„Das Maß ist voll, es reicht!“: Schwabhäuser Bürger wehren sich gegen Lärm und Dreck durch täglich 14.000 Fahrzeuge

  Schwabhausen. Sie kämpfen tapfer mit Block und Bleistift und der Kraft ihrer Worte. Der Vergleich mit dem mutigen Don Quijote und sein Pferd Rosinante drängen sich auf. Auch wenn es keine Windmühlen sind, gegen die die Bürger in Schwabhausen anrennen. Vielmehr ist es die Ignoranz der Behörden, der Polizei und der Fahrzeugführer, die immer wieder in den gesperrten Teil der durch den Ort führenden Teil der Bundesstraße 247 fahren, in dem gerade die Straßendecke erneuert wird. Anrufe bei Straßenverkehrsamt und Polizei führen ins Leere, Telefonverbindungen brechen plötzlich ab, oder finden keinen Teilnehmer. Für Anzeigen notierte Kennzeichen und Uhrzeiten, dazu Beweisfotos, will die Polizei nicht haben. Scheinbar müssen sich die Anwohner still ihrem Schicksal ergeben und den Verkehr weiter erdulden, der gerade jetzt in der Bauphase hier eigentlich gar nicht sein dürfte.

Hintergrund: Seit dem 31. August bis voraussichtlich 14. September wird am 4. Bauabschnitt der Sanierung der Bundesstraße 247 zwischen Gotha und Teiler Hohenkirchen gebaut. Dazu ist die Ortsdurchfahrung Schwabhausen gesperrt. Wegen unzureichender und teils irreführender Beschilderung am Teiler fahren viele Kraftfahrer einfach weiter nach Schwabhausen um hier festzustellen, dass es nicht weiter geht. Schleichwege werden gesucht und auch gefunden. Nur sind die für den Verkehr, erst recht nicht für den Schwerverkehr, geeignet. Große LKW Sattelauflieger, Busse und immer wieder jede Menge Autos, selbst Ortskundige, scheren sich nicht um die Hinweis- und Sperrschilder und stehen in Schwabhausen mit langem Gesicht vor dem Verkehrszeichen 250 (Verbot für Fahrzeuge aller Art). Selbst das wird ignoriert, mit dem Ergebnis, dass LKW- und Busfahrer ihre tonnenschweren Fahrzeuge auf engstem Raum wenden müssen – und das alles zu „Freude“ der genervten Anwohner. „24 Stunden, rund um die Uhr geht das so. Es ist die Hölle. Und wenn man die Fahrer zur Rede stellt, wird man noch beschimpft. Dabei sind sie es, die sich in diese Situation gebracht haben, und nicht wir Anwohner“, schimpfen Michael und Edda Fischer. Ruhige Wohnstraßen, wie die Gartenstraße, die Emleber Straße und Am Westende werden zur Hauptverkehrsstraße. Im Schritttempo schieben sich PKW und LKW aneinander vorbei, dabei ist die Durchfahrt für LKW verboten.

„Wir haben schon so oft die Polizei angerufen. Wenn die wirklich kommt, schauen die Beamten dem Treiben wort- und tatenlos zu und sprechen uns Anwohnern sogar einen Platzverweis aus, nur weil wir auf dem Bürgersteig stehen und unsere Häuser schützen wollen“, sagt Günther Schröter, der schon mehrfach aus seinem Schlafzimmerfenster Aug in Aug sich einem Trucker gegenüberstand, weil der sich wieder mit seinem 40-Tonner in der Baustelle festgefahren hat. „Mir hat ein Autofahrer die Blumenbeeteinfassung zerfahren und ist einfach abgehauen. Für die Polizei ist der Fall klar: `Wenn sie kein Kennzeichen haben, haben sie Pech gehabt.´ Damit bleibe ich auf dem Schaden sitzen“, klagt Torsten Schröder, der genau an der Ecke Emleber Straße / Gothaer Straße wohnt und minütlich damit rechnen muss, dass der Platz zwischen seinem Haus und dem Bushäuschen zu eng wird.

„Das Maß ist voll, es reicht!“, sagt David Koch, der mit vielen anderen Anwohnern des Ortes jetzt eine Bürgerinitiative gegründet hat. Unter dem Namen BIS (Bürgerinitiative Schwabhausen) kämpfen sie dafür, dass endlich die seit 20 Jahren versprochene Umgehungsstraße gebaut wird. Dass sich allerdings bis dahin, auch wenn die Baustelle geräumt ist, täglich mehr als 14.000 Fahrzeuge, darunter etwa 30 % Schwerverkehr durch den Ort quälen, gilt als sicher. „Doch solange kämpfen wir weiter“, sagt BIS, die am kommenden Donnerstag zu einem Info-Abend ins Bürgerhaus Schwabhausen einlädt. „Wir rufen unsere Anwohner, aber auch die Bewohnen von Emleben, Petriroda, Uelleben und Günthersleben-Wechmar auf, am 10. September, um 19 Uhr, im Bürgerhaus Schwabhausen, an der ersten öffentlichen Versammlung teilzunehmen und BIS mit Biss zu unterstützen.“
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