Gute-Laune-Hip-Hopper: Die jungen Tänzerinnen Sophia, Jeniffer und Lizzy begeistern als "Dancers For Gold"

Lisa Michel (von rechts), Sophia Wollenschläger und Jeniffer Henke sind "Dancers Form Gold".
  Gotha: Mehrgenerationenhaus |

Die Fabrik ist nur noch eine Ruine. Graffiti prangt an jeder Wand. Aus einer Sprühdose schießt plötzlich ein Feuerstrahl über ein Autowrack. Und eine Scheibe zerbricht klirrend in 1000 Splitter. Ghetto-Großstadt-Gefühle irgendwo im beschaulichen Gotha. Die passende Kulisse für ein Video der Streetdance-Gruppe „Dancers For Gold“ (DFG).

Sophia Wollenschläger (20), Jeniffer Henke (20) und Lisa Michel, genannt Lizzy (19), tanzen leidenschaftlich gerne. Außerdem sind die drei die besten Freundinnen. „Das macht uns aus“, sagt Jeniffer. „Dieser Zusammenhalt ist nicht in jeder Gruppe so stark.“ Sophia stimmt zu: „Wir sind eins. Wenn sich jemand nicht leiden kann, fällt das auf der Bühne direkt auf. Das kann man nicht überspielen.“ Dass die Mädchen dies gar nicht nötig haben, fällt auch den Jurys der Tanzwettbewerbe auf, bei denen DFG regelmäßig auf dem Siegertreppchen stehen. „Wir gehören zu den synchronsten Gruppen“, erinnert sich Lizzy an das Lob der Tanzrichter.

Schon als kleine Kinder haben die Mädchen zu Hause vor dem Spiegel getanzt, vor fast acht Jahren wurde dann eine Gruppe daraus. Heute zeigen die „Dancers For Gold“ ihr Können regelmäßig auf den Bühnen der Region: beim Fasching, bei Hochzeiten, Jugendweihe-Feiern und Stadtfesten, in Discos und Jugendclubs oder auch auf dem Weihnachtsmarkt. Sie tanzten schon auf kleinstem Raum am Schwimmbeckenrand, auf Wiesen, im Kies und im Regen. In Gotha und Umgebung sind die Tänzerinnen nahezu konkurrenzlos. Keiner ist über so viele Jahre am Ball geblieben.

Sehr viel Zeit und Mühe investieren die Mädchen in die drei- bis fünfminütigen Tanzvideos, die sie im Internet mit der Welt teilen. Viele Schnitte und Perspektivwechsel, ständig neue Drehorte und Outfits. Eine einzelne Videominute benötigt etwa einen halben Tag Produktion. Hinzu kommt das monatelange Training, für das neben Job und Ausbildung derzeit nur wenig Zeit bleibt. Denn Sophia beendet im Sommer ihre Lehre zur Ergotherapeutin. Lizzy arbeitet als Kosmetikerin und büffelt derzeit für die Führerscheinprüfung. Und Verkäuferin Jeniffer arbeitet immer wieder im Schicht- und Wochenenddienst.



Doch das harte Training zahlt sich aus: Den eigenen Youtube-Channel der „Dancers For Gold“ haben fast 700 Fans abonniert. Ein Clip knackt bald sogar die Grenze von zwei Millionen Aufrufen. Kein Wunder, dass die Mädchen die Kamera bei jedem Auftritt dabei haben.

