Wie süchtig ist Gotha?

Die Gothaer Suchtberatungsstelle feiert vom 2. bis 6. September mit einer großen Themenwoche ihren 10. Geburtstag:

Von Laura A. Rothhagen


GOTHA. Ein zögerndes Klingeln und dann warten. Aber niemand fragt „Wer ist da?“ bevor der Türöffner summt, denn es ist unerheblich.


Zur Suchtberatungsstelle in Gotha kann zu den gegeben Zeiten zunächst Jeder erscheinen, denn das Angebot widmet sich an alle mit einem Suchtproblem.


Hier ist der Arbeitsplatz von fünf engagierten Frauen, die sich in der Psychosozialen Beratungs- und ambulante Behandlungsstelle, einer Zweigstelle der Suchthilfe in Thüringen gGmbH (SiT), mit den verschiedensten Bereichen auseinandersetzen. Für die Verwaltung ist Constance Lindner zuständig, den illegalen Bereich betreut Anke Geiger, den legalen Bereich Daniela Machner, mit Spielsucht beschäftigt sich Elke Karpinski und Susanne Stellmacher ist die derzeitige Leiterin der Einrichtung.


“Wir haben nicht genügend Kapazitäten, um das Angebot tatsächlich bewältigen zu können“, sagt Susanne Stellmacher. Die Beratungsstelle ist mit nur von zweieinhalb Personalposten nicht ausreichend besetzt, um Allem gerecht zu werden. Ungefähr 2700 Menschen haben sich vergangenes Jahr insgesamt dort gemeldet. Im Schnitt sind es zwischen 200 bis 250 dauerhafte Klienten pro Jahr, das bedeutet in permanenter und konstanter Betreuung. Das Klientel ist vielfältig: vom Teenager bis zum Rentner. Die Gründe kennt man schon: Drogen und Alkohol. Als „Hauptschuldige“ an den Problemen der Betroffenen sind jedoch definitiv Alkohol, THC und Crystal zu identifizieren, denn Fälle dieser Art sind allgegenwärtig. Zwei Drittel der Betroffenen erscheinen aus eigener Initiative um Lösungen zu finden, wobei die Angehörigen sicher auch einen entscheidenden Beitrag dazu leisten. Stark motiviert sind vor allem die, die eine MPU machen müssen, weil sie ihren Führerschein dringend benötigen. Die Restlichen wiederum werden vom Arbeitsamt oder der Bewährungshilfe, sozusagen mit einem Auftrag versehen und in die Beratungsstelle geschickt.


“Es gibt verschiedene Arten der Behandlung vor Ort, die individuell auf den Einzelnen angepasst werden“, erzählt Frau Stellmacher. In Beratungsterminen, die allerdings auch bis zu drei Wochen in der Zukunft liegen können, werden Motivations-, Informations-, Aufklärungs-, Arbeits- oder Begleitaufträge erfasst und besprochen. Die Vorbereitung auf stationäre Angebote, spezielle Akupunktur, ambulante Nachsorge oder das Vorbereiten auf die MPU, sind nur einige der Aufgaben, die kostenfrei zur Verfügung stehen. Grundsätzlich herrscht eine enge Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern Gotha und Mühlhausen, sowohl dem Arbeitsamt, der Bewährungshilfe oder den JVA's Gräfentonna und Ichtershausen.


“Warum haben Sie sich für diese Arbeit entschieden?“ Bei dieser Frage überlegt Susanne Stellmacher kurz und antwortet: „ Weil ich die Arbeit spannend finde und mit Menschen zusammen arbeiten wollte und will. Besonders die Hintergrundgeschichten sind ergreifend und interessant. Man muss den Einzelnen sehen, jeder hat seine süchtigen Anteile.“


In wenigen Tagen feiert die Beratungsstelle im Brühl 5 in Gotha ihren 10. Geburtstag. Um noch bekannter zu werden und mehr über das Thema Sucht und die unterschiedlichen Strömungen dieser Krankheit zu informieren bietet die SiT eine Themenwoche mit täglich wechselnden Vorträgen am Abend für Betroffene und Angehörige an.


PROGRAMM:


Themenwoche der SiT-Beratungsstelle Gotha:


Montag, 2. September: MPU und was nu..? Dienstag, 3. September: Sackgasse - Angehörige im Gespräch Mittwoch, 4. September: Spielverderber - Wenn Spielen krank macht Donnerstag, 5. September: Gut drauf mit Crystal? Freitag, 6. September: Iss was!? Essstörungen Themenabend Jeweils ab 18 Uhr findet zum Thema ein Vortrag statt, Voranmeldung unter Tel.: 03621/226355 erbeten
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