Gelebte Tradition

Unterwegs zu Freunden: Der Zimmermann Robert hat für ein Treffen mit Freunden noch einmal seine Kluft angezogen und trampt wie damals, als er selbst auf der Walz war.
Ohrdruf: Landkreis | Auf der Walz - Junge Handwerksgesellen verschiedenster Zünfte ziehen übers Land und halten so an alten Bräuchen und Ritualen fest:


Drei Jahre und einen Tag sind sie, einer langen Tradition folgend, auf Wanderschaft - die Gesellen verschiedener Zünfte. Handwerker von insgesamt 30 verschiedenen Gewerken gibt es, die in Deutschland und anderen europäischen Staaten auf Wanderschaft von einem Arbeitgeber zum nächsten sind. So kann man am Straßenrand Tischler, Maurer, Dachdecker, Betonbauer, Bootsbauer, Töpfer, Schmiede, Spengler, Steinmetze, Holzbildhauer, Buchbinder, Schneider, Goldschmiede, Instrumentenbauer, Kirchenmaler und viele mehr sehen. Unter ihnen auch Robert der Zimmermann. „Wenn ein Auto anhält, bin ich weg”, sagt er gleich nachdem ich ihn begrüßt habe. Trotzdem ist das Reisen schwer. Zumal die Tippelei an einige Bedingungen geknüpft ist. „Der Fremdgeschriebene darf in seiner Reisezeit einen Bannkreis von 50 km um seinen Heimatort nicht betreten”, erzählt Robert. Auch darf er kein eigenes Fahrzeug besitzen und muss sich zu Fuß oder per Anhalter fortbewegen. Öffentliche Verkehrsmittel sind nicht verboten, aber verpönt. „Daran habe ich mich auch immer gehalten, und mache es noch heute so, wenn ich wie gerade, zu einer Einheimischmeldung eines Reisekameraden in die Nähe von Hildburghausen auf dem Weg bin.” Und wie sieht es mit der Arbeit aus? Wie findest du deinen nächsten Arbeitgeber? „Das ist natürlich auch nicht immer ganz einfach. Wir sind in den meisten Fällen auf Mund-zu-Mund-Propaganda angewiesen, werden aber auch angerufen und weiterempfohlen. Und wer gute Arbeit leistet hat es natürlich deutlich einfacher. So ist das Leben”, erzählt Robert.


”Zumeist arbeiten wir auf Sommerbaustellen für soziale Projekte, aber auch in verschiedenen Werkstätten und ausgewählten Handwerksbetrieben. Bezahlt werden wir zum Gesellentarif, denn wir müssen uns auf Wanderschaft auch sozialversichern.” Was war dein Antrieb auf die Walz zu gehen?, frage ich kurz bevor ein Auto anhält: „Ich wollte etwas sehen von meinem Land und mit der Arbeit auf Sozialbaustellen der Gesellschaft wieder etwas zurückgeben.”


HINWEIS:
Seit dem 12. Jahrhundert ziehen junge Handwerker durchs Land um neue Fertigkeiten kennenzulernen
Vom Spätmittelalter bis Mitte des 18. Jahrhunderts galt: Ohne Walz kein Meister
Heute sind fünf Schächte unterwegs: Rechtschaffende Fremde, Rolandsbrüder, Fremde Freiheitsschacht, Freie Begegnungsschacht und die Freien Voigtländer.
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2 Kommentare
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Lydia Schubert aus Nordhausen | 18.04.2012 | 22:27  
Uwe-Jens Igel aus Gotha | 19.04.2012 | 00:59  
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