Schloss Friedrichswerth bei Gotha: Ein Bild kommt nach Hause

Wann? 11.09.2016 10:00 Uhr bis 11.09.2016 16:00 Uhr

Wo? Schloss Friedrichswerth, 99869 Friedrichswerth DE
Jörg Möller (rechts) begutachtet mit dem Restaurator das Bild. (Foto: Jörg Möller)
 
Das Altarbild (Foto: Jörg Möller)
 
Die Schlossanlage besteht aus einem dreiflügeligen symmetrischen Gebäudekomplex, in dessen Zentrum sich der Uhrturm über einen kleinen Innenhof und den anschließenden Park erhebt. Im Inneren schmückten auch etwa 30 vom Gothaer Hofmaler Heinrich Martin Deesen geschaffene Deckengemälde die Mehrzahl der Räume. (Foto: Jörg Möller)
Friedrichswerth: Schloss Friedrichswerth | Ein fast vergessenes, ziemlich verfallenes Bild kommt nach Hause: Der Heimatverein lässt das einstige Altarbild aus der Kirche vom Schloss Friedrichswerth restaurieren.


Bei jedem Blick aus dem Flurfenster blutet ihm das Herz. Immer, wenn er das Schloss Friedrichswerth gleich nebenan sieht, denkt Jörg Möller daran, wie schön es wäre, würde es nicht leerstehen, könnte wieder Leben einziehen. "So gut wie jeder, der hier ist, bescheinigt uns, welch ein wunderschönes Objekt das ist", gerät der Vorsitzende des Friedrichswerther Heimatvereins ins Schwärmen. So hatte das wohl der Gothaer Herzog Friedrich I. auch beabsichtigt, als er im 17. Jahrhundert seinem Baumeister den Auftrag gab, das Schloss zu erbauen. Ein Landschloss, sein kleines Versailles. Das ist es auch geworden, hübsch anzusehen in seiner barocken Pracht, bis heute hoch gelobt von Professoren und Architekten.


Ist der Traum von einer Wiederbelebung des Schlosses auch in weiter Ferne, tut der rührige Heimatverein alles, um Erinnerungen und Schlosskomplex am Leben zu erhalten. Mit immer wieder offenen Türen, dem kleinen Heimatmuseum, vielen Ideen. Und bald, schon im nächsten Jahr zum 340. Jahrestag der Grundsteinlegung, gibt es eine Rückkehr zu feiern: Das Altarbild der Schlosskirche wird dann wieder einen Platz in Friedrichswerth haben. Das von Heinrich Martin Deesen im Jahr 1688 gemalte Bild war fast vergessen, es lagerte im Archiv vom Schloss Friedenstein. Beim Umzug von Exponaten in das neue Perthesforum hatte plötzlich niemand mehr Verwendung für das Werk. "Das ist das letzte bewegliche Teil aus unserer Schlosskirche. Für uns ein Anlass, aktiv zu werden", erinnert sich Jörg Möller an den Entschluss vor einem Jahr, das 3 Mal 2,12 Meter große Bild nach Hause zu holen.


"Doch der Zustand war sehr desolat, alles mächtig verschmutzt, die Farbe abgefallen, die Leinwand brüchig", beschreibt der Schloss-Liebhaber seinen ersten entsetzten Blick auf das einstige Schmuckstück. Für den Heimatverein kein Grund, von seinem Vorhaben abzulassen, schnell steht es fest: "Wir lassen das Bild restaurieren, wollen es unbedingt retten!" Mit Hilfe von 17.600 Euro Fördermitteln vom Freistaat Thüringen, 1000 Euro vom Verein und Spenden wird dieser Wunsch nun wahr. Ein Erfurter Restaurator nimmt sich seit Ende Mai des Bildes an, lässt es behutsam Stück für Stück in seinem alten Glanz erstrahlen. Jörg Möller stattet dem Mann in seiner Werkstatt immer wieder einen Besuch ab und kommt aus dem Staunen nicht heraus. "Es ist faszinierend, wie sich das Bild verändert, inzwischen sind schon die Strukturen von Engelsköpfen zu sehen, die gar nicht mehr zu erkennen waren!".

