Mit der Kraft der zwei Kerzen

Schwarzhausen: Trabi-Point | Trabant-Freunde fahren nach Portugal und Nordafrika und würden sich über weitere Fahrzeuge freuen:


SCHWARZHAUSEN. Was musste er kleine Kerl aus Blech und Kunststoff in seinem langen Leben nicht alles für Boshaftigkeiten über sich ergehen lassen. Als Lumpenpressling beschimpfte man die gute alte Rennpappe, degradierte die Zwickauer Folterkammer zur Gehhilfe und verunglimpfte ihn zum Duroplast-Bomber. Und allen Unkenrufen zum Trotz hat der Trabant noch immer seine Fans. Mit der Kraft der zwei Kerzen knattert er durchs Leben und sich in die Herzen seiner Besitzer. Und er rollt, und rollt, und rollt. So wie seinerzeit sein westliches Gegenüber. Und wie er rollt, der Trabant.


„Mit unseren Trabis waren wir 1994 am Nordkap“, erzählt Hanno Roth aus Schwarzhausen, der emsig an seinem weißen Trabant 600 Baujahr 1964 schraubt. „Ich muss mich ein wenig beeilen“, sagt er, „denn zu Himmelfahrt geht es nach Portugal ans Westkap.“ Doch zur Zeit sieht der Kleine nur äußerlich nach einem Auto aus. Eine Karosserie mit Rädern und einem Lenkrad, das war´s. „Kein Problem“, ist sich Roth sicher. „Bis zur Abfahrt am 17. Mai schaffe ich das.“ Ganze 24 Tage, bis zum 10. Juni, will er mit seinem Auto, und seiner Frau, sowie einigen Gleichgesinnten über Paris, Bordeaux nach Sintra (nahe Lisabon) an den westlichsten Teil Europas fahren. Immerhin 2738 km in sieben Tagen soll dann der 600 ccm starke Motor schnurren. Noch 500 km weiter will Hanno Roths Kumpel Alexander Grimm mit seinem Trabi fahren. In neun Tagen soll nach 3278 km Marrakesch das Ziel sein. Angst das etwas kaputtgeht? „Nein“, so die ganz spontane Antwort. „Wir nehmen zwar einen Motor, ein Getriebe, eine Lichtmaschine und ein paar Kleinigkeiten mit – zur Sicherheit. Im Normalfall geht an einem Trabi nichts kaputt. Und wenn doch, kann man alles selbst reparieren.“ Doch bevor es auf große Fahrt geht müssen noch einige Stunden Arbeit in den Kleinen investiert werden. Und wenn man ihn so betrachtet, scheint er mit seiner lächelnden Motorhaube und den großen Kulleraugen-Scheinwerfer stolz und glücklich dem Tag der Abreise entgegenzufiebern.


INFOKASTEN: • Übrigens, wer Lust bekommen hat sich mit seinem Trabant, Wartburg, Barkas, F9 oder anderen IFA-Fahrzeugen zu beteiligen, kann sich gern melden: • Hanno Roth, 0162/6506438, oder bei Alexander Grimm, 0173/3908391
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2 Kommentare
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Steffen Weiß aus Gera | 22.03.2012 | 09:44  
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Ulf Wirrbach aus Gotha | 26.03.2012 | 15:28  
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