Erinnerung wach halten, jüdisches Erbe in Heiligenstadt

Die Erinnerung wach halten: Johann Freitag gibt kleinen und großen Teilnehmern der Religiösen Kinderwoche von St. Gerhard auf dem Jüdischen Friedhof in Heiligenstadt eine Führung.
"Zum ersten Mal mit dem Thema ‚Juden in Heiligenstadt‘ in Berührung kam ich in den 60er Jahren, während meines Lektorates beim Cordier-Verlag. Hier traf ich Rudolf Linge, der gerade an zwei Bildbänden mit dem Thema‚ Glauben und Leben im katholischen Eichsfeld‘ sowie ‚Alt-Heiligenstadt und seine Kirchen‘ arbeitete. Im Zusammenhang mit der Herausgabe der beiden Bildbände diskutierten wir viel über das vermutete und tatsächliche jüdische Erbe in Heiligenstadt", erinnert sich Johann Freitag. Es war das erste Mal, dass er mit diesem Teil der Stadtgeschichte in Berührung kam, es sollte aber nicht das letzte Mal sein.

So habe er, unter anderem 1988 zum 50. Jahrestag des Gedenkens an die Opfer der Reichs-Progrom- Nacht besonders deutlich gespürt, dass Heiligenstadt eine jüdische Vergangenheit besitzt. Und er traf, beispielsweise im Rahmen der erstmaligen Öffnung des Jüdischen Friedhofes für die Bürger der Stadt Menschen, wie Beate Mühl-Benninghaus und Regina König, die mit jüdischen Mitbürgern Kontakt hatten. Es waren Erlebnisse, die ihn motivierten, sich noch eingehender mit dem Thema zu befassen.

Und so gehört der Diakon im Ruhestand auch heute noch zum achtköpfigen Sprecherkreis des Initiativkreises "Jüdisches Erbe Heiligenstadt" an. Die Idee, einen solchen zu gründen, entstand im Ergebnis einer Veranstaltung des Eichsfeldforums am 2. November 2006 zum Thema "Der Holocaust in Heiligenstadt - Datum ohne Reue". "Es ist eine Schande! Wir haben so viel jüdisches Erbe in Heiligenstadt, und es interessiert keinen", stellte Pfarrer Ralf Schultz damals fest und sprach vielen Anwesenden aus dem Herzen.

Dabei gab es durchaus schon verschiedene Kräfte, die Anstrengungen unternahmen, damit die Erinnerung an die Juden in Heiligenstadt nicht in Vergessenheit gerät. So sorgte die heutige Links- Partei schon seit der Wende dafür, dass alljährlich zum Holocaust-Gedenktag am 9. November Kerzen und Kränze vor der Synagoge in Heiligenstadt zu finden sind. Und bereits 2005 fand auf Initiative des damaligen Archivars Thomas T. Müller im Marcel- Callo-Haus eine Bildungsveranstaltung zum Thema "Juden in Heiligenstadt" statt. Diese Maßnahmen und ihre Initiatoren zu einen, stellte ein wichtiges Anliegen des neu gegründeten Initiativkreises dar, der sich im Frühjahr 2007 das erste Mal traf. Es war wohl eine äußerst glückliche Fügung dass Johann Freitag damals als Bischöflicher Beauftragter für das Katholische Bildungswerk tätig war, verfügte er in diesem Amt doch über die Möglichkeit, alle Kräfte zu bündeln. Und er nutzte diese Chance!

Der Initiativkreis traf sich im Frühjahr 2007 das erste Mal, zählt heute rund 30 Mitglieder und engagiert sich parteiübergreifend und zugleich ökumenisch. Er will die Erinnerung wach halten und sieht zwei Schwerpunkte in seiner Arbeit. "Wir möchten zum einen die politischen und christlichen Kräfte in der Stadt bündeln, die sich gerade auch mit Aktionen zum alljährlich am 9. November stattfindenden Holocaust- Gedenktag für die Erinnerung an das jüdische Erbe in Heiligenstadt stark machen. Zum anderen möchten wir mit den uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten die Gedenkstätten in der Stadt am Leben halten. Ich spreche hier von der Synagoge, vom jüdischen Friedhof, aber zum Beispiel auch von der Stolperstein- Aktion", so Johannes Freitag.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige