Karate: Eine Frage der Intelligenz

"Karate ist am ehesten mit Schach vergleichbar. Ein Karateka muss mögliche Züge des Gegners voraussehen, um blitzschnell zu reagieren." - Klaus Bitsch, Bundestrainer und Vizepräsident des Thüringer Karate-Verbandes
 
Leitspruch der Japan Karate Association (JKA): "Oberstes Ziel in der Kunst des Karate ist weder Sieg noch Niederlage, sondern liegt in der Vervollkommnung des Charakters des Ausübenden."
Bundesjugendtrainer Klaus Bitsch fördert im Bundesleistungszentrum Waltershausen die besten Karate-Sportler des Landes

„Es geht nicht ohne Intelligenz.“ Wird Klaus Bitsch nach der wichtigsten Voraussetzung seiner Schüler gefragt, klingt die Antwort, als würde er Schach trainieren. Dabei agiert der 48-Jährige keinesfalls am Brett, sondern auf der Tatami, einer Reismatte. Der Karateka mit dem Meistergrad 5. Dan ist Landes- und Bundes­jugendtrainer für Kumite. Im Bundesleistungszentrum in Waltershausen trainiert er die besten jungen Karate-Kämpfer aus Thüringen und ganz Deutschland.

1991 kam der aktive Karate-Sportler aus der Nähe von Heidelberg nach Waltershausen, um sich nach erfolgreichen Wettkampfjahren etwas Eigenes aufzubauen. Seinem Sportzentrum gab er den japanischen Namen ­Bushido, was so viel heißt wie „Der Weg des Ritters“. Der Klub wuchs schnell, auch die Kinder- und Jugendgruppen. Das brachte Anerkennung im Thüringer Karate-Verband und 1993 die Funktion des Landestrainers. Schon im Jahr darauf ­holte einer seiner Schüler den ersten Deutschen Meistertitel für Thüringen. Der Anfang einer Erfolgsserie. „Seit 13 Jahren liegen wir mit den 11- bis 13-Jährigen bei Deutschen Meisterschaften immer ganz vorn in der Länderwertung, 11 Mal waren wir sogar auf Platz eins.“ Klaus Bitsch ist stolz auf das sehr hohe Leistungsniveau seiner Schütz­linge, von dem auch die Erfolge im Jugend- und Juniorenbereich sowie bei den Senioren (ab 18 Jahre) zeugen.

Wer bei dem Sport jedoch an rücksichtlose, schmerzhafte Kämpfe denkt, liegt falsch. „Karate ist eine Berührung ohne Verletzung“, betont der Trainer. „Fuß- und Fauststöße werden im Training und im Wettkampf vor dem Auftreffen abgestoppt.“ Das verlangt Selbstdisziplin, Respekt vor dem Partner und eine absolute Körperpräzision. Ein Karateka braucht Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit, Beweglichkeit und absolute Konzentration. All das wird im Karateklub Bushido, mit 870 Mitgliedern der größte Karate-Klub Deutschlands, trainiert.

Angesichts der nationalen und internationalen Erfolge der Waltershäuser Sportler gewann der Bundesverband Klaus Bitsch 2007 als Bundesjugendtrainer für Kumite. Kumite bedeutet „Freikampf“ und ist eine der beiden grundlegenden Karate-Wettkampfdisziplinen. Dabei stehen sich zwei Karateka gegenüber und versuchen, wertbare Stoß-, Schlag- und Tritt-Techniken anzubringen, ohne den Partner zu verletzen. Die zweite Disziplin „Kata“ dagegen ist eine Abfolge festgelegter Angriffs- und Abwehrtech­niken gegen mehrere imaginäre Gegner.

Rund 90 Tage im Jahr ist Klaus Bitsch für den Bundesverband unterwegs. Er referiert vor Spitzentrainern und an der ­Landessportschule. Er begleitet das deutsche Karate-Nationalteam zu Qualifikationswettkämpfen und Meisterschaften – wie im Oktober zur Jugend- und Junioren-Weltmeisterschaft in Malaysia. „In einem fernen Land ist es vor allem wichtig, dass sich die Sportler schnell akklimatisieren und die Zeitumstellung verkraften“, erklärt der Bundestrainer. Unter den 1167 Athleten aus 81 Nationen konnten sich auch zwei junge Thüringer behaupten: Tom Bössel von Bushido Waltershausen und Jessy Neumann von Budokan Altenburg. Voraussetzung dafür ist intensives Training. „Sechsmal im Jahr kommt der Nachwuchs-Nationalkader hierher ins Bundesleistungszentrum“, sagt Bitsch. In dreitägigen Trainingscamps vervollkommnen die Sportler nicht nur ihre Kampftechnik, sondern auch ihre mentale Stärke. Karate ist eben auch Kopfsache.


Hintergrund:
- Rund 3200 Karateka zählt der Thüringer Karateverband, zu dem 39 Vereine gehören.
- Bei Deutschen Meisterschaften liegen die Thüringer Karate-Kämpfer in allen Alterskategorien immer ganz vorn. Bei den Schülern (11 bis 13 Jahre) wurde der Freistaat 11 Mal bestes Bundesland – auch bei der DM 2011 mit einem Rekord-Medaillenspiegel von 5 Gold-, 5 Silber- und 3 Bronzemedaillen.
- Die Erfolge sind umso beachtlicher, da auch viel größere Bundesländer am Start sind. Bayern zum Beispiel hat mit rund 20 000 Verbandsmitgliedern gut sechsmal mehr Karatesportler als Thüringen.

- Kontakt: Thüringer Karate-Verband e.V., Erfurt, Tel. 0361 / 5 62 41 92,
http://www.karate-tkv.de/
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1 Kommentar
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Uwe Zerbst aus Gotha | 06.12.2011 | 22:33  
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