Auf den Spuren von Adolf Rettelbusch

Auf den Spuren von Adolf Rettelbusch

Ein bedeutender Sohn Kammerforsts darf nicht in Vergessenheit geraten

Johann Georg Rettelbusch als der Ur-Ur-Großvater des Dr. Gerd Kley war der Bruder des Malers und Kunstpädagogen Adolf Rettelbuch. Dr. Gerd Kley verbrachte seine ersten 5 Lebensjahre - bis sein Vater aus der Gefangenschaft zurück kam - im Geburtshaus von Adolf Rettelbusch und ist quasi zwischen seinen Bildern aufgewachsen.

Dr. Gerd Kley hat nach jahrzehntelanger Recherchearbeit ein Buch vorgelegt, welches sich mit dem Leben und Wirken des Malers beschäftigt. Ein Ernteeinsatz bei Magdeburg brachte Kley den Künstler Rettelbusch endgültig näher. Gegenüber der Zeitung erinnerte sich der Autor: „Ich ging in jeder freien Minute ins Magdeburger Museum, dem Adolf Rettelbusch gut 3000 Arbeiten vermacht hatte, darunter auch 600 Bilder, die auf seiner großen Ausstellung zum 75. Geburtstag in Magdeburg gezeigt wurden. Keiner der Museumsmitarbeiter kannte den Namen. Ich rannte durchs ganze Haus und fand schließlich in der Abteilung „Arbeiterbewegung“ ein Pastell von Rettelbusch (ohne Nennung des Namens), das den Abguss einer Stahlschmelze in den damaligen Krupp-Gruson-Werken zeigte. Das Bild hat mich von seiner impressionistischen Ausstrahlung so begeistert und mich vom Können des Malers überzeugt, dass ich fortan beschloss, etwas für diesen vergessenen Künstler zu tun.“

Aber nicht nur Adolf Rettelbusch, sondern auch Friedrich August Stüler widmet der promovierte Physiker seine Zeit.

Auf die Frage, wie es dazu kam, dass er sich mit Stüler beschäftigt, antwortet Kley: „Vielleicht habe ich einen Hang dazu, mich über (von mir empfundene) kunsthistorische Ungerechtigkeiten aufzuregen und etwas dagegen zu tun. Ich ging vier Jahre lang in die EOS Mühlhausen, dabei fast jeden Tag an Stülers Geburtshaus vorbei (das Pfarrhaus der Marienkirche), ohne in dieser Zeit den Namen des Architekten bewusst gehört zu haben.
Seit Ende meines Physik-Studiums in Jena (1967) lebe ich in Berlin bzw. in der Berliner Gegend. Überall fand ich Kirchen, Museen, Paläste usw. von meinem Mühlhäuser Landsmann Friedrich August Stüler. Ich schämte mich etwas über meine Unwissenheit und begann, mich mit ihm zu befassen.“ So geht die Anbringung einer Gedenktafel am Geburtshaus auf das unermüdliche Engagement Kleys zurück. Auch des zerstörten Grabes des Architekten nahm sich Dr. Gerd Kley an. Es wurde im April 1945 durch einen Granatschuss komplett zerstört und erstrahlt seit 2000 – dem 200. Geburtstag Stülers - wieder im Dorotheenstädtischen Friedhof Berlin in neuem Glanz. Mittels privater Spenden vor nunmehr 10 Jahren auch die zerstörte Büste wieder angebracht werden.

