Und den Rest des Lebens Seelsorger - Andreas Kruse arbeitete 18 Jahre in einer Bank. Jetzt wird er mit 43 Jahren zum Diakon geweiht.

Weihekandidat Andreas Kruse wird am Samstag, dem 20. April, um 10.00 Uhr in der Pfarrkirche St. Gerhard in Heiligenstadt zum Diakon geweiht. (Foto: privat, Andreas Kruse)
Heiligenstadt Heilbad: Kirche St. Gerhard | Von Midlife-Crisis kann bei Andreas Kruse keine Rede sein. Auch wenn der Weg bis heute nicht geradlinig verlief, weiß der 43-Jährige genau, was er mit dem "Rest" seines Lebens anfangen will: Als Priester die Menschen bei ihrer Suche nach Gott zu begleiten. Am Samstag, 20. April wird Diözesan-Administrator Weihbischof Reinhard Hauke ihn zum Diakon weihen, der ersten Weihestufe auf dem Weg zum Priesteramt. Die Weihe erfolgt im Rahmen einer Festmesse um 10 Uhr in Kruses Heimatgemeinde St. Gerhard in Heilbad Heiligenstadt.

Andreas Kruse, der am 16. September 1969 geboren wurde und in Birkenfelde und Heiligenstadt - eichsfeldtypisch - in einem katholischen Elternhaus aufwuchs, hat schon auf unterschiedlichen Berufsfeldern gearbeitet. Nach der Schule ließ er sich zum Textiltechniker in der Baumwollspinnerei Leinefelde ausbilden und machte berufsbegleitend sein Abitur. Damit konnte er 1989 noch vor der friedlichen Revolution das Studium der Polymertechnik beginnen, schloss es aber in den Wirren der Zeit nicht ab und arbeitete als Laborgehilfe in einem Krankenhaus, ehe er im September 1990 zur Volksbank Heiligenstadt wechselte. Er absolvierte eine Ausbildung zum Bankkaufmann und bildete sich zum Bankfachwirt und Genossenschaftlichen Bankbetriebswirt weiter.

Beste Voraussetzungen für die Karriereleiter, sollte man meinen, aber den Bankfachwirt interessierten mehr noch als Aufstieg, Zahlen und Bilanzen seine - Ehrenämter. Und die Menschen, denen er dabei begegnete. Als Kind übernahm Kruse in Birkenfelde den Ministranten und Lektorendienst, in St. Gerhard in Heiligenstadt wirkte er außerdem als Küster, Kommunionhelfer und engagierte sich in der Messdiener-Ausbildung. "Grund für dieses Engagement", erkannte Andreas Kruse irgendwann, "war Dankbarkeit gegenüber Gott für ein gutes Leben, so wie ich es führen konnte."

Ehrenämter kosten Zeit, viel Zeit, und mitunter war es ein Balanceakt, Privates und Dienstliches unter einen Hut zu bringen. "Ein Verzicht auf diese ehrenamtliche Tätigkeit konnte ich mir aber nicht mehr vorstellen, da sie mir sehr viel Freude und Zufriedenheit bereiteten. Eher spürte ich den Wunsch, noch mehr zu tun", sagt Kruse rückblickend. Ihm war klar, dass der Wunsch nach Mehr eine neue Weichenstellung erfordern würde, da er sich ehrenamtlich nicht erfüllen ließ. Längere Zeit spielte er mit dem Gedanken, Benediktiner zu werden, und wurde auch im Oktober 2006 als Kandidat in der niederbayerischen Abtei Schweiklberg aufgenommen. Doch nach gut einem halben Jahr erkannte Kruse, dass dies nicht sein Weg war. Er nahm seine berufliche Tätigkeit als Banker wieder auf.

