Vom ICH- zum WIR-Wissen

Gotha: Kirchsaal |

Thüringer Landesverband Psychiatrie-Erfahrener (TLPE) e.V. lädt ein zum Info-Nachmittag und stellt die Arbeit der EX-IN Initiative Thüringen vor:



GOTHA/ERFURT. „Willst du etwas wissen, so frage einen Erfahrenen und keinen Gelehrten“, sagt ein altes chinesisches Sprichwort. Kluge Worte, die man so sicher auf viele Bereiche des Lebens anwenden kann. Wie dafür gemacht sind sie aber, wenn es darum geht Menschen mit psychischen Erkrankungen zu helfen, sie im Alltag zu unterstützen, sie wieder in das Leben zu integrieren, aber vor allem, auf ihre eigenen Erfahrungen zurückzugreifen. „Das wäre der Idealfall, den wir anstreben“, sagt Ines Lohrengel. „Wir als Betroffene haben es hierzulande nicht leicht. Immer noch werden wir viel zu schnell durch Vorurteile abgestempelt, nicht für voll genommen, ja sogar ausgegrenzt.“ Der Verein EX-IN Thüringen e.V., hervorgegangen aus einer Fachtagung des Thüringer Landesverband der Psychiatrie-Erfahrenen e.V. zum Thema „EX-IN“ im Jahr 2011, hat sich zum Ziel gesetzt, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. EX-IN (Experienced - Involvement, d.h. Erfahrene einbeziehen) war im Jahr 2005 ein Pilotprojekt, das aus dem europäischen Programm Leonardo da Vinci gefördert wurde. Im Rahmen des Projektes arbeiteten Psychiatrie-Erfahrene, psychiatrische Fachkräfte und Ausbilder aus sechs europäischen Ländern zusammen, um eine spezifische Ausbildung zu entwickeln, die auf dem Erfahrungswissen der TeilnehmerInnen basiert. Erreichtes Ziel des Projektes damals ist die mittlerweile bundesweit verbreitete EX-IN-Ausbildung, eine Qualifizierung von Psychiatrie-Erfahrenen, um als DozentIn oder als MitarbeiterIn in psychiatrischen Diensten tätig zu werden.


„Medikamente und zeitlich begrenzte Therapiegespräche sind das eine, die fallbezogene Hilfe durch Gespräche und eine individuelle Genesungsbegleitung etwas ganz anderes“, sagt Roswitha Montag. Sie engagiert sich bei EX-IN und möchte andere betroffene Menschen befähigen, nicht nur mit ihrer Situation zu leben, sondern sich wieder auf sich zu besinnen, ihre Stärken zu nutzen und für andere Betroffene erlebbar und nachvollziehbar zu machen. „Wir sind schließlich auch wer und haben trotz unserer Krankheit nicht aufgehört Menschen zu sein, die über Fähigkeiten und Fertigkeiten verfügen, und möchten diese sinnvoll einbringen“, resümiert Ines Lohrengel, die bereits selbst als erste Thüringerin eine EX-IN-Ausbildung in Bremen absolviert hat. Im ersten Schritt geht es darum, ausgehend von den individuellen Erfahrungen, also dem „Ich-Wissen“ eine gemeinsam geteilte Perspektive zu entwickeln, um zu einem gemeinsamen „Wir-Wissen“ zu kommen. „Neben diesem Ansatz ist es wichtig, dass die EX-IN-Ausbildung die Entwicklung von Fähigkeiten, Kenntnissen und die Anwendung von Methoden fördert. Bei der Vermittlung von Wissen ist es wiederum wichtig, die Theorien auf Basis von Erfahrungen zu reflektieren und diese Ressourcen zu nutzen“, skizziert Cornelia List in groben Zügen die Ziele der Ausbildung, die zu einer besseren Nutzer- und Genesungsorientierung in der Psychiatrie und zu weniger Diskriminierung hin zur Inklusion in der Gesellschaft beitragen soll. Um die Arbeit des im Juli 2012 gegründeten Vereins EX-IN Thüringen e.V. und somit vor allem die EX-IN-Ausbildung in Thüringen zu etablieren und bekannter zu machen, lädt der Thüringer Landesverband Psychiatrie- Erfahrener (TLPE) e.V. zu einer Informationsveranstaltung, am Dienstag, 15. Januar, ab 14 Uhr, in den Kirchsaal, Bergallee 6, nach Gotha, ein.


Bereits jetzt ist ein erster Ausbildungskurs in Thüringen geplant. Dazu liegen bislang schon mehr als 20 Anmeldungen vor. Voraussichtlicher Start ist im Frühjahr 2013. Lokal erhalten sowohl der Thüringer Landesverband Psychiatrie- Erfahrener (TLPE) e.V. als auch die EX-IN Initiative Unterstützung vom Bodelschwingh-Hof in Mechterstädt.


HINWEIS: Weitere Informationen findet man im Büro des TLPE e.V. :Tel: 0361 - 2658433 www.tlpe.de und unter: www.ex-in-thueringen.de oder www.ex-in.info
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