„Lumpazivagabundus“ 2013 - Eine Ausstellung im Rathaus „Wasserturm“ Leinefelde

Leinefelde-Worbis: Rathaus Wasserturm | LEINEFELDE. Bis zum 31. August ist im Rathaus „Wasserturm“ Leinefelde in der Bahnhofstraße 43 eine Ausstellung mit Grafiken von Katja Hochstein (Bildende Künstlerin *1975 in Weimar), zu sehen. Gezeigt werden 33 Tuschezeichnungen auf Papier zu einem bekannten Volkstheaterstück von Johann Netroy -
„Lumpazivagabundus“.

Der Zyklus zu der Theaterposse, mit dem Titel „Lumpazivagabundus“ von Johann Nestroy mit Carl Treumann und Wenzel Scholz in „Der böse Geist Lumpazivagabundus“ von 1833, verweist auf die thematisch zeitlose Auseinandersetzung mit der europäischen Romantik hin die als Inbegriff für die Suche nach Glück und Wohlstand galt.

Der volkstümliche Hintergrund dieser Geschichte zeichnet eine Handlung nach, welches sich ohne weiteres in das heutige, „mythenfreie“ Leben übertragen lässt. Die Künstlerin reizte an dieser verfassten Zauberposse von J. Nestroy der angebotene Facettenreichtum der reich illustrierten Handlungsebenen, welche sie in ihren
grafischen Arbeiten zum Thema hat einfließen lassen.

Gebeutelt vom Aberglaube und moralischer Diskrepanz versuchen sich drei unterschiedliche Charaktere aus dem einfachen Volk sich mehr schlecht als recht durch ihr Leben zu manövrieren. Sie quälen moralische Bedenken und der hoffnungslose Glaube an übernatürliche Dinge, wie zum Beispiel das Schicksal. Völlig aus ihrer Zeit herausbrechend besteht auch noch heute diese Mystifizierung des Ursprünglichen.

Die Zeitlosigkeit dieses Volkstheaterstückes reflektiert Parallelen bis in die heutige Zeit. Worin der Ursprungsgedanke in Form der menschlichen Triebkräfte von Leben und Tod, Gewinn und Verlust, Liebe und Hass eindringlich skizziert werden. Wie ein scheinbar „böser Geist“, hier dargestellt als Lumpazivagabundus, durchstreifen die menschlichen Sinne die Höhepunkte und Abgründe des eigenen Daseins.

Kulturell gesehen könnte man behaupten, die Sehnsucht nach einem „All Heilmittel“ für die Welt (Welten) stellt für den Menschen immer eine unerreichbare Grundvision dar. Ob nun religiös vereitelt, politisch versinnbildlicht oder kulturell dargestellt, immer scheint das Wichtigste für den Menschen das Glück und das Streben nach Visionen zu bleiben. Dies ist sozusagen der Motor für die Herausbildung einer menschlichen Kultur.

In ihrem grafischen Zyklus zu dieser Thematik, knüpft Katja Hochstein inhaltlich direkt an Nestroys Zauberposse „Lumpazivagabundus“ an. Die Irrungen und Wirrungen nach dem Streben nach Glück und Erkenntnis sind bleibende Ideale. Mit grotesken und figuralen Geste versucht sie, diese allgegenwärtige Lebensthematik dem Betrachter auf eine eindringliche und unspektakuläre Art zugänglich zu machen.
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