In ihm arbeitete es weiter. "Ich spürte, dass ich eine Entscheidung treffen musste, da ich mir ansonsten in meinem Leben immer wieder den Vorwurf machen würde, es nicht versucht zu haben, die Chance verpasst zu haben, ein für mich wirklich erfülltes Leben zu führen." Letztlich zog sich die Entscheidung, nach 18 Jahren in der Bank noch einmal neu anzufangen und Theologie zu studieren, um Priester zu werden, über Jahre hin. Aber dann sagte Andreas Kruse: Ja, ich will es! - Er sieht sich nicht als Spätberufenen, sondern als "Spätantwortenden", dem der Glaube zunehmend wichtig geworden ist, auch wenn er als Jugendlicher in der Pubertät nicht immer gern zur Kirche gegangen war. Aber Eltern und Großeltern hatten ein gutes Fundament im Glauben gelegt, das ihn durch diese Zeit trug und sich auch bei seiner Entscheidung, Priester zu werden, als tragfähig erwies.

Den letzten Anstoß gab eine Kollegin in der Bank, die an einer nicht diagnostizierten Krankheit litt. "Die Ärzte konnten nicht feststellen, was sie für eine Krankheit hatte. Klar war nur, dass sie krank war. Zu den körperlichen Beschwerden und der Unsicherheit kam damit auch eine sehr große, seelische Not", erinnert sich Kruse. Dieser Frau, die keiner Kirche angehörte, sagte er nach einem Gespräch, dass er am Abend für sie beten würde. "Darauf schaute sie mich ganz erstaunt an und meinte: Ob sie es glauben oder nicht, aber ich bin jetzt sogar einmal an einem Sonntag still in einer Kirche gewesen."

Da war er, der letzte Impuls, sich auf den Weg zu machen, wie Kruse erzählt: "Ich bin davon absolut überzeugt, dass gerade in Krisensituationen Menschen in ihrem tiefsten Innern etwas von dem Gott spüren, der sich in Jesus Christus ganz tief in sein Herz hat sehen lassen. Vor allen in diesen Krisensituationen möchte ich als Ansprechpartner da sein, der zuhört, mit den Menschen betet. Und damit im Rahmen meiner Möglichkeiten etwas von dem Gott spüren lassen, der alle Menschen liebt und sich als der 'Ich bin da' vorstellt und anbietet."

Als Diakon wird Andreas Kruse in Bischofferode arbeiten, wo er seit letztem Oktober ein Praktikum macht. Nächstes Jahr empfängt er im Erfurter Mariendom das Sakrament der Priesterweihe.

Hintergrund


Stichwort: "Diakon, Diakonenweihe"

In der Katholischen Kirche ist die Weihe mit ihren Stufen Diakonen-, Priester- und Bischofsweihe eines der sieben Sakramente. Der Begriff "Diakon" stammt vom griechischen Verb "diakonein" ab und bedeutet "Diener", "Helfer".

Während der ersten Jahrhunderte waren die Diakone unmittelbare Helfer des Bischofs und kümmerten sich vor allem um Arme und Kranke. Ab dem 9. Jahrhundert ging die Eigenständigkeit des Amtes verloren. Zum Diakon wurde nur noch geweiht, wer später Priester werden wollte. So wurde das Diakonat zur "Durchgangsstufe" auf dem Weg zum Priesteramt.

Erst das Zweite Vatikanische Konzil 1962-65, die Versammlung aller katholischen Bischöfe, betonte wieder stärker die ursprüngliche Bedeutung. Seitdem werden auch verheiratete Männer zu Diakonen geweiht, die ihren Dienst in der Gemeinde verrichten.

Unverheiratete, auch verwitwete, Männer können ebenfalls Ständiger Diakon werden, für sie bleibt die Ehelosigkeit allerdings verpflichtend.

Zu den Aufgaben des Diakons gehören unter anderem die Assistenz im Gottesdienst, Taufen, Eheschließungen und Beerdigungen, Erteilen von Religionsunterricht und Katechesen sowie die Sorge um die Mitglieder der Gemeinde, besonders Alte und Kranke.

Im Rahmen der Weihehandlung innerhalb einer Heiligen Messe liegt der Kandidat vor dem Altar auf dem Boden. Dies geschieht zum Zeichen, dass er sich ganz Gott übereignen will.

Der Bischof weiht durch Handauflegung und Gebet. Vom Pfarrer der Heimatgemeinde wird dem neuen Diakon das liturgische Gewand angelegt. Der Bischof überreicht das Evangelienbuch, aus dem die Botschaft Jesu Christi verkündigt werden soll, und besiegelt mit einer abschließenden Umarmung als Friedensgruß die Aufnahme in das neue Amt.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige