf es ankommt, haben die Oettinger Rockets Gotha gestern gemacht: Sie haben grandios gekämpft und gewonnen!

Der Aufsteiger setzte sich vor heimischer Kulisse gegen die ebenfalls abstiegsbedrohten ETB Wohnbau Baskets Essen mit 72:69 (41:32) durch. Somit verbuchte das BiG-Team seinen neunten und bisher wichtigsten Sieg in dieser Saison. Denn die bis dahin ärgsten Konkurrenten im Kampf um den Klassenverbleib, die Kirchheim Knights und die finke baskets Paderborn, konnten gestern ebenfalls Erfolge verbuchen. Deshalb bleiben die Gothaer Vorletzter und auf Tuchfühlung zu den Nichtabstiegsplätzen: Die vier Mannschaften, die vor den Rockets liegen, haben lediglich einen Sieg mehr auf dem Konto. Es bleibt also spannend, höchstwahrscheinlich bis zum letzten Spieltag.

Kein Wunder also, dass Head Coach Christoph Nicol unmittelbar nach der Schlusssirene den Blick nach vorne richtete. „Wir haben heute – abgesehen von wenigen Phasen – defensiv einen guten Job gemacht. Offensiv bleibt aber noch Luft nach oben. Nicht zuletzt, weil wir gegen Teams, die sehr aggressiv verteidigen, einfach abgeklärter agieren müssen“, sagte der 23-Jährige, räumte aber gleichzeitig ein, dass das „natürlich viel leichter gesagt als getan ist“. Erst recht, wenn – wie gestern – 1426 Fans Rabatz machen als gäb’s kein Morgen mehr.

Entsprechend motiviert nahmen die Rockets dieses wegweisende Spiel in Angriff – vielleicht waren sie sogar etwas übermotiviert. Jedenfalls erwischten die Gäste aus dem Ruhrpott den besseren Start. Nach drei Minuten führte Essen mit 11:5. Folge: Christoph Nicol nahm die erste Auszeit und leichte Kurskorrekturen vor – mit Erfolg. Bereits beim nächsten Angriff eröffnete Leo Niebuhr die Aufholjagd. Kurz darauf brachte Chase Griffin sein Team mit fünf Zählern in Folge in Führung (14:13 / 7.). Diese Punkte markierten zugleich den Auftakt für die Phase, in der bereits die Vorentscheidung fallen sollte – darin waren sich letztlich beide Trainer einig.

Denn die Hausherren legten in diesen zwei Minuten einen 12:0-Lauf hin und setzten sich von 9:13 auf 21:13 (8.) ab. Grundlage für den Run war, dass es in dieser Phase vor allem in der Defense richtig rund lief. Beleg: Essen konnte nach dem 11:5 nur noch vier Punkte in sieben Minuten erzielen. Maßgeblichen Anteil daran hatte auch Joleik Schaffrath. Der 24-Jährige, der aufgrund eines Nasenbeinbruchs mit einer Maske spielen musste, sicherte allein in den letzten drei Minuten des ersten Viertels drei Defensiv-Rebounds und markierte zudem zwei wichtige Punkte. Auch deshalb lagen die Rockets nach dem ersten Viertel mit 28:15 vorne.

Zwar konnten die Gothaer die Führung bis zum Ende der Partie behaupten. Dennoch erinnerte der weitere Verlauf im Hinblick auf die Zwischenstände an ein Jo-Jo-Spiel: Mal baute Gotha den Vorsprung aus, mal konnte Essen verkürzen. Letzteres lag vor allem daran, dass die Gäste zu keinem Zeitpunkt aufsteckten und sich nach der Halbzeitpause oft zweite Chancen erarbeiteten. Hatte das Team von Head Coach Igor Krizanovic vor dem Seitenwechsel nur drei Offensiv-Rebounds geholt, so waren es im Anschluss zehn. Ein Umstand, den Christoph Nicol deutlich monierte: „Deshalb wurde es kurz vor Ultimo noch einmal eng. Das darf uns nicht passieren!“

Ungeachtet dessen gab es in der kampfbetonten Begegnung aber auch sehenswerte Szenen. Etwa jene, in Torvoris Baker den Ball an der Mittellinie eroberte und den Gegenstoß mit einem krachenden Dunking zum 53:38 (25.) abschloss. Oder die beiden Blocked Shots von Leo Niebuhr vor der Pause. Zudem streuten die Gothaer einige geniale „Durchstecker“ ein, die in Albert Kuppe des Öfteren einen sicheren Abnehmer fanden.

Für die letzten Punkte des Spiels sorgte in der hektischen Schlussphase schließlich David Watson mit einem Korbleger. Er hatte bereits im ersten Viertel Nervenstärke bewiesen, als er für Chase Griffin eingewechselt wurde und aus der Kalten ganz sicher zwei Freiwürfe verwandelte.

Zum Spieler des Tages avancierte indes Albert Kuppe. Der 24-Jährige war mit 21 Punkten Top-Scorer der Rockets und glänzte mit unbändigem Einsatz. „Albert ist der Spielertyp, den wir in so einer schwierigen Situation brauchen“, lobte Christoph Nicol. „Er hat heute wieder mit einer wahnsinnigen Intensität gespielt, sich auch ohne Ball sehr gut bewegt und immer wieder die Durchstecker für einfache Korbleger genutzt.“

Fazit der Partie: Für die Rockets war ein Sieg Pflicht. Und diese Pflicht haben sie erfüllt. Nächste Woche geht der Kampf gegen den Abstieg weiter. Dann stehen gleich zwei Spiele auf dem Programm: Am Freitag müssen die Gothaer beim Tabellenfünften BG Karlsruhe antreten. Und am Sonntag empfangen sie den Tabellenzweiten SC Rasta Vechta in der Blauen Hölle.

Statistik:
Oettinger Rockets Gotha – ETB Wohnbau Baskets Essen 72:69 (41:32)
Viertel: 28:15 / 13:17 / 17:14 / 14:23
Oettinger Rockets Gotha: Person (7 Punkte / 2 von 2 Freiwürfen / 1 Dreier), Griffin (19 / 3 von 4 / 4), Watson (4 / 2 von 2), Niebuhr (14 / 4 von 6), Kreis (1 / 1 von 2), Schaffrath (2), Baker (4 / 2 von 4), Selvig (0), Rauch (nicht eingesetzt), Kuppe (21 / 6 von 6 / 1)
ETB Wohnbau Baskets Essen: Cook (12 Punkte / 1 von 2 Freiwürfen / 3 Dreier), Buljevic (13 / - / 1), Henrichs (2), Henley (6 / 0 von 2), Franke (3 / - / 1), Stutz (25 / 7 von 7), Bartels (nicht eingesetzt), Massing (nicht eingesetzt), Harbut (2), Christen (6 / 1 von 1 / 1)

Zweier Gotha: 17 von 34 (50 %)
Zweier Essen: 21 von 40 (53 %)

Dreier Gotha: 6 von 21 (29 %)
Dreier Essen: 6 von 23 (26 %)
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