Holzernte auf Hochtouren

Zwei Drittel des Holzeinschlages im Forstbereich Leinefelde erfolgt nach wie vor manuell.
 
Forstwirt Christopher Hoegg hat den Fallkerb geschnitten, den Spalt, der die Fallrichtung bestimmt.
 
Der letzte Fällschnitt wird gegenüber des Fallkerbs angesetzt.
Leinefelde-Worbis: Forstamt |

Wenn es im sonst so stillen Winterwald laut wird, sind Motorsäge und Rücker nicht weit. Holzernte ist angesagt. Wussten Sie, dass Waldarbeiter
zwingend in Rotten auftreten und dass eine teure „Braut“ schon mal 200 Jahre alt sein kann? Ein Besuch im Forstamt Leinefelde

„Achtung!“ Der Warnruf von Christopher Hoegg schallt durch die eisige Luft. Er wartet, bis seine beiden Kollegen zwei Baumlängen von ihm entfernt sind, dann setzt er die Motorsäge zum letzten Fällschnitt an. Rund 180 Jahre lang hatte sich die ­Buche dem Sonnenlicht entgegengestreckt. Nun gibt es für sie kein Halten mehr. Knarzend kippt der Baumriese, kracht mit Wucht zu Boden.

Heizung im Kettensägegriff

Der Winter ist die Ernte­zeit im Wald. Jetzt stehen die Laubbäume nicht im Saft, trocknet ein gefällter Stamm schneller als im Sommer. Im Idealfall ist zudem der Boden gefroren, so dass die schwere Rücketechnik keine tiefen Spuren hinterlässt. Genau wie an diesem Tag im Eichsfeld. Bei minus sieben Grad gehen die Waldarbeiter im Revier Wenderhütte ans Werk. In einem Waldstück, in dem sie sonst – bei Plusgraden – mit Staunässe und Schlamm zu kämpfen hätten. Christopher Hoegg öffnet an seinem Schutzhelm das Visier. „Manchmal zwackt die Kälte ganz schön“, kann er dem Wetter nicht nur Gutes abgewinnen. Doch schon blitzt ein Lachen über sein Gesicht: „Zum Glück haben unsere Motorsägen Griff­heizungen.“ Inzwischen sind auch Stephan Hamelmann und Vorarbei­ter ­Michael Bergener zur gefällten Buche gekommen. Gemeinsam wird der Stamm vermessen, gesägt und von seinen Ästen befreit.


Waldarbeiter-Rotte im Einsatz

Die drei Forstwirte sind ein eingespieltes Team. Eine 3-Mann-Rotte, wie es im Forstjargon heißt. Diese Gruppenzahl ist Pflicht. Elger Kohlstedt, Leiter des Forstamtes Leine­felde, erklärt warum: „Verletzt sich ein Arbeiter, kann der zweite Kollege bei ihm bleiben und der dritte Hilfe holen.“ Vor allem Wegeunfälle gebe es immer wieder, berichtet er. „Erst vorige Woche hat sich ein Waldarbeiter ein Bein gebrochen. Die Männer laufen schwer bepackt durch den Wald, da kann man leicht stolpern und stürzen.“ Ein weiteres Risiko sind herabstürzende Äste. „Man muss die Augen bei den Fäll­arbeiten überall haben und schauen, ob sich nicht irgendwo in den Baumkronen ein trockener Ast aufgehangen hat.“ Vor der nächsten ­Saison wird es neue Helme mit Sprechfunk geben. Sie sollen die Verständigung im Team erleichtern – vor allem, wenn Blätter und grünes Dickicht den Sicht­kontakt verhindern.

Zwölf Kilo Gepäck am Mann

Die Holzernte erstreckt sich von September bis März. In dieser Zeit schlägt jeder Forstwirt 20 Festmeter Holz pro Tag. Das erfordert Kraft und Kondition. „Man muss körperlich gut trainiert sein“, zollt der Forstamtsleiter seinen Mitarbeitern Respekt. Schon das Tragen der Ausrüstung ist schweißtreibend. „Zu Motorsäge und Benzinkanister kommen Axt, Maßband, Spalthammer und Keile. Das sind rund 12 Kilo, die jeder mit sich schleppt“, schätzt er. Neben der kompletten Schutzbekleidung.