Die DFG-Facebookseite zählt weit über 800 Likes – damit ist der Zuspruch deutlich höher als beispielsweise die Seite der KulTourStadt Gotha. „Wir haben festgestellt, wie groß die Fangemeinde ist, die wir uns über die Jahre erarbeitet haben“, freut sich Sophia. „Immer wieder erkennen uns die Menschen in der Stadt und sprechen uns an. Das ist manchmal richtig verrückt.“ Und doch wundern sie sich immer noch, wenn die Zeitung um ein Interview bittet. „Wir sehen es nicht als selbstverständlich an, wenn uns jemand anspricht. Wir sind ganz bodenständig geblieben.“

Die Choreographien entstehen gemeinsam. An der Grundidee wird gefeilt, die Details verfeinert. Die Tanzstile werden gemischt: Beim Locking wird wild gestikuliert, beim Popping erscheinen die Bewegungen mechanisch. Tutting, Shuffle, Seawalk, Jumpstyle – aus vielen Elementen wächst die Show zusammen. Sophia erklärt: „Wir sind nicht so eine ganz starr definierte Hip-Hop-Tanzgruppe, wir sind die Gute-Laune-Hip-Hopper. Wir probieren immer wieder etwas Neues, damit die Choreographie vielfältig ist. Was gut beim Publikum ankommt, behalten wir bei.“



Die Musik dazu mischt DFG selbst am Laptop aus vielen verschiedenen Songschnipseln zusammen. „Wir versuchen, in die Choreographien immer einen kleinen Gag einzubringen, um die ganze Sache aufzulockern“, beschreibt Jeniffer das Markenzeichen der Gruppe. Manchmal spielen die Mädchen Luftgitarre zum Rocksong, mal gaukeln sie zur Schmuseballade innige Umarmungen vor. „Da ist immer ein Schmunzler dabei.“

Aufgeregt sind die Mädchen vor ihren Auftritten immer wieder. „Ganz schlimm, das geht gar nicht“, gesteht Lizzy. Vor allem, wenn sie vor einem schwierigen Publikum auftreten. „Das ist unser Fehler. Eigentlich müssten wir es unseren größten Kritikern gerade zeigen. Aber das funktioniert nicht immer.“ Sophia nickt. „Es fällt eben viel leichter zu lächeln, wenn man ein Lächeln zurückbekommt.“

Neidische Stimmen kommen vor allem auf, wenn die hübschen Mädchen mal wieder nicht mit ihren Reizen geizen. „Wir sind in aller Munde - positiv und negativ“, freut sich Jeniffer über jede Art von Kritik. Zudem verursachen die sexy Tanzbewegungen immer mal wieder lustige Pannen. Lizzy nennt ein Beispiel: „In einem unserer Videos ziehen wir uns am Ende die Hosen runter und stehen nur noch in Boxershorts da. Zum Glück war es nicht live, denn beim Dreh gingen die Boxershorts oft mit runter.“

Schon immer war der Name der Gruppe auch der insgeheime Wunsch der Tänzerinnen. „Wir wollen natürlich irgendwann einmal Gold“, hofft die ehrgeizige Jeniffer. „Wir haben das Ziel mittlerweile aber ein wenig umgemünzt“, ergänzt Sophia. „Im Moment legen wir gar nicht so viel Wert darauf, Preise zu gewinnen. Wir sind froh, dass wir drei uns haben. Unsere Gruppe, unser Zusammenhalt, unsere Freundschaft – das ist für uns Gold wert.“

Hintergrund:


- Im ehemaligen Gothaer Jugendclub E-Haus gründet sich 2007 die Streetdance-Gruppe „Dancers For Gold“. Sophia und Jeniffer sind von Anfang an dabei, 2009 stößt Lizzy zur Gruppe dazu. Seit 2012 trainieren die Mädchen wöchentlich im Mehrgenerationenhaus.
- Zur Jugendkultur Hip-Hop gehören unter anderem Rap (Sprechgesang), Djing (Musik auflegen), Graffiti-Writing (Schriftzüge sprühen), Beatboxing (Vokal-Schlagzeug) und das Tanzen wie eben Streetdance.
- Auf ihrem eigenen Youtube-Kanal zeigen DFT in Tanzvideos ihr Können. Aktuelle Infos gibt es auf ihrer Facebook-Seite. Viele weitere Infos zu Sophia, Jeniffer und Lizzy stehen auch unter tanzen-dfg.jimdo.com.
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