Mit Bernward Seipel unterwegs im Lutter- und Friedatal entlang der Kanonenbahn

Kanonenbahn ist Heimatgefühl – ist da, wo man sich wohl fühlt, wo es gut ist für die Seele …

Seit dem Jahr 2006 arbeitet Bernward Seipel der „Bürgermeister“ von Soccer-City, wie er liebevoll genannt wird, an seinem Buchprojekt, welches im Mai dieses Jahres seinen Abschluss gefunden hat.

Heidi Zengerling war im Gespräch mit dem Autor:

Herr Seipel, wie lange interessieren Sie sich schon für die Eisenbahngeschichte – besonders die Kanonenbahnstrecke, und was bedeutet die Kanonenbahn für Sie persönlich?

„Ich gehöre zu den Gründungsmitgliedern des Kanonenbahnvereins. Die Eisenbahn- und besonders Kanonenbahngeschichte interessiert mich, weil ich Geschichte allgemein als sehr interessant empfinde. Außerdem ist die Kanonenbahn für mich Heimatgefühl. Die Landschaft um das Lutter- und Friedatal beeindruckt mich schon seit Kindertagen. Kanonenbahn bedeutet aber auch Sehnsuchtsort, hier fühle ich mich wohl – hier kann ich meine Seele baumeln lassen.“

Als „Bürgermeister von Soccer City“ – worin bestehen Ihre Aufgaben, und was sehen Sie für sich als Lebensaufgabe?

"Wir sind die kleinste Stadt der Welt am Rande von Lengenfeld unterm Stein.
Unser Fußballinternat wird von momentan 26 internen und 19 externen Internatsschülern besucht. Wir erwarben das leer stehende Objekt im Jahr 2006. Bis dahin befand sich unsere Fußballschule in Großbartloff. Ich sehe meine Aufgabe darin - und das möchte ich auch als meine Lebensaufgabe bezeichnen - dass ich mit sinnvollem Tun gutes Vorbild sein möchte. Ich versuche junge Menschen für eine Sache zu begeistern und ihnen Werte zu vermitteln, die sie für ihr Leben mitnehmen. Hier möchte ich gern den ehemaligen Internatsleiter vom Schloss Bischofstein zitieren, der einst sagte: „Erziehung ist Hilfe am Werden.“
Dr. Wilhelm Ripke, dem ich übrigens in meinem Buch auch ein Kapitel gewidmet habe, war bis 1945 Leiter der Internatsschule Bischofstein. An diesen Grundsatz lehne ich meine Arbeit an, versuche, jungen Menschen auf ihrem Weg in die Welt der Erwachsenen behilflich zu sein, sich Ziele zu setzen, deren Erreichen mit Wille und Fleiß auch möglich ist.

Wie bekommen Sie, Herr Seipel, die Kanonenbahn und das Fußballinternat unter einen Hut?

"Auch mein Tag hat nur 24 Stunden, aber ich habe eine Frau und eine Familie, die hinter mir stehen, die mir den Rücken frei halten und mir vieles abnehmen, was der Alltag so an aufwendigen, zeitraubenden Beschäftigungen so mit sich bringt. Meine Frau hat sehr viel Verständnis für meine Arbeit und meine Hobbys, und auch in meinem Elternhaus wurde mir viel Arbeit abgenommen. Ich habe es den Menschen an meiner Seite zu verdanken, dass ich diese beiden Vollzeitjobs bewältigen kann."

Worin steckt mehr Herzblut: im Fußball oder in der Eisenbahn?

"Das ist nicht so leicht zu beantworten. Von Haus aus bin ich Leichtathlet. In meiner Jugend trainierte ich bei Lok Mühlhausen. Erst seit meine beiden Söhne sich für Fußball begeisterten, veränderte sich mein Verhältnis zu diesem Sport.
Der Kreis schließt sich nun, seitdem meine Enkel sich wieder der Leichtathletik zuwenden. Ich selbst spielte nur in der Schülermannschaft Fußball. Die Geschichte der Kanonenbahn ist für mich zum Aufhänger für die Liebe zu meiner Südeichsfelder Heimat geworden. Ich kann daher beide Bereiche nicht trennen, sondern sehe sie in einem ausgewogenen Gegenüber."

Welche Intention leitete Sie während des Zusammentragens der Dokumente und Fotos zum Buch?

"Wichtig für mich war und ist es, das Wissen um diese einzigartige Strecke für die zukünftigen Generationen zu erhalten. Die Arbeit war für mich in dem Sinne keine Arbeit, sondern täglicher „Lustgewinn“ möchte ich fast sagen. Es war für mich sehr bewegend, zu sehen, wie das Buch schrittweise entstand, und nun habe ich das Gefühl, dass es eine runde Sache geworden ist, die mittels einer Zeitreise alles Wichtige und Interessante links und rechts der Strecke darstellt. Weiterhin war es mir ein Anliegen, die Leistungen der Menschen zu würdigen, die sich um diese reizvolle Strecke verdient gemacht haben. Ich greife in meinem Buch nicht nur die Historie auf, sondern beziehe auch die Draisine mit ein und nutze für den gesamten Bildband mehr als 50 Prozent bisher unveröffentlichter Fotos. Ich habe auf bestehende Texte zurückgegriffen, in Vergessenheit Geratenes „ausgegraben“ und die Faszination von 130 Jahren Kanonenbahngeschichte anschaulich dargestellt."

Können Sie sich, so möchte ich Sie gern abschließend fragen, an Anekdoten
erinnern, die Sie im Zusammenhang mit dem Zusammentragen der Dokumente erlebt haben?

"Auf der Suche nach Material, ich bezeichne diese Vorgänge gern als Schatzsuche, lernte ich beispielsweise mehr oder weniger per Zufall Frau Maria Gassmann kennen, die in Dingelstädt wohnhaft war. Auf den Seiten 22 und 23 meines Buches kann man Fotos sehen, die sie mir zur Verfügung stellte. Unter anderem erfuhr ich von ihr, dass der Mann auf dem Bild links oben ihr Vater Heinrich Gassmann ist. Ich habe die alte Dame noch öfters besucht und jeder Besuch brachte mit neues Wissen.


INFOKASTEN

Die Kanonenbahn und der Bahnhof Lengenfeld unterm Stein
Mit Bahn, Rad und Draisine unterwegs im Lutter- und Friedatal
Verfasser: Bernward Seipel

ISBN-13: 978-3939848363

Das Buch kann im Kanonenbahnmuseum Lengenfeld unterm Stein, Hagemühle 1, im
Buchhandel oder direkt über den Autor erworben werden.

Tel.: 036027/70096
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