Johann Volkmar Sickler Teil3: Sickler der Ehemann, Vater, Pfarrer und Freund

Wann? 27.05.2012 14:00 Uhr

Wo? Informationszentrum Wasserburganlage/Insel, An der Wasserburg, 99869 Günthersleben-Wechmar DE
Informationszentrum "Wasserburg/Insel" in Günthersleben
Günthersleben-Wechmar: Informationszentrum Wasserburganlage/Insel | Am 16.12.1770 kam er als Stellvertreter des 80zig Jährigen Pfarrers nach Kleinfahner. Der Bruder seines bisherigen Brotherrn, Friedrich Wilhelm von Seebach, Domprobst und Gutsherr in Kleinfahner hatte ihn überredet. Im Jahre 1771 übernahm er das Pfarramt in Kleinfahner.

Am 1. Oktober 1771 heiratete er Dorothea Adelheid, die Tochter des Hofmeisters des Prinzen Wilhelm (Bruder des Herzogs Friedrich III). Sie hatten 4 Söhne und 3 Töchter. Johann Volkmar Sickler erteilte seinen Kindern den ersten Unterricht selbst nach den Grundsätzen der philanthropischen Schule. Neben seinen Kindern unterrichtete er noch mehrere Zöglinge. Dabei lenkte er jedoch die Aufmerksamkeit der Kinder allzu sehr auf französische und englische Sprache, Naturgeschichte, Zeichnen und Malen, ja natürlich auf Landwirtschaft und Obstkunde, so dass sie zwar von jeder betriebenen Wissenschaft etwas begriffen, aber gerade in den Hauptfächern keine gründlichen Kenntnisse gewannen.

Später mischte er sich oft in den Unterricht seiner Söhne ein, in dem er sie immer wieder nebenbei mit anderen Dingen beschäftigte. Sicklers Wissbegierde war vorzugsweise auf das Praktische gerichtet. Dennoch war er ein guter, wenn auch strenger Familienvater, der immer auf der Bildung seiner Kinder bedacht war. 1788 schickte er seinen Sohn Friedrich Carl Ludwig auf das gothaischen Gymnasiums und später auf das Gymnasium von Altenburg.

Johann Volkmar Sickler stand seiner kleinen Gemeinde 50 Jahre als Prediger vor. Zu seinem ersten Gottesdienst kamen 14 Personen der kleinen Gemeinde Kleinfahner in die Kirche. Diesen Gottesdienst hatte die damals sehr arme Gemeinde mit 14 Rheichstalern etwas kosten lassen.

Er war „im wahren Sinne des Wortes von Allen, selbst der Gutsherrschaft und seinen Vorgesetzten hoch geschätzt….“ Freundschaftliche Beziehungen hielt er zu seinem Brotherrn, dem Domprobst Friedrich von Seebach. Daneben pflegte er seine Kontakte zu Pomologen seiner Zeit und war gern gesehener Gast in der geistigen Oberschicht und am Hofe der Gothaischen und Altenburger Herzöge. Sickler war ein biblischer Lehrer seiner Gemeinde. In seinen Überzeugungen war er ein „ ebenso selbstständiger, in seinem Handeln ein ebenso rechtlicher und pflichterfüllender, als in seinem Glauben herzlich frommer Mann.“

So stand sein Haus den Mitgliedern seiner kleinen Gemeinde jederzeit offen. In schweren Zeiten teilte er das Wenige mit ihnen, spendete Trost und unterrichtete aufgeweckte Kinder.

Sickler führte mit all seinen Betätigungen ein eigenständiges erfülltes Leben. Er ergriff jeden Vorschlag, der ihm nützlich erschien, weiter zu kommen und mit den beschränkten Verhältnissen fertig zu werden.

