Der Zeit mehr Leben geben - Deutscher Tag der Kinderhospizarbeit

Anita Keller ist Oskar UND die Dame in Rosa. (Foto: Privat)
Gotha: Rathaus |

Theaterstück "Oskar und die Dame in Rosa" wird in Gotha aus Anlass des Deutschen Tages der Kinderhospizarbeit aufgeführt:





GOTHA. Oskar ist zehn Jahre alt, hat Leukämie und nur noch 13 Tage zu leben. Das macht allen im Krankenhaus und vor allem seinen Eltern solche Angst, dass sie nicht mit ihm darüber reden können. Nur eine alte Dame im rosa Kittel der Ehrenamtlichkeit hat die Lebenserfahrung und den Mut, so mit ihm umzugehen, dass er nichts von seiner Lebendigkeit, Fantasie und Liebesfähigkeit einbüßt, obwohl er täglich schwächer wird. Sie erfindet ein Spiel für ihn, in welchem er in der verbleibenden Zeit alle Stadien eines langen Menschenlebens durchlebt, obwohl er sie nicht mehr erleben wird … Soweit die Handlung. Einzige Akteurin des Stückes ist die Schauspielerin und Hospizhelferin Anita Keller. AA-Redakteur Uwe-Jens Igel sprach mit ihr vorab.


Wer ist diese Anita Keller? „Ich wurde 1936 in Siebenbürgen geboren und kam als Flüchtlingskind nach Deutschland. Ich habe in verschiedenen Berufen gearbeitet, bin vierfache Mutter und fünffache Großmutter. Diese Erfahrungen und mein bewegtes Leben führten mich zur Schauspielerei an die Hochschule für Musik und Theater Hannover. Nach meiner Scheidung ging ich nach Bayern zurück, arbeitete erst in einem Familienunternehmen ehe ich mich zur Atemtherapeutin und Heilpraktikerin ausbilden ließ.“


Wie kamen Sie zur Hospizarbeit? „Durch meine Berufe hatte ich immer wieder Kontakt zur Hospizbewegung und wollte mit Sterbenden arbeiten, sie auf ihrem letzten Weg begleiten.“


Wie kam es zu dem Theaterstück? „Durch meine Arbeit kam ich an den Roman `Oskar und die Dame in Rosa´ des Franzosen Éric-Emmanuel Schmitt. Er hatte selbst als Kind Leukämie und weiß aus eigenem Erleben um die Ängste und Leiden. Mich hat das Werk so sehr fasziniert, dass ich mir eine Regisseurin gesucht habe und es als Ein-Frau-Aufführung auf die Bühne brachte.“


Was zeichnet das Stück aus? „Zum einen die Schlichtheit. Denn ich spiele alle Rollen selbst, ohne Dekoration und Bühnenbild, nur mit einem einfachen Drehhocker. Es ist ein theatralisches Kabinettstück, in dem man sich sofort im Krankenzimmer des Oskar befindet. Dazu die besondere Authentizität, die sehr präzise unsentimentale Darstellung des Textes.“


Wie schaffen sie den Brückenschlag zwischen Schauspielerei und Hospizhilfe? „Ich begleite seit Jahren Schwerstkranke und Sterbende als Hospizhelferin. Durch die Schauspielerei finde ich schnell Kontakt und sie ein Stück weit aus ihrer Isolation befreien. Das Stück zu spielen ist mein persönliches Bekenntnis zur Hospizidee, ich verstehe mich als Botschafterin der Hospizidee. Gedacht nur für eine Vorstellung in meiner Kirchgemeinde habe ich das Stück seit November 2006 bereits 86 Mal in ganz Deutschland aufgeführt. Und nun bin ich in Gotha und freue mich auf mein Publikum hier.“


“Die Aufführung des Theaterstücks ist der Beitrag unseres Vereins, anlässlich des Deutschen Tages der Kinderhospizarbeit der jährlich bundesweit am 10. Februar begangen wird. Ich verspreche allen Gästen eine beeindruckende Aufführung voller Emotionen, an die man noch lange zurückdenken wird. Es eignet sich auch phantastisch für Schulklassen“, freut sich Marion Werner, stellv. Vereinsvorsitzende des Trägervereins für das Kinder- und Jugendhospiz Mitteldeutschland in Tambach-Dietharz auf die Inzenierung. Ein herzliches Dankeschön gilt der Stadtverwaltung Gotha für die Unterstützung der Veranstaltung.


HINWEIS: „Oskar und die Dame in Rosa“, am Sonntag, 10. Februar, ab 17 Uhr, im Bürgersaal des historischen Rathauses in Gotha, der Eintritt ist frei - Voranmeldungen sind nicht nötig
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