"Knecht Ruprecht"- Dichter Theodor Storm im Weihnachtsfieber

So ähnlich könnte die Bescherung auch im Hause Storm ausgesehen haben. (Federlithografie aus: Bilderschatz aus dem Kinder- und Familienleben, Esslingen 1844)
 
Dr. Regina Fasold, Leiterin des Literaturmuseums Theodor Storm in Heiligenstadt, zeigt ein Papiernetz, wie es der Dichter einst mit seinen Kindern bastelte. Alle Jahre wieder wird im Museum ein Tannenbaum nach Storms Beschreibungen geschmückt.
Bodenrode-Westhausen: Stormmuseum |

"Von drauß‘, vom Walde komm ich her": Der Klassiker „Knecht Ruprecht“ wird noch heute gern zitiert. Von Heiligenstadt aus stapft er in die Weihnachtswelt.
Sein Schöpfer Theodor Storm gilt als echter Weihnachtsfreak.

Das Baumschmücken delegieren? Kommt nicht in Frage. Womöglich wird das Ergebnis dann nicht perfekt. Also legt Theodor Storm selbst Hand an. „Den Weihnachtsbaum, der auf der Diele steht und genau bis an die Decke reicht, habe ich bis auf das letzte Fädchen ganz allein hergestellt“, schreibt er am 24. Dezember 1856 an seine Eltern. Es ist das erste Weihnachtsfest, das der Dichter mit Frau und Kindern in Heiligen­stadt verbringt. Politische Diskrepanzen haben den Schleswig-Holsteiner ins Eichsfeld geführt, siebeneinhalb Jahre wird er hier als Kreisrichter bleiben. An Tagen wie diesen schmerzt die Sehnsucht nach Husum besonders. Doch wenn er das Fest wie in seiner Kindheit feiert, wird der 39-Jährige selbst wieder Kind und fühlt sich ­seiner Heimat nah.


Ein Kritiker der Kirche


Weihnachts­basteln, Bescherung, Hausmusik – Theodor Storm inszeniert alles bis ins Detail. Dr. Regina ­Fasold, Leiterin des Storm-Museums in ­Heiligenstadt, nennt ihn gar ­einen Weihnachtsfreak. Aber einen, der den religiö­sen Gepflogenheiten seiner Zeit trotzt. Allein der Gedanke, dass die Kirche auf sein Privatleben Einfluss nimmt, ist ihm ein Graus. „Er feierte Weihnachten nicht als Christ, sondern erfand es neu: als hohes Fest der Familie mit eigenen ­Ritualen“, erzählt die Expertin. Wie Charles Dickens verbreitet er die Idee des säkulären Weihnachts­festes, wie wir es heute kennen.

Geschenke und ein Gedicht für die Kinder

Mit Hingabe beschafft Storm Geschenke für seine Kinder – am Ende der Heiligenstädter Zeit sind es immerhin sechs. „Er schrieb Freunden, nutzte Kontakte zu Leipziger Verlegern und ließ sich vieles ­schicken“, weiß Regina Fasold aus den Korrespondenzen. So gelangen Globus, Mikroskop, Puppe und Schaukel­pferd auf den Gabentisch. Und immer auch Bücher. Eines Tages ersinnt der liebevolle Vater eigens für die Kleinen ein Weihnachtsgedicht: „Knecht Ruprecht“. Was anfangs für die traute Familienrunde gedacht, wird – eingebettet in die Novelle „Unter dem Tannen­baum“ – seine populärste Weihnachtsdichtung. Vor allem die Anfangszeilen »Von drauß‘ vom Walde komm ich her, ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!« gehören noch heute zum Repertoire eines jeden Weihnachtsmann­es.

Urfassung in Heiligenstadt

Das Litera­turmuseum zeigt die Urfassung des Gedichtes aus dem Jahr 1862, mit Feder in deutscher Kurrentschrift geschrieben. In Zwiesprache mit dem Christkind beschreibt Knecht Ruprecht darin seine Rolle als strafende Instanz. Er ist derjenige, der mit der Rute sortiert: »Sind‘s gute Kind, sind‘s böse Kind?« Wer brav ist, muss die rauhe bärtige Gestalt nicht fürchten.

"Unser Vater ist ein rechter Weihnachtsmann"

Storms Kinder jedenfalls haben ihre Freude am Fest. Für sie ist ihr Vater „ein echter, rechter Weihnachtsmann“, wie Tochter Gertrud später schreibt. Gemeinsam vergolden sie Tannenäpfel, Nüsse und einen Lärchenzweig, schneiden weiße Netze aus Papier. Der selbst gemachte Baumschmuck gehört zur Weihnacht wie die braunen Kuchen nach altem Familienrezept, die kleinen „Futjen“ und das Zuckerzeug. Nur die schmalen Streifen aus Rauschegold, die darf allein der Vater schneiden. Persönlich drapiert er die Flittergoldfädchen am mächtigen Baum. Das Putzen der Tanne ist schließlich Chefsache im Hause Storm.
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