Hoffen soll der Mensch. Er frage nicht!

Literatur statt Pädagogik – Vom Lehrer und Fachberater zum Autor
Vier Fragen an Hartmut Mai

Der studierte Germanist, Historiker und Pädagoge war bis zum Jahr 2003 als Lehrer tätig. Der gebürtige Dingelstädter, der aus familiären und beruflichen Gründen das Eichsfeld verlassen musste, ist im Herzen Eichsfelder geblieben. Noch immer zieht es ihn oft in seine Heimat, und auch sein neues Buch beschäftigt sich mit dem Eichsfeld. Es sind die Betrachtungen eines Eichsfelders, die von Heimatgefühl, Traditionen und der Lebensfreude der Eichsfelder berichten.

Heidi Zengerling war im Gespräch mit dem Autor:


Wie wurde die Idee geboren, neben dem Lehrerberuf Bücher zu schreiben?

Die Initialzündung gab der damalige Schulamtsleiter, Herr Dieter Althaus. Gemeinsam hatten wir den Verband Katholischer Erzieher und Pädagogen gegründet. Man sprach mich an, ob ich bereit wäre im Hinblick auf die Materialfindung bezüglich geistes- und gesellschaftswissenschaftlicher Fächer ein Buch zu schreiben. Heraus kam ein Unterrichtsmittel über den Islam, und meine Liebe zum Schreiben war geweckt. Über mehrere Wochen hinweg saß ich den ganzen Tag am Schreibtisch - schrieb und sichtete Material. Ich merkte, dass dies meine neue Passion war, wobei der Lehrerberuf dennoch an erster Stelle stand.

Warum dann doch „nur“ noch Schriftsteller und Autor … ?

Schon im Jahr 1989 schied ich kurzzeitig aus dem Beruf aus, ging aber dann doch bis zum Jahr 2003 wieder zurück zur Pädagogik. Dann allerdings schied ich auf eigenen Wunsch aus. Ich möchte mich als konsequente Persönlichkeit bezeichnen und widme mich nun seither komplett der Literatur. Mittlerweile sind von mir acht Publikationen erschienen. Sie beschäftigen sich allesamt mit Themen, die mir sehr am Herzen liegen.
„Als Kaiser Karl zur Schule kam“ ist ein Buch, in welchem ich Sagen und Balladen kommentiere und so das mittelalterliche Europa wieder zum Leben erwecke. Auch das „Eichsfeldbrevier“ und das „Waltershäuser Sagenbuch“ sowie „Die Geschichten einer Landschaft – Vom Gottlob zum Tenneberg“ stammen aus meiner Feder. In meinem Buch „Die Germanen am Hörselberg“ beschäftige ich mich in einer Neuauflage in veränderter Form u. a. mit der Geschichte Thüringens bis zur Gegenwart.

Erzählen Sie mir aus Ihrem neuen Buch? Was dürfen die Leser erwarten?

Mein neues Buch ist eine Betrachtung des Eichsfelds aus der Sicht eines Exileichsfelders. Eichsfeld – das sind für mich Heimatgefühl, Brauchtum, Sehnsucht, Landschaft und Familie. Ich bin einstmals gegangen, im Herzen aber bin ich noch immer ein Eichsfelder, und dazu stehe ich nur allzu gern. Das Eichsfeld ist einerseits Idylle, dennoch verschließt sich die Welt auch vor dieser Region nicht. Es ist aber die Lebensfreude, die die Eichsfelder versprühen, die diesen Landstrich so liebens- und lebenswert macht, die den Irrungen und Wirrungen unserer Welt entgegen treten. Davon berichte ich in diesem Buch und auch von der Überzeugung vom Guten des Menschen. Ich fasse kurz zusammen: "Das großherzige Gefühl für die Region bewahren Exil-Eichsfelder zeitlebens und verbergen nicht, was sie von Kindesbeinen an sind. Mit dem Urbild und Ideal ihres Refugiums im Herzen leben sie in der Welt."


Sind neue Projekte in Planung?

In der Tat, ich arbeite momentan an einem Lyrikband, der den Arbeitstitel „Flurschäden“ trägt. Weiterhin erstelle ich ein Gutachten zu einer Dingelstädter Tradition. Vielleicht haben Sie vom „Steckenpferdreiten“ gehört? Dies ist eine auf das Mittelalter zurück gehende Tradition, die begründet ist im Dreißigjährigen Krieg, als Schweden das Eichsfeld eingenommen hatte. Ein schwedischer Reiter, so berichtet die Legende, wurde damals bei der Marienkirche von seinem Pferd geworfen, welches sich aufbäumte, als dieser seinen Unmut gegenüber der Kirche auslassen wollte. Kinder, die noch nicht zur Schule gehen reiten Ostermontag am Nachmittag mit kleinen Holzpferdchen um die Marienkirche und erhalten zur Belohnung Süßigkeiten geschenkt.

Hier schließt sich auch der Kreis, und ich komme kurz zurück zu meinem neuen Buch und dessen zweitem Teil, der sich mit dem Vergegenwärtigen des Guten im Leben - mit den gelebten Traditionen beschäftigt. Ich erzähle in diesem Teil vom „Herzrhythmus“ der Eichsfelder – mit ihren Festen, Gedenktagen und Traditionen im Jahreskreis und deren Lebensfreude.
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