Erfahrungsbericht eines Schülers von einem Kongress für Junge Journalisten

   

München, 23. - 25 November 2012


" young leaders!“ steht auf dem Flyer, den mir meine Lehrerin Frau Brauer an einem Vormittag im Mai mit folgenden Worten überreicht: „Das wird dir sicher gefallen“. Ich lächele sie an, bedanke mich und packe das Formular ungelesen in meine Schultasche, denke nicht weiter darüber nach und widme mich den scheinbar wichtigeren Problemen des tristen Schulalltags ....."
„Hey Vincent!", reißt mich eine vertraute Stimme aus meinen Tagträumen. Vor mir steht Giang. Wir sind gute Freunde.
"Hallo, Giang!", erwidere ich, "Bist du schon gespannt, auf das Wochenende?"

Es ist Freitag, der 23. November 2012 und wir sitzen im ICE auf der Fahrt nach München. Die Welt draußen wirkt kalt und grau. Ich bin froh im warmen Zugabteil zu sitzen. Mittlerweile ist über ein halbes Jahr vergangen seit dem Tag an dem ich das erste Mal von "young leaders!" erfahren habe. Seitdem hat sich viel für mich verändert. Während der drei Veranstaltungen der "young leaders GmbH", an denen ich inzwischen beteiligt gewesen bin, habe ich neue, interessante Jugendliche kennenlernen dürfen. Ob Franziska aus dem Schwabenland, Giang aus Stralsund, David aus Erlangen oder Nicola aus dem Saarland, ich habe Freunde in ganz Deutschland gefunden.

Für dieses Novemberwochenende ist eine weitere Veranstaltung anberaumt, der "126. jugend presse kongress" der "young leaders GmbH" in München. Dem Grundgedanken der Organisation entsprechend, werden auch dieses Mal über einhundert engagierte Jugendliche im Alter von 15 - 20 Jahren, aus allen Teilen der Republik anreisen, um sich untereinander auszutauschen und im Erstellen von verschiedenen Medienformaten zu den Themen des Kongresses zu profilieren. Der Themenbereich der Veranstaltung umfasst die Problematik Ausbildung und Karriere bei der Bundeswehr. Auch wenn ich als Pazifist dieser bundesdeutschen Institution ehr ablehnend gegenüberstehe, habe ich mich entschlossen einmal hinter die Kulissen der Bundeswehr zu schauen, die Berechtigung ihres Daseins zu hinterfragen, Verständnis für die Beweggründe ihres Handelns zu sammeln.

Eines lernt man bei "young leaders!" schnell, Eigenständigkeit des Teilnehmers wird vorausgesetzt. Auch am Hauptbahnhof in München werden wir deshalb nicht etwa empfangen und wohl behütet mit dem Bus zur Unterkunft gebracht. Wir müssen uns den Weg anhand einer Wegbeschreibung selbst erschließen. Eine erste Prüfung, die wir entschlossen meistern.
In der Jugendherberge „München Park“ angekommen, nehmen uns die Betreuer, allesamt junge, nette Menschen, in Empfang. Nachdem sie uns Teilnehmern die Zimmer zugewiesen haben, ist es auch schon an der Zeit für das gemeinsame Abendessen. Hier entwickeln sich schon erste interessante Gespräche, alte Bekanntschaften werden gepflegt, neue Kontakte geschlossen.
Später am Abend trifft auch Herr Werner, Geschäftsführer der „young leaders GmbH“, zu der aufgeschlossenen Runde hinzu. In einer Rede möchte er uns das Leitbild der „young leaders GmbH“ näher bringen: „Die Würde des Menschen ist unantastbar! So ist es im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verankert und auch die ‚young leaders GmbH‘ hat sich diesem Grundsatz verschrieben. Eben jener Grundsatz ist einzigartig. Es steht also nicht geschrieben, dass allein die Würde des starken, schönen und intelligenten Menschen unverletzlich ist, sondern die Würde jedes Einzelnen egal ob stark, schwach, arm oder reich. In jeder Gesellschaft gibt es stärkere und schwächere Individuen. Die Aufgabe der Stärkeren ist es, die Schwächeren zu unterstützen. Dazu tragen Sie, als engagierte junge Menschen, durch ihr zielsicheres Voranschreiten bei. Wir von der ‚young leaders GmbH‘ haben es uns also zur Aufgabe gemacht, Sie zu fördern, damit Sie wiederum andere fördern können. Ich bitte Sie nur darum, suchen Sie das Gespräch mit anderen Teilnehmern oder kommen Sie auch auf mich selbst zu, wenn sie dies denn möchten. Diskutieren Sie ohne ‚political correctness‘. So etwas gibt es bei den ‚young leaders‘ nicht. Stehen Sie zu ihren persönlichen Ansichten, tolerieren Sie jedoch auch die Meinung ihres Gegenübers.“

