Das Märchen von der Wipperwelle

Das Märchen von der Wipperwelle
 
Das Märchen von der Wipperwelle
Leinefelde-Worbis: Wipperwelle | Das Märchen von der Wipperwelle



In der erst kürzlich wiedergefundenen Chronik der Burg Scharfenstein - sie galt lange als verschollen - steht ein bemerkenswerter Bericht aus dem Jahr 2012. Ritter Gerd der Erste vom Scharfenstein, war zu dieser Zeit, Burgherr auf dem Dün.

Nahe der Burg hatte er an der Leine eine Badestelle errichten lassen, die hauptsächlich von Pilgern genutzt wurden, die durch das Leinetal zogen. Seine Zöllner erwirtschaften damit so manchen Taler, doch Ritter Gerd war gar nicht zufrieden mit den Einnahmen.

Daraufhin sendete Ritter Gerd einen Späher aus, der die vorbeiziehenden Pilgerer befragen sollte. Der Späher erfuhr, dass viele Pilgerer bereits im nahe gelegenen Bad "Wipperwelle" der Stadt Worbis in die Fluten gestiegen waren, um dann schnurstracks ihre Pilgerreise fortzusetzen.


Der Späher überbrachte diese Nachricht umgehend dem Ritter Gerd. Da erzürnte der Ritter sehr und beschloss das Problem ein für alle Mal aus der Welt zu schaffen. So heuerte er im Leinefelder Hafen die üblen und verrufenen Leinepiraten an, um mit deren Hilfe das Bad in Worbis zu zerstören.

Die Piraten gar nicht zimperlich, willige dann auch sogleich ein und begaben sich nach Worbis, um das schändliches Werk der Zerstörung zu vollbringen.
Als die Piraten das Worbiser Bad erreichten, war gerade Frauenbadetag, die Frauen erschraken sehr bei ihrem Anblick und fingen an zu Heulen. Doch eine der Frauen bewies Mut und besann sich auf eine List.

Sie bewirtete die Piraten mit Eichsfelder Köstlichkeiten und erzählte ihnen nebenbei etwas über die Entstehungsgeschichte des Worbiser Bades. Die Frau erzählte ihnen, dass das Bad 1960 unter großen Entbehrungen der Worbiser in unentgeltlicher schwerer Arbeit, sowie von hart abgesparten Spendengeldern erbaut wurde. Dabei erwähnte sie auch die heilsame Wirkung des Wipperwassers auf Körper und Geist. Die Piraten sollten doch, bevor sie die Wipperwelle dem Erdboden gleich machten, ihre Waffen ablegen und ein erfrischendes Bad in den Wellen der Wipper nehmen.

So geschah es dann auch.

Es gefiel den Piraten so gut in dem Bad bei den geselligen Worbisern, dass sie ganz vergaßen, warum sie überhaupt nach Worbis gekommen waren. Tag für Tag besuchten sie nun das Bad und genossen die Wellen der Wipper in vollen Zügen. Die Begeisterung war so groß, dass sie beim Amtsmann im Rentamt zu Worbis, einen Einbürgerungsantrag stellten und Worbiser Bürger wurden.

Als Ritter Gerd von dieser Entwicklung erfuhr, war er außer sich vor Wut. Er ließ die Steinschleuder der Burg Scharfenstein in Richtung Worbis aufstellen und befahl den Abschuss eines großen Steinbrockens auf die Wipperwelle. Die Steinschleuder war aber schon sehr alt und in einem maroden Zustand, für die notwendige Reparatur fehlte jedoch das Geld. So kam es, wie es kommen musste, der Steinbrocken flog nur bis zum Dorfe Breitenbach und verursachte dort einen großen Krater.

Laut Chronik soll durch diesen Stein ein männlicher Dorfbewohner ums Leben gekommen sein, der sein Brot als eine Art Polizist verdient hatte. Dieser Krater füllte sich mit Wasser und ist noch heute als Dorfteich zu besichtigen.

Leider fehlen ab diesem Eintrag einige Seite der Chronik, welche wahrscheinlich bei einem Brand vernichtet wurden sind. Ein Heimatforscher hat in mühevoller Kleinarbeit versucht, dass weitere Geschehen zu erkunden.

Nach seinen Erkenntnissen, hat es die beiden Badestellen in Leinefelde und Worbis auch in den darauffolgenden Jahrzehnten gegeben.
Der inzwischen von vielen Ritterkämpfen ermüdete Ritter Gerd der Erste, soll hin und wieder mit seinen wenigen Getreuen im Schutze der Dunkelheit nach Worbis gekommen sein um ein Bad in dem heilsamen Wasser der Wipper zu nehmen.

Dies hat ihm wohl sehr gut getan, denn laut Chronik ist er über 100 Jahre alt geworden.
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7 Kommentare
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Annett Deistung (HarzWusel) aus Nordhausen | 24.07.2013 | 18:30  
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Renato Pietsch aus Heiligenstadt | 27.07.2013 | 17:43  
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Annett Deistung (HarzWusel) aus Nordhausen | 07.08.2013 | 21:30  
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Renato Pietsch aus Heiligenstadt | 07.08.2013 | 21:43  
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Annett Deistung (HarzWusel) aus Nordhausen | 07.08.2013 | 22:02  
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Renato Pietsch aus Heiligenstadt | 07.08.2013 | 22:22  
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