Das Besondere an den Werken Adolf Rettelbuschs ist wohl uneingeschränkt seine ländliche und landwirtschaftliche Herkunft, die sich in seinen Bildern widerspiegelt. Der Maler zeigt Architektur und Landschaft der verschiedenartigsten Regionen und bei unterschiedlichsten Wettererscheinungen. Es gelang ihm, insbesondere bei seinen Alpen-, Harz- und Nordseebildern, nur kurz auftauchende Naturereignisse festzuhalten. Seine Bilder sind nicht nur Kunstwerke, sondern auch Zeitdokumente aus den Regionen Europas, die er künstlerisch festhielt. Kley sagt über Rettelbusch: „Er lässt sich eigentlich nicht auf den „Brockenmaler“ festlegen, obwohl es diese Region war, an der er sehr hing und die er – auch mit seinen Studenten – oft besucht und gemalt hat (Auf dem Brocken hatte er ein festes Zimmer).
Rettelbusch war ein realistischer Maler, der aber auch die Einflüsse des Impressionismus und des Jugendstils aufgenommen hat. Er hat sich dem Wandel der Stilrichtungen während seiner Schaffenszeit aber nie untergeordnet. Ein Freund sagte einmal zur Eröffnung einer großen Ausstellung in Magdeburg: ’Rettelbusch war es egal, wie man jetzt in Berlin malt’. Bilder waren für ihn ästhetische Zeitdokumente, die in erster Linie die Menschen erfreuen sollten. Das gilt auch für seine vielen Porträts.“

Ein Bild aus dem Harz hat es Dr. Kley besonders angetan. Der Maler hat es von der Brocken-Chaussee aus als Pastellbild gemalt. Es zeigt den Blick zum Wurmberg gegen Abend. „Wenn man bei richtiger Beleuchtung vor diesem Bild steht, flackert die untergehende Sonne durch die Brockentannen, und man hat ein Gefühl wohltuender Wärme.“, schwärmt der Rettelbusch-Biograf.

Wenn das jetzt in Arbeit befindliche Buch über Rettelbuschs Wirken im Harz abgeschlossen ist, plant der Autor ein weiteres Werk, welches Rettelbuschs Arbeiten als Kunst-Professor in Magdeburg und seine Aktivitäten in den Kunstvereinen behandeln soll. In diesem Buch möchte der Autor auch ein Werkverzeichnis unterbringen. Momentan sind ca. 3000 Arbeiten erfasst, die sich in Deutschland in Museen und bei Privatpersonen befinden.
„Nachdem ich in Archiven in Goslar, Magdeburg, im Geheimen Preußischen Staatsarchiv und im Archiv der Pariser Akademie Julian ausgiebig recherchieren konnte, hoffe ich, nun auch die noch verborgen Bilder, Dokumente und Briefe auf Kammerforster Dachböden einsehen zu können.“, antwortet der Autor gegenüber der Zeitung.

Es laufen Gespräche mit dem Oberbürgermeister von Blankenburg/Harz, im dortigen Schloss eine Ausstellung mit ausschließlich Harz-Motiven Rettelbuschs durchzuführen. Im Magdeburger Kulturhistorischen Museum hängen Bilder in einer ständigen Ausstellung. Hin und wieder werden zu Sonderausstellungen Werke von Rettelbusch gezeigt. Im Geburtshaus des Malers in Kammerforst hängen in den Gasträumen viele Kopien. Auch im Brockenhotel sind einige Originale und Kopien zu sehen, ebenfalls in Quedlinburger Cafés.

Dr. Gerd Kley ist noch immer mit Kammerforst, seinen Menschen und seiner Geschichte vertraut und verwurzelt. In Fortsetzung der Arbeiten seines Vaters versucht er, den heutigen Bewohnern ihre Geschichte und die darin wirkenden Personen nahe zu bringen. („Kammerforster Persönlichkeiten“ im Heimatecho) Auch nimmt er noch immer an zahlreichen Ereignissen des Dorfes Anteil. So stört ihn z.B. die Gleichgültigkeit und Ideenlosigkeit, mit der man das älteste und kunsthistorisch wertvollste Haus von Kammerforst, das Untergut, einen Fachwerkbau im fränkischen Stil von 1525, immer mehr verkommen lässt. Hier könnte man von den vielfältigen Aktivitäten der benachbarten Region Wanfried lernen, in der zahlreiche verfallene Fachwerkhäuser gerettet wurden. Es lässt ihn auch nicht kalt, dass die auf das Jahr 1691 zurück gehende Kirchenorgel seit 1992 verstummt ist. „Die von einem Freund Bachs (Friedrich Wender) ursprünglich errichtete und von Carl Heyder 1858 umgebaute Orgel verdient, der Nachwelt erhalten zu werden.“, berichtet Kley enthusiastisch. Bisher fand er aber leider kaum Resonanz.
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