Und plötzlich kam die Feuerwehr

  Gotha: Oststraße | Klaus Knobloch, Chef der Gothaer Berufsfeuerwehr, zu einem weniger arbeitsreichen Jahr 2012:

GOTHA. Nicht immer, wenn die Gothaer Feuerwehr zu einem Einsatz gerufen wird, brennt es, wüten Flammen. In vielen Fällen muss technische Hilfe geleistet werden des Nachbars Katze vom Baum gerettet oder Menschen aus misslicher Lage befreit werden. Der Allgemeine Anzeiger sprach mit dem Chef der Gothaer Berufsfeuerwehr und Amtsleiter Klaus Knobloch über die Einsätze im Jahr 2012, über kleine und große Brände, Hilfeleistungen und alles, was im zurückliegenden Jahr wichtig war.

Wie beurteilen Sie das Einsatzjahr 2012?
„Wir hatten weniger Arbeit. Für die Gothaer Feuerwehren gab es 1444 Einsätze. Damit sind die Zahlen weiter rückläufig (2011 - 103; 2012 -127). Es ist das niedrigste Ergebnis seit dem Beginn der statistischen Erhebung im Jahre 1995. Bei dem Rückgang der Einsätze geht im Wesentlichen um den Bereich der technischen Hilfeleistung. Die Anzahl der Brände hat sich leicht um 6 erhöht Insgesamt 170 Mal brannte es in unserem Einsatzgebiet, wobei allein 149 Brände in die Kategorie Kleinbrände (mit nur einem Rohr bekämpft) einzuordnen sind. Leider setzt sich der Trend der Brände fort, bei denen die Feuerwehr vorsätzliche Brandstiftung vermutet. 89 der 170 Brände wurden vermutlich gelegt (2011 +8; 2012 +28).“


Gab es dabei auch Verletzte?
„Ja, aber zum Glück nichts Gravierendes, und keine Opfer. Von den 170 Bränden fanden 66 (+17) in Gebäuden statt, 19 davon waren leerstehend. 107 Menschen wurden über das Treppenhaus evakuiert bzw. gerettet. 4 Menschen mussten die Drehleiter benutzen. Von den 111 geretteten Personen mussten sich 45 Personen in ärztliche Behandlung begeben. Meist wurden Sie stationär behandelt. Aber auch 7 Feuerwehrmänner erlitten Verletzungen durch Stürze oder Verbrennungen bei Bränden.“


Stichwort Lindemannstraße …

„Ja, hier waren wird 2012 gleich mehrfach zu Besuch. Allein 12 Brandstiftungen haben wir in den leerstehenden Blöcken zu verzeichnen gehabt.“


2011 gab es oft Fehlalarm. Und 2012?

„Im zurückliegenden Jahr leider auch. Insgesamt 95 Fehlalarme, zwei weniger als 2012, gingen bei uns ein. Dabei wird aber deutlich, dass die Fehlalarme durch Brandmeldeanlagen aus rein technischen Ursachen nur noch 29 Stück bei 69 Alarmen ausmachten. Leider hat auch die Anzahl der böswilligen Alarme zugenommen. Neunmal wurde die Feuerwehr mutwillig alarmiert.“


Zum bessre Verständnis. Bei Feuerwehr, meinen Sie alle Kameraden oder nur die Berufsfeuerwehr?
„Ja, es sind alles Wehren gemeint. Neben der Berufsfeuerwehr verfügen wie in Gotha über fünf Freiwilligen Feuerwehren: Gotha-Stadtmitte, Siebleben, Sundhausen, Boilstädt und Uelleben. Als sehr positiv können wir als Brandschutzamt die Einsatzbereitschaft dieser Kameradinnen und Kameraden bewerten. Denn mit dem Inkrafttreten der neuen Alarm- und Ausrückeordnung haben sich die Einsätze der Freiweilligen Feuerwehren um ca. 32 Einsätze (vorwiegend bei Bränden) auf 102 erhöht. In den nächsten Jahren wird auch die Bedeutung der Ehrenamtlichen deutlich zunehmen.“


Aber Ihre Hauptarbeit waren 2012 die Technischen Hilfeleistungen.
„Ja, das stimmt, auch wenn deren Zahl 2012 weiter zurück ging (2011 - 203; 2012 -139). Gestiegen sind allerdings die Einsatzzahlen für technische Hilfe bei Verkehrsunfällen um 19 Einsätze auf 148. Die Anzahl der Personen, die bei diesen Einsätzen von der Feuerwehr gerettet wurden, lag 2012 bei 203, dies sind 49 mehr. 6 Personen wurden mit Hilfe der Drehleiter gerettet und 12 Personen wurden aus Pkw/Lkw herausgeschnitten. 248 Mal (+15) hatten die Feuerwehrleute (vorwiegend bei Verkehrsunfällen) mit Verletzten zu tun, aber auch Tote waren 22 Mal (+8) zu bergen.“


Und wie sieht es mit der Tierrettung aus?

„Hier hatten wir im vergangenen Jahr ordentlich zu tun. Mit 473 Einsätzen nimmt die Tierrettung bzw. Tierbergung allein 40 Prozent und damit einen nicht unwesentlichen Teil der Hilfeleistungen ein.“


Und was gab es 2012 noch alles zu retten?

„Vieles. Zum Beispiel sind die Einsätze zum Türöffnen bei akuter Gefahr erheblich gestiegen, von 28 auf 94. Geholfen haben wir auch manchmal mit einem etwas lachenden Auge. So wurden oft Personen aus misslichen Lagen befreit, z. B. in der Badewanne eingeklemmt oder aus dem Bett gefallen. Auch die Einsätze der Feuerwehr zur Tragehilfe für den Rettungsdienst bei übergewichtigen Personen blieben mit 37 stabil. Zurückgegangen sind dafür die Einsatzzahlen wetterbedingt bei Sturm/Hochwasser - um 64. Zum Glück gingen auch viele Einsätze glimpflich ab. Einmal reichte sogar unser bloßes Auftauchen. Passanten meldeten eine Rauchentwicklung aus einem Fenster. Als wir mit tatü tata angebraust kamen, wunderte sich die alte Dame, als plötzlich die Feuerwehr kam. Sie schaute uns aus einem anderen Fenster interessiert zu. Erst jetzt fiel ihr das Essen auf dem Herd wieder ein, dass sich gerade in Kohle verwandelte.“


Und was gibt es sonst noch aus 2012 zu berichten?

„Insgesamt leisteten unsere Kameradinnen und Kameraden der Gothaer Feuerwehren 15.507 Einsatzstunden (+3000 Stunden). Die Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr leisteten 1565 Stunden Sicherheitswachen. 580 Kinder und Jugendliche nahmen an der Brandschutzerziehung teil, 154 Personen wurden an Handfeuerlöschern/Rauchwarnmeldern im Rahmen der Zivilschutzausbildung geschult. Rund 1600 Menschen besuchten im vergangenen Jahr die öffentlichen Veranstaltungen der Feuerwehren. Auch 2013 werden wir die Schulungen fortsetzen.“
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