Besonders schwer war die Napoleonische Zeit.
Nach der Niederlage von Jena und Auerbach beherbergte Sickler seinen Freund Friedrich Justin Bertuch, der am14. Oktober 1806 aus Weimar geflohen war. Bertuch hatte Flugblätter mit dem preußischen Kriegsmanifest in seiner Druckerei gedruckt. Nach der Niederlage stand er auf der Schwarzen Liste der französischen Geheimpolizei, die alle antifranzösischen Aktivitäten verfolgte und die Personen, deren sie habhaft wurde, ohne Gerichtsurteil erschoss. Wenige Stunden nach seinem Freund standen zurückstoßende preußische Truppen „Geld – Geld“ krakelend vor dem Pfarrhaus in Kleinfahner. Sie schlugen die Tür ein und zogen mit Geld und Hausrat von dannen. Ein Trupp nach dem anderen zog plündernd durch die Region. Sickler versteckte ängstliche Familien seiner Gemeinde genauso wie seine eigene in seinem Keller. Am 16. Okt. kamen die französischen Truppen von Marschall Ney und die französische Kavallerie von Marschall Charles Pierre Francois Augereau. 20000 Mann kampierten in den Obstplantagen zwischen Gierstädt und Kleinfahner. Alles Ess- und Brennbare wurde geraubt, die Bäume gefällt. Die Bewohner der kleinen Gemeinden standen wie Sickler vor dem Nichts.

Quellen: Landwirtschaftliches Conversationslexikon für Praktiker und Laien von Alexander von Lengerke
Stammbuch (Tagesbuch) des Friedrich Johann Justin Bertuch
Friedrich Justin Bertuch: Ein Leben im klassischen Weimar zwischen Kultur und Kommerz von Walter Steiner & Uta Kühn-Stillmark
Im Tal des Wilden Wassers – Chronik der Gemeinde Günthersleben-Wechmar
Geschichte der gothaischen Landstädte, Marktflecken und Dörfer von Dr. August Beck
gesammelte Chronik-Dateien des Geschichtsvereins Günthersleben

Wer mehr über den Pomologen und Begründer des Obstbaus "Fahner Höhe" wissen möchte, der Geschichtsverein Günthersleben e.V. öffnet am Pfingstsonntag, den 27. Mai wieder seine Sonderausstellung im Informationszentrum für Geologie und Regionalgeschichte "Wasserburg" Günthersleben. Ab 14:00 Uhr gibt es ein gemütliches Beisammensein mit Geschichten rund um Günthersleber Anekdoten ganz nach dem Motto „Weißt du noch…“



Am 16.12.1770 kam er als Stellvertreter des 80zig Jährigen Pfarrers nach Kleinfahner. Der Bruder seines bisherigen Brotherrn, Friedrich Wilhelm von Seebach, Domprobst und Gutsherr in Kleinfahner hatte ihn überredet. Im Jahre 1771 übernahm er das Pfarramt in Kleinfahner.

Am 1. Oktober 1771 heiratete er Dorothea Adelheid, die Tochter des Hofmeisters des Prinzen Wilhelm (Bruder des Herzogs Friedrich III). Sie hatten 4 Söhne und 3 Töchter. Johann Volkmar Sickler erteilte seinen Kindern den ersten Unterricht selbst nach den Grundsätzen der philanthropischen Schule. Neben seinen Kindern unterrichtete er noch mehrere Zöglinge. Dabei lenkte er jedoch die Aufmerksamkeit der Kinder allzu sehr auf französische und englische Sprache, Naturgeschichte, Zeichnen und Malen, ja natürlich auf Landwirtschaft und Obstkunde, so dass sie zwar von jeder betriebenen Wissenschaft etwas begriffen, aber gerade in den Hauptfächern keine gründlichen Kenntnisse gewannen.

Später mischte er sich oft in den Unterricht seiner Söhne ein, in dem er sie immer wieder nebenbei mit anderen Dingen beschäftigte. Sicklers Wissbegierde war vorzugsweise auf das Praktische gerichtet. Dennoch war er ein guter, wenn auch strenger Familienvater, der immer auf der Bildung seiner Kinder bedacht war. 1788 schickte er seinen Sohn Friedrich Carl Ludwig auf das gothaischen Gymnasiums und später auf das Gymnasium von Altenburg.

Johann Volkmar Sickler stand seiner kleinen Gemeinde 50 Jahre als Prediger vor. Zu seinem ersten Gottesdienst kamen 14 Personen der kleinen Gemeinde Kleinfahner in die Kirche. Diesen Gottesdienst hatte die damals sehr arme Gemeinde mit 14 Rheichstalern etwas kosten lassen.