Rahmen wird gebraucht


Bevor es im kommenden Jahr nach Friedrichswerth heimkehren kann, muss der Heimatverein noch einmal aktiv werden, denn das Bild braucht einen Rahmen. "Leider ist der Originalrahmen nicht mehr da", bedauert Jörg Möller. Um einen ähnlichen, zum Stil passenden, anfertigen zu lassen, sind noch einmal 3000 bis 4000 Euro nötig. "Wir hoffen, dass wir dafür genügend Spenden sammeln können." Eigentlich ist er da zuversichtlich, das schaffen sie auch noch. Zu sehen sein wird das Bild dann im Heimatmuseum der 480-Seelen-Gemeinde. "Natürlich wäre es ein Traum, wenn es eines Tages wieder seinen alten Platz in der Schlosskirche einnehmen könnte, aber die und das Schloss sind leer", weiß Jörg Möller. Vielleicht, eines Tages, findet sich ja doch jemand, der das Schloss kauft und es mit neuem Leben erfüllt. Das wäre sowieso das Beste für alle, denen Friedrichswerth am Herzen liegt. Ideen für eine Nutzung hat Jörg Möller viele. Eine Einrichtung für betreutes Wohnen kann er sich vorstellen oder ein Bildungszentrum. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.


Einladung ins Schloss:


Zum Tag des offenen Denkmals kann das Schloss Friedrichswerth besichtigt werden. Termin: Sonntag, 11. September, 10 bis 16 Uhr, es finden drei Führungen statt.






Das Schloss Friedrichswerth:


- Das Schloss Friedrichswerth befindet sich etwa 13 Kilometer nordwestlich von Gotha. 1677 beauftragte der Gothaer Herzog Friedrich I. seinen Baumeister Jeremias Tütleb mit dem Bau eines repräsentativen Landschlosses und wählte als Bauplatz das Dorf Erffa mit der gleichnamigen Wasserburg. Der Aufbau des Schlosses wurde 1689 vollendet.

- Der Bau diente der herzoglichen Familie als Lustschloss und Sommerresidenz. Auch eine (Hof-)Kirche wurde zeitgleich mit dem Schlossbau im erbaut. Das Dorf wurde zu Ehren des Herzogs in Friedrichswerth umbenannt. Der Herzog hatte jedoch nur kurze Zeit Freude an seinen Prachtbauten, er verstarb im August 1691 auf Schloss Friedrichswerth.

- Das Schloss diente in den Folgejahren den Gothaer Herzögen bestimmungsgemäß als Sommerwohnung und wurde Mittelpunkt glanzvoller Feste. Unter Herzog Friedrich III. wurde hier der Einsiedlerorden - ein elitärer Club - gegründet. Während des Siebenjährigen Krieges wurde das Schloss aus Furcht vor Plünderungen weitgehend ausgeräumt. Die Verwaltungsgebäude des Schlosses dienten bereits zur Unterbringung der Amtsverwaltung Friedrichswerth, im März 1855 wurden Teile des Schlosses der herzoglichen Justizverwaltung übergeben.

- In den 1930er Jahren, bis 1942, wurde die barocke Innengestaltung des Schlosses teilweise restauriert. Im Zweiten Weltkrieg wurden aus dem bombengefährdeten Berlin umfangreiche Bibliotheksbestände in das Schloss ausgelagert, ebenso die bekannte Puppenstadt "Mon plaisier" aus Arnstadt. Zeitweise wohnten auch Fremdarbeiter im Schloss. 1948 kamen verwahrloste Kinder in das Gebäude, dann wurde es Jugendwerkhof. In diese Zeit fiel die illegale Demolierung der Schlosskirche (nur das Altargemälde blieb erhalten) und das Einziehen von Zwischendecken. Der Stuck und die Deckengemälde blieben jedoch erhalten. Nach der Wende 1990 richtete der "Internationale Bund" ein Ausbildungszentrum im Schloss ein, das er Ende der 1990er Jahre aufgab. Seitdem steht das Schloss leer und ungenutzt. Die Schlossgartenmauer wurde bis 1999 fast vollständig wiederhergestellt.

- Die Schlossanlage besteht aus einem dreiflügeligen symmetrischen Gebäudekomplex in dessen Zentrum sich der Uhrturm über einen kleinen Innenhof und den anschließenden Park erhebt. Der Hauptzugang zum Schloss erfolgt von Westen über eine Brücke. Im Inneren schmückten auch etwa 30 vom Gothaer Hofmaler Heinrich Martin Deesen geschaffene Deckengemälde die Mehrzahl der Räume.

- Für die Pflichten des Hofzeremoniells ließ der Herzog im Schloss eine eigene Schlosskirche einbauen, sie wurde 1685 von den Brüdern Johann Samuel und Johann Peter Rust aufwendig dekoriert und zeitgleich mit dem Schloss fertiggestellt.

- Die gesamte Anlage ist seit dem Auszug des Jugendwerkhofes Mitte der 1990er Jahre ungenutzt und steht zum Verkauf.

- Das Schloss verfügt im Inneren über 8800 Quadratmeter Fläche, das Schlossgelände nimmt 46.000 Quadratmeter ein.

(Quelle: Wikipedia)
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