Hochsprung mit Musik - die Großen ziehen nach

  Musikstars tun es, Schauspieler auch. Sie geben ihren Rücktritt bekannt und kommen dann irgendwann wieder. Ob man das auch beim Arnstädter Hochsprung mit Musik sagen kann, ist mehr als ungewiss. Auch wenn Hallensprecher-Legende Dieter Adler mehrfach von dem „voraussichtlich“ letzten Mal sprach. Am Ende besiegelt Hubertus Triebel, Meeting-Direktor und geistiger Vater der Traditionsveranstaltung, in einer flammenden Rede mit viel Emotionen 38 sportlich hochklassige Hochsprungjahre.

Der Grund ist einfach: Es gibt keinen Nachfolger, bei dem alle Fäden der Organisation zusammenlaufen. Denn mit 77 Jahren will der einstige Sportlehrer Triebel nicht mehr. „Ich habe genug Klinken geputzt, jetzt sind andere dran“, sagt er und spricht damit die komplizierte Suche nach Sponsoren an, die auch bei solch einer Veranstaltung unerlässlich sind.

Und die müssen bei der voraussichtlich letzten Veranstaltung tief in die Tasche greifen. Denn das Starterfeld aus neun Frauen und zehn Männer schenkt sich nichts und pusht sich gegenseitig zu Bestleistungen und Rekorden - immer wieder angefeuert von einem phantastischen Publikum. Der Deutsche Raul Spank überspringt 2,24 m nach langer Verletzungspause. Marco Fassinotti aus Italien stellt mit 2,30 m eine neue italienische Hallenbestleistung auf. Marie-Laurence Jungfleisch fliegt über die 1,97 m und erreicht damit eine neue persönliche Bestleistung. Auch die Polin Kamila Licwinko punktet und stellt mit 1,97 m springt polnischen Hallenrekord.

Immer wieder angetrieben durch die Musik, die sich jeder Springer selbst aussuchen kann, und das tobende Publikum, erzielt Lev Missirov mit 2,33 m persönliche Hallenbestleistung. Der Italiener Marco Fassinotti will mehr und gibt sich mit seiner Bestleistung nicht zufrieden. Er bleibt dran und steigert seine Bestleistung: 2,33 m und neuer italienischer Hallenrekord. Auch Donald Thomas von den Bahamas segelt über 2,33 m und springt persönliche Bestleistung. Doch es geht noch weiter. Ivan Ukhov (Russland), hoch gehandelter Favorit, steigt spät in den Wettkampf ein uns lässt zwischendrin immer wieder Versuche aus. Am Ende liefert er sich mit seinem Landsmann Aleksey Dimitrik eine wahre Höhenschlacht. Beide überspringen 2,40 m - übrigens weltweit zum ersten Mal, dass zwei Springer in einem Wettkampf über diese Höhe springen. Am neuen Europarekord von 2,42 m scheitert Dimitrik genauso wie Ukhov am neuen Weltrekord mit 2,44 m.

Erst weit nach der anvisierten Zeit endet der vorerst letzte Hochsprung mit Musik und sieht bei den Frauen die Polin Kamila Licwinko (2,00 m) vorn, gefolgt von Marie-Laurence Jungfleisch (1,97 m) und der Schwedin Emma Green-Tregaro sowie der Usbekin Nadiya Dusanova (beide 1,94 m). Bei den Männern steht der Russe Ivan Ukhov (2,40 m) ganz oben. Auf den Plätzen folgen seine Landsmänner Aleksey Dimitrik (2,40 m) und Lev Missirov (2,33 m).

Ernüchterung?, ein Abgesang?, nein. Es bleiben unbeschreibliche Erinnerungen an eine 38-fache Traditionsveranstaltung, die acht Mal zum weltbesten Spezialmeeting gewählt wurde. Nur wer selbst dabei gewesen ist, kann nachempfinden, was da zu Ende gegangen ist. Und trotzdem bleibt die Hoffnung auf eine Fortsetzung, den Rücktritt vom Rücktritt – ein Comeback im kommenden Jahr. Dem Sport, den Aktiven, den vielen vielen Helfern und Organisatoren und auch der Stadt Arnstadt wäre es sehr zu wünschen.
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