In diesem Sinne versuchen wir den Ablauf des nächsten Tages zu gestalten. Schon früh zeitig weckt man uns. Nach einem ausgiebigen Frühstück, erfolgt der Transfer zum Gelände der Bundeswehruniversität München. Schon kurz nach der Ankunft werden wir in unterschiedliche Arbeitsgruppen eingeteilt. Es gibt zwei PR-redaktionen, zwei TV-Teams und eine Webmag-Gruppe. Allgemeiner Auftrag ist es Beiträge zum Thema Bundeswehr, das uns im Laufe des Tages anhand von Referaten und Präsentationen näher gebracht werden soll, zu erstellen. Schnell ist klar, dieser Tag wird alles andere als entspannt! Unter Regie von Profijournalisten aus Fernseh-, Rundfunk- sowie Printbereich, nehmen wir die Arbeit in der Workshop-Phase auf. Grundlegende Problematiken wie die Vorbereitung auf ein professionelles Interview und die Frage des Urheberrechts werden besprochen. Anschließend ist es Zeit allgemeine Fragen an die Journalisten zu richten. Zuletzt werden Arbeitsaufträge verteilt und im Einzelnen mit dem Gruppenleiter und dem jeweils zuständigen Journalisten besprochen. Dann ist es soweit, die selbständige Arbeit kann nun endlich beginnen.

Dieses eigenständige Arbeiten, geht mit den Präsentationen der verschiedenen Referenten im großen Plenarsaal der Bundeswehruniversität Hand in Hand. Referenten sind beispielsweise Frau Dr. Niehuß, Leiterin der Bundeswehruniversität zu München. Sie erklärt uns Einiges über die Vorteile eines/einer gebildeten Offiziers/ Offizierin, die Studienmöglichkeiten und -bedingungen an den beiden Bundeswehruniversitäten in München und Hamburg und den Arbeitgeber Bundeswehr im Allgemeinen. Auch Herr Werner hält ähnlich wie am Vorabend einen interessanten Vortrag. Diesmal jedoch über die, wie er es ausdrückt, „Zukunftsstrategien für das 21. Jahrhundert“.
Nach den Präsentationen liegt es nun an den Teilnehmern, die Referenten mit ihren wissbegierigen Fragen zu durchbohren. Einige Gruppen haben sogar den Auftrag professionelle Interviews zu führen, um diese später als Beitrag zum entsprechenden Medienformat zu verwenden.
Am Abend sind alle geschafft vom anstrengenden Arbeitstag. Es wurden Ideen diskutiert, bewertet, abgeschätzt, entworfen und wieder verworfen. Der Tag hat gezeigt wie anstrengend Arbeit im Bereich der Medien doch eigentlich ist. Nicht nur Kongress-Teilnehmern, sondern auch den Journalisten und Gruppenleitern ist die Erleichterung anzusehen, als die letzte Klappe für die beiden TV-Spots gefallen, der Schluss- Artikel für das PR-Format abgegeben und der abschließende Clip zum Webmag hinzugefügt ist.
„So und jetzt gehen wir feiern!“, heißt es. Eine ausgelassene Stimmung macht sich breit.

Drei Busse bringen uns zurück in die Münchener Innenstadt. Gemeinsam mit allen 116 Kongress-Teilnehmern, den Betreuern und den Journalisten, gilt es nun den Tag beim Presse-Abend im Augustiner Keller ausklingen zu lassen. Während man von bayerischen Spezialitäten probiert, wird weiterhin diskutiert oder es entstehen ganz einfach freundschaftliche Gespräche.
Nach dem Essen steht der weitere Abend zur freien Verfügung. Viele Teilnehmer nutzen dies, um sich ein wenig in der Münchener Innenstadt zu orientieren.

Am Sonntagmorgen heißt es dann früh aus den Federn. Zimmer müssen aufgeräumt, Betten abgezogen werden. Mit Gepäck erfolgt gegen halb neun der Transport zur Bundeswehruniversität. Dort erwartet uns schon die erste Überraschung. Für jeden von uns liegt frisch gedruckt ein Exemplar der PR-Zeitung bereit. Teilnehmer des Print-Workshops, die ihren eigenen Artikel abgedruckt vorfinden, sind begeistert. Auch die anschließende Präsentation der TV-Spots und des Webmags lässt manche Herzen höher schlagen. Es wird sich untereinander gelobt und auf die Schultern geklopft, als Anerkennung für die gelungene Arbeit.
Gegen 12 Uhr erfolgt der Bustransfer zum Bahnhof. Vor Ort kommt es zu oft tränenreichen Abschieden. Man verspricht sich untereinander, sich auch einmal privat zu treffen, tauscht facebook-Kontaktdaten, Handynummern oder Adressen aus. Schon ist es vorbei, das Wochenende mit den „young leaders“ in München. Was bleibt ist die positive Erinnerung und die gewonnene Erfahrung.
Nun liegt es an jedem selbst zu entscheiden, was er aus seinen Erfahrungen, die er an den Tagen des Kongresses gesammelt hat, lernt. Ich habe gemerkt, dass es wichtig ist Vorurteile abzubauen, indem man aufeinander zugeht und ins Gespräch kommt. Auch wenn sich in manchen Punkten Differenzen aufweisen, ist dies alles andere als schlimm. Unterschiedliche Ansichten bereichern das Gespräch und wecken das Interesse an der Diskussion. Denn nur an den Orten an denen diskutiert wird, ist es möglich, Verständnis für Verschiedenheiten aufzubringen. Und darüber hinaus auch die Gemeinsamkeiten zu erfahren und Veränderungen im Leben zu bewirken.

Autor: Vincent- Brendan Lehmann ist 16 Jahre alt und besucht das Staatliche Gymnasium Marie Curie in Worbis.
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