Spannendes Schriftstudium - Sütterlinclub überträgt alte Schreibschriften und erhält Anfragen aus dem gesamten Bundesgebiet

Leinefelde-Worbis: Urania | Wer auf dem Dachboden eine alte Postkarte oder ein historisches Dokument findet, ist oft vor eine unlösbare Aufgabe gestellt, denn nur wenige können heute die alte Schreibschrift lesen, die unsere Großeltern noch in der Schule gelernt haben. In den meisten Fällen handelt es sich um die sogenannte Sütterlinschrift, die ab 1913 in deutschen Schulen gelehrt wurde, oder um die etwas ältere und viel schrägere Kurrentschrift. Beide haben gemeinsam, dass das e ähnlich einem n geschrieben wird und das es verschieden Schreibweisen für das s gibt. Beides Aspekte, die unser heutiges Auge verwirren.
Seit knapp einem Jahr gibt es für solche Leseprobleme jedoch eine helfende Institution, denn im Juli 2011 gründete sich auf Initiative der Urania-Bildungsgesellschaft der „Sütterlinclub“. Hier kommen Menschen zusammen, die sich für die alten Schriften interessieren und es sich zum Ziel gemacht haben sie kommenden Generationen zu bewahren. „Wenn ausreichend Interesse besteht, dann bieten wir Kurse an, in denen das Lesen und Schreiben von Sütterlin gelernt werden kann“, berichtet Uta Bickel vom Vorstand des Clubs. Auch können Projekte an Schulen durchgeführt und Vorträge zum Thema gehalten werden. Kernstück der Clubarbeit ist jedoch die Übertragung alter Dokumente in eine heute lesbare Schrift. „Zur Zeit arbeiten wir an zahlreichen Soldatentagebüchern, das ist wirklich spannend“, berichtet Uta Bickel weiter und verweist damit auf den historischen Hintergrund, den die Texte vermitteln. In Teams von zwei bis drei Personen widmet sich der Club, der momentan 27 Mitglieder zählt, den Unterlagen und überträgt diese Eins zu Eins, auch wenn sie aus heutiger Sicht Fehler enthalten. „Das ist wichtig, denn wir sind ja keine Korrektoren“, erklärt sie weiter. Häufig kommt es vor, dass ein Wort nicht gelesen werden kann. Das liegt dann entweder an der Handschrift des Schreibers, die nicht immer die sauberste ist, oder an der Tinte und dem vergilbten Papier. Bei solchen Fällen beraten die Mitglieder dann gemeinschaftlich und sollte auch das nicht helfen, muss das Wort ausgelassen werden.
Obwohl es den Club erst seit einem dreiviertel Jahr gibt, ist das Interesse größer, als erwartet und die Anfragen häufen sich, nicht nur aus dem Eichsfeld, sondern aus dem gesamten Bundesgebiet und die Mitglieder, die sich allesamt ehrenamtlich engagieren, stoßen bald an ihre Grenzen. „Eine Übertragung ist auch nicht so leicht, wie sich das viele vorstellen. Mit einer Lupe versuchen wir Buchstabe für Buchstabe abzuarbeiten, das nimmt viel Zeit in Anspruch“, betont Uta Bickel. So kann sich die Übertragung eines ganzen Tagebuches auch über Wochen und Monate erstrecken. Neben dem Lesen widmet sich der Club aber auch der Erhaltung der Schrift und führt deshalb selbst regelmäßig Schreibübungen durch.

Sprechstunde des Sütterlinclubs an jedem ersten Mittwoch im Monat von 17.30 bis 18.30 Uhr in der Urania, Kunertstraße 3-5 in Leinefelde.
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