Er war „im wahren Sinne des Wortes von Allen, selbst der Gutsherrschaft und seinen Vorgesetzten hoch geschätzt….“ Freundschaftliche Beziehungen hielt er zu seinem Brotherrn, dem Domprobst Friedrich von Seebach. Daneben pflegte er seine Kontakte zu Pomologen seiner Zeit und war gern gesehener Gast in der geistigen Oberschicht und am Hofe der Gothaischen und Altenburger Herzöge. Sickler war ein biblischer Lehrer seiner Gemeinde. In seinen Überzeugungen war er ein „ ebenso selbstständiger, in seinem Handeln ein ebenso rechtlicher und pflichterfüllender, als in seinem Glauben herzlich frommer Mann.“

So stand sein Haus den Mitgliedern seiner kleinen Gemeinde jederzeit offen. In schweren Zeiten teilte er das Wenige mit ihnen, spendete Trost und unterrichtete aufgeweckte Kinder.

Sickler führte mit all seinen Betätigungen ein eigenständiges erfülltes Leben. Er ergriff jeden Vorschlag, der ihm nützlich erschien, weiter zu kommen und mit den beschränkten Verhältnissen fertig zu werden.

Besonders schwer war die Napoleonische Zeit.
Nach der Niederlage von Jena und Auerbach beherbergte Sickler seinen Freund Friedrich Justin Bertuch, der am14. Oktober 1806 aus Weimar geflohen war. Bertuch hatte Flugblätter mit dem preußischen Kriegsmanifest in seiner Druckerei gedruckt. Nach der Niederlage stand er auf der Schwarzen Liste der französischen Geheimpolizei, die alle antifranzösischen Aktivitäten verfolgte und die Personen, deren sie habhaft wurde, ohne Gerichtsurteil erschoss. Wenige Stunden nach seinem Freund standen zurückstoßende preußische Truppen „Geld – Geld“ krakelend vor dem Pfarrhaus in Kleinfahner. Sie schlugen die Tür ein und zogen mit Geld und Hausrat von dannen. Ein Trupp nach dem anderen zog plündernd durch die Region. Sickler versteckte ängstliche Familien seiner Gemeinde genauso wie seine eigene in seinem Keller. Am 16. Okt. kamen die französischen Truppen von Marschall Ney und die französische Kavallerie von Marschall Charles Pierre Francois Augereau. 20000 Mann kampierten in den Obstplantagen zwischen Gierstädt und Kleinfahner. Alles Ess- und Brennbare wurde geraubt, die Bäume gefällt. Die Bewohner der kleinen Gemeinden standen wie Sickler vor dem Nichts.

Quellen: Landwirtschaftliches Conversationslexikon für Praktiker und Laien von Alexander von Lengerke
Stammbuch (Tagesbuch) des Friedrich Johann Justin Bertuch
Friedrich Justin Bertuch: Ein Leben im klassischen Weimar zwischen Kultur und Kommerz von Walter Steiner & Uta Kühn-Stillmark
Im Tal des Wilden Wassers – Chronik der Gemeinde Günthersleben-Wechmar
Geschichte der gothaischen Landstädte, Marktflecken und Dörfer von Dr. August Beck
gesammelte Chronik-Dateien des Geschichtsvereins Günthersleben

Wer mehr über den Pomologen und Begründer des Obstbaus "Fahner Höhe" wissen möchte, der Geschichtsverein Günthersleben e.V. öffnet am Pfingstsonntag, den 27. Mai wieder seine Sonderausstellung im Informationszentrum für Geologie und Regionalgeschichte "Wasserburg" Günthersleben. Ab 14:00 Uhr gibt es ein gemütliches Beisammensein mit Geschichten rund um Günthersleber Anekdoten ganz nach dem Motto „Weißt du noch…“
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3 Kommentare
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Hannelore Grünler aus Artern | 24.05.2012 | 01:13  
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Lydia Schubert aus Nordhausen | 24.05.2012 | 09:56  
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Renate Jung aus Erfurt | 24.05.2012 | 21:46  
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