Benutzerfreundlich oder nur kompliziert?

iPad-mini: mein erster Kontakt

Das beliebte iPad von Apple, alle sind begeistert! Nur ich meckere herum. Bin ich ein Sonderling, zu alt, zu konservativ oder nur überfordert von den technischen Raffinessen, die dieses kleine, handliche Ding bringt? Ich habe mir neulich das neuste dieser Geräte, ein iPad-mini gekauft und - nein, nicht sofort ausprobiert. Erstens hatte ich keine Zeit, mich eingehend damit zu beschäftigen, hatte wichtigeres zu tun, zweitens habe ich es auch nichtzwingend benötigt. Nach zwei Tagen jedoch war die Zeit reif. Ich packte es aus und wollte es ausprobieren. Einschalten, und los geht´s. Zumindest ein paar Grundfunktionen müssten doch ad hoc machbar sein, dachte ich. Weit gefehlt! Bis ich mich dann doch entschloss, den Befehlen der kleinen, doch sehr autoritären Maschine zu folgen, das "Kennwort" einzugeben. Doch allein damit begann ein Marathon, der mich um fast den Schlaf brachte, wenn ich mich nicht entschlossen hätte, das Bett diesem störrischen Esel, genannt "iPad-mini" vorzuziehen. Das sogenannte Kennwort war, wie sich erst dank eines langwierigen Kontaktes mit der Telekom herausstellte, die Schlüsselnummer meines Routers. Die war dann schnell eingegeben, sie befand sich im Konfigurationsprogramm des Routers. So etwas gehört in die Abteilung "Konfiguration des iPad" unbedingt hinein, meine ich jedenfalls. Hatte ich doch damals alles sorgfältig aufgeschrieben, so veranlasste mich dieser Umstand dazu, alle meine bisherigen Kennwörter, Passnummer, persönliche Kennziffern (wobei nie unterschieden wird, ob es sich um "eine", meine persönliche oder einen sonstigen Code handelt. Mit diesen Begriffen wird meiner Erfahrung nach kräftig Schindluder getrieben), auszuprobieren, erneut aufzulisten und nach Benutzung abzuhaken. Die Stunden vergingen. Doch danach ging es relativ schnell.
Aber was sich danach offenbarte, war eine Mischung aus Begeisterung und Frust zugleich. Was ich sehr schnell festellen musste, war die Tatsache, dass das Gerät ohne Internet nichts wert ist, zudem funktioniert es nur, wenn ein Router in der Nähe ist, dessen Schlüsselnummer sich erst einmal erwerben muss. Denn die meisten (Hotels etc.) geben diese nur gegen eine Gebühr bekannt. Umständliches, zeitraubendes Einwählen oder wie immer man das nennt, ist die Folge. Aber ich glaube, wir nehmen solches gar nicht mehr zur Kenntnis. Es ist inzwischen selbstverständlich geworden, dient es doch unserer Sicherheit. Doch damit ist es, wenn man den Umgang mit diversen Seiten sozialer Netzwerke betrachtet, nicht weit her. Es beunruhigt mich zudem sehr, dass man seine eigenen Daten, die sich in den letzten Jahrzehnten angesammelt haben, sei es in Form von Fotos, Videos oder Musikdaten, nicht direkt via USB auf das iPad übertragen und dann abrufen kann, es sei denn man hat sie vorher auf iCloud kopiert. Also: iCloud einrichten! Schon wieder Frust, da mein "Kennwort "plus "Apple-ID" zum wiederholten Male nicht angenommen wurde. Die Übertragung via Bluetooth funktionierte selbst nach stundenlangen Versuchen nicht, das Gerät erkannte weder mein Handy noch mein Macbook. Warum und wieso - Fehlanzeige! Ich habe es schließlich aufgegeben. Alles was das iPad sonst noch zu bieten hat, kann ich mit dem Laptop bequemer, zuverlässiger bewerkstelligen. Dieser hat jedoch im Gegensatz zum iPad ein beachtliches Gewicht und braucht deshalb eine eigene Tragetasche, in der sich Zubehör wie Netzteil, Speichermedien etc. befinden. Mit Rückenschmerzen geplagte wie ich sorgen sich um jedes überflüssige Gramm und ziehen leichtere Gegenstände den schwergewichtigen vor.
Diesen Text hätte ich sehr wohl auch mit dem iPad schreiben können. Ein Notizblock steht zur Verfügung, eine Touchscreen-Tastatur ist jedoch für längere Texte ungeeignet. Die Möglichkeit, den Text zu diktieren, nutze ich bewusst nicht, da ich meine, das gesprochene Wort unterscheidet sich doch sehr vom langsam geschriebenen, entwickelten, durchformulierten. Außerdem traue ich meiner eigenen Rechtschreibung mehr zu als der eines unbekannten Gerätes.
Ein Gerät für alles sollte es sein. Es ist ein Gerät, das sehr viel Aufmerksamkeit benötigt, bevor es den einen oder anderen Vorteil erbringt. Es scheint, dass dieser Faktor heutzutage keine Relevanz mehr hat in einer Gesellschaft, die nicht mehr danach fragt, was mir der Erwerb eines teuren Gerätes letztendlich an Erleichterungen im Alltag bringt. Die gleiche Frage könnte man auch beim herzallerliebsten Gegenstand, dem Auto, stellen. Welchen Vorteil bringt tatsächlich, ein 200 PS starker PKW im Vergleich zu einem nur 60PS starken? Im Stadtverkehr ohnehin nichts, ansonsten sehen wir uns beim nächsten Stau wieder!
So liegt das iPad nun ungenutzt herum, bis es technisch überholt ist. Das wird schätzungsweise nicht sehr lange dauern. Nun will ich aber nicht alles schlecht reden: Ich lümmele auf dem Sofa herum und surfe, was inzwischen ganz gut funktioniert, im Internet. Mit dem iPad!

Helmut Bornschier
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