Die teuerste "Braut" ist Eichsfelderin

Bis zu 90 000 Festmeter Holz aus dem Staats-, Kommunal- und Privatwald veräußert das Leinefelder Forstamt jährlich. Dabei unterliegt die Nachfrage durchaus auch der Mode, erzählt Elger Kohlstedt. „Im Moment sind dunkle ­Hölzer begehrt – Baumarten wie Eiche, Nuss, Kirsche, Ulme und Esche. Weniger gefragt sind dagegen Buche und Ahorn.“ Allerdings, sagt er, würden viele Firmen langfristig denken und sich auch damit bevorraten.
Die edelsten ihrer Stämme schicken die Eichsfelder – wie alle Forstämter des Freistaates – jährlich zur Auktion des Thüringen­forstes in Erfurt-Egstedt. Genauer gesagt: zur Submission. Denn das Holz wird nicht öffentlich versteigert, vielmehr geben Interessenten ihr Gebot im Briefumschlag ab. Und das war für eine rund 200 Jahre alte Eiche aus dem Privatwald Deuna gewaltig: Mit knapp 6000 Euro erzielte sie am 20. Januar den höchsten Verkaufserlös und wurde damit die „Braut“ der Submission. Ihr steht eine Zukunft als Edelfurnier bevor.

Davon kann die so eben gefällte Buche nur ­träumen. Christopher Hoegg, der die Holzqualität mit geschultem Auge taxiert, entdeckt einige Mängel – im Wuchs, an der Rinde, im Holzkern. Das ist nicht Qualität A, sondern C. Er schlägt die entsprechende Marke an den Stamm. Ein Zeichen für den Rücker, der das Holz später aus dem Wald holt und für den Abtransport in verschiedene Stapel, sogenannte Polter, sortiert. „Das ist ein klassischer Stamm für ein Sägewerk im Wartburgkreis“, hat Forstwirt Hoegg schon einen Kunden im Sinn. Wer weiß, vielleicht kehrt das Holz irgendwann sogar ins Eichsfeld zurück – in Form von Blockbohlen fürs Gartenhaus oder die Sauna.

25. Thüringer Laub- und Nadelholzsubmission


Von Dr. Horst Sproßmann/ThüringenForst: Bei der 25. Thüringer Laub- und Nadelholzsubmission der Landesforstanstalt in Erfurt-Egstedt wurden insgesamt 1487 Festmeter (Fm) hochwertiges Säge- und Schälholz zu einem Gesamtwert von rund 565.000 Euro (2014: 0,5 Mio. Euro) an 37 in- und ausländische Holzkäufer unter anderem aus Estland und Polen versteigert. Insgesamt 19 Baumarten, vor allem Eiche (700 Fm) und Esche (300 Fm), aber auch Lärchennadelholz (200 Fm) fanden ihre Abnehmer. Den höchsten Verkaufspreis erzielend und damit „Braut“ der Submission ist eine ca. 3 Fm starke Eiche aus dem Thüringer Forstamt Leinefelde, die für 1889 €/Fm veräußert wurde. Beachtlich war auch der Erlös für eine ca. 2 Fm starke Lärche aus dem Thüringer Forstamt Heldburg in Höhe von 839 €/Fm. Der Durchschnittserlös über alle Baumarten lag mit 385 €/Fm rund 4 €/Fm über dem letztjährigen Erlös.
16 Thüringer Forstämter, die Stadt Mühlhausen sowie zwei sachsen-anhaltinische Forstbetriebe präsentierten die Stammabschnitte insbesondere aus dem Kommunal- und Privatwald, ein Drittel des bis zu 250 Jahre alten Holzes kam aus dem Staatswald. „Die diesjährigen Submissionsergebnisse stärken Thüringen als Herkunftsland für sehr gute Laub- und Nadelholzqualitäten. Ein Verdienst nachhaltig wirtschaftender Waldbesitzer“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Die ThüringenForst-Submission in Erfurt-Egstedt gehört zu den großen Rundholz-Versteigerungen in Mitteldeutschland.
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