Mein Lieblingsstück (1): Gerlinde Gräfin von Westphalen ist der «Loplop» von Heinz Scharr ans Herz gewachsen

Großbodungen: Galerie in der Burg | In den Museen und Ausstellungen des Eichsfeldes ist so mancher Schatz versteckt. Der Allgemeine Anzeiger befragt die Leiter der Kultur­einrichtungen nach ihrem ganz persönlichen Lieblingsstück. Heute: Gerlinde Gräfin von Westphalen, Leiterin der Galerie in der Burg Großbodungen.

Mitten im Raum der Galerie zieht sie die Blicke auf sich: eine vergoldete Skulptur namens «Loplop». Es handelt sich um ein Kunstwerk von Heinz Scharr, einem zeitgenössischen Grafiker und Bildhauer, der in Sondershausen geboren wurde und derzeit in Utterode lebt.

Für Gerlinde Gräfin von Westphalen gehört dieser Loplop zu den schönsten ­Stücken in ihrer Galerie. «Im Jahr 2008 hatten wir eine Ausstellung von Heinz Scharr bei uns und als Dankeschön hat er uns die Skulptur geschenkt», berichtet die Leiterin der Galerie. Der Begriff Loplop wurde bereits in den 30er-Jahren von Max Ernst geprägt und findet sich als Vogelwesen in vielen seiner Werke wieder. Es handelt sich um eine Art Mischwesen, ähnlich der Sphinx oder dem Minotaurus, doch Loplop erscheint als eine Mischung aus Vogel und Engel.

«Für mich ist es ein Seelenvogel, quasi die Verbindung des Menschen zu sich selbst», versucht die Gräfin eine Interpretation. «Mich fasziniert besonders, dass die Figur aus schwerem Eisen geschmiedet wurde, aber trotzdem eine luftige Leichtigkeit ausstrahlt». Auch, dass es keine wirkliche Vorder- oder Rückseite gibt, gefällt der Kunstliebhaberin. So könne man die Skulptur von allen Seiten betrachten und entdecke immer wieder neue Blickwinkel. «Kunst ist immer auch ein Stück Lebensinterpretation und für mich ist der Loplop eine sehr tiefgehende», betont sie.

Während es in der Galerie in der Burg immer wechselnde Ausstellungen gibt, hat der Loplop einen festen Platz bekommen. Aktuell wird mit einer Ausstellung an den Beginn des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren erinnert. Durch zeitgenössische Dokumente und persönliche Erinnerungen wird die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts in ein ganz anderes Licht gerückt - nämlich in ein sehr persönliches. Briefe, Postkarten und Berichte werden ausgestellt, von denen die meisten aus dem Eichsfeld stammen. Es geht nicht darum, konkretes historisches Wissen zu vermitteln, sondern darum, Elemente der Vergangenheit ins Bewusstsein zu rücken. Aufgrund der Vielzahl der Dokumente wurde die Ausstellung in zwei Teile untergliedert. Bis zum 27. Juli geht es vor allem um den Kriegsausbruch, die Kriegsschuld und den Untergang der Monarchie. Teil 2, der vom 3. bis 31. August zu sehen sein wird, behandelt vor allem die Kriegsfolgen der Jahre 1918 bis 1933.

Eröffnet wurde die Galerie in der Burg im Jahr 1998, 2005 zog man in die historisch zur Burg gehörenden Kemenate um. Der Name blieb aber derselbe. Von Beginn an war es den Betreibern ein großes Anliegen, vor allem Thüringer Künstler zu unterstützen und auf regionalhistorische Fragen den Schwerpunkt zu legen. So wird es in diesem Jahr noch eine Werksschau des Heiligenstädter Bildhauers Werner Löwe geben. Sie wird am 7. September eröffnet.
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