Ein Mann, eine Taschenlampe und ganz viele Ideen - Eichsfelder Fotodesigner zeigt Lichtbilderserie bei erster Fotoausstellung

  Ein kalter Freitagabend im Oktober in der Kurstadt. Im Barockgarten versammeln sich 16 junge Damen in Abendkleidern oder kurzen Röcken und frieren um die Wette. Nein hier findet kein verspäteter Abschlussball statt, sondern Fotodesigner Markus Gille versucht eine seiner zahlreichen Ideen in die Tat umzusetzen. „Stadt der Engel“, diesen Titel soll das Foto tragen, das hier entsteht und am kommenden Wochenende in seiner ersten Fotoausstellung in Göttingen zu sehen sein wird. Die Damen fungieren als Engel und ihre Flügel bekommen sie mit Licht „gemalt“. Wer diese so genannten Lichtmalereien das erste Mal sieht, vermutet, dass die bunten Linien am Computer entstanden sind, doch Markus Gille versichert: „Die sind alle live während des Fotografierens in das Bild hinein gezeichnet“. Insgesamt kein leichtes Unterfangen, denn bei einer Belichtungszeit von 90 Sekunden müssen die jungen Frauen völlig stillstehen, damit nichts verwackelt und der Fotograf muss sich beeilen, um in dieser Zeit alle mit Flügeln zu versehen. Außerdem gibt es keinerlei Orientierungspunkte, wo bereits gemalt wurde und was noch fehlt. „Das ist bei Engelsflügeln nicht ganz so problematisch, aber ich zeichne auch kompliziertere Sachen, da braucht es dann schon den ein oder anderen Versuch“, schmunzelt er. Wer ihn beim Lichtmalen betrachtet kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die scheinbar wahllos in die Luft gemalten Lichtpunkte verbinden sich auf den Fotos zu tollen Bildern.


Schon lange hat sich der gebürtige Heiligenstädter der Fotografie verschrieben. Angefangen hat alles mit einer analogen Spiegelreflexkamera im Alter von 15, später stieg er auf digital um. Normalerweise fotografiert der gelernte Tischler nur als Hobby, im Nebenberuf auch ab und zu auf Hochzeiten und anderen Feierlichkeiten. Die Idee zu den ungewöhnlichen Lichtbildern entstand an einem Silvesterabend im Jahr 2008. Mit Wunderkerzen hatte er die neue Jahreszahl in ein Bild geschrieben. „Das ist bei uns schon zur Tradition geworden, das machen wir nun jedes Jahr“, erklärt Markus Gille. Am letzten Jahreswechsel entstand dann ein weiteres Wunderkerzenbild, sein erster Engel. „Da dachte ich mir, dass man mit Licht noch viel mehr machen kann“, erinnert er sich zurück. Wunderkerzen stellten sich jedoch schnell als unpassend heraus. „Man kann sie nicht zwischendurch ausschalten, das heißt man müsste etwas mit durchgängigen Linien malen“, erklärt er. Also suchte er lange nach Alternativen und fand sie schließlich in kleinen LED-Taschenlampen. Als in Heiligenstadt Diskussionen um den Abriss des Stormhügels lautwurden kam dem Fotografen erneut eine Idee und er zeichnete vor dem noch stehenden Hügel Bagger und sorgte mit diesem Bild für einiges Schmunzeln unter den Betrachtern. „Danach kamen mir immer mehr Ideen, die ich jetzt nach und nach in die Tat umgesetzt habe“, erklärt er. Zu den einfachen weißen Taschenlampenlinien gesellten sich dann auch farbige. Die Motive wurden immer schwieriger. Mittlerweile sind es so viele, dass er sie am kommenden Wochenende ausstellt. Wer Interesse an den Bildern hat und genau erfahren möchte, wie sie entstanden sind, kann dies am Samstag (9.30 bis 18 Uhr) und Sonntag (12 bis 17 Uhr) in den Räumlichkeiten des Einrichtungshauses „Möbel Jaeger“ in Göttingen tun.
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2 Kommentare
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Steffen Weiß aus Gera | 27.10.2011 | 10:30  
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Stefanie Rödiger aus Heiligenstadt | 27.10.2011 | 10:53  
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