Der „Gute Ort“ - ein Kleinod Heiligenstadts - Interesse an der Geschichte des jüdischen Friedhofs von Heiligenstadt wächst

Das Foto zeigt die freiwilligen Teilnehmer der Aktion Sühnezeichen Friedenszeichen e.V. in der Osterwoche 2011 auf dem jüdischen Friedhof von Heilbad Heiligenstadt. (Foto: Initiativkreis Jüdisches Erbe in Heiligenstadt)
Heiligenstadt Heilbad: Jüdischer Friedhof | Der unterhalb des Ibergs gelegene jüdische Friedhof von Heil-bad Heiligenstadt war in den vergangenen Jahren mehr und mehr in Vergessenheit geraten. Mehrmals jährlich von der Stadt und deren Bauhof gepflegt, war er doch im Gedächtnis der Heiligenstädter Bürgerinnen und Bürger selbst nicht mehr so sehr in Erinnerung getreten.

"Daher ist es nun umso erfreulicher, dass das Interesse an der fast 200 jährigen Geschichte dieses religiösen aber auch kulturhistorischen Kleinods wächst", so Diakon Johann Freitag, einer der Sprecher des Initiativkreises Jüdisches Erbe in Heiligenstadt. "Der durch den Tod des 6 Monate alten Marcus Brandis im Oktober 1817 angelegte Friedhof mit seinen noch knapp 75 erhaltenen Grabstellen auf einer Fläche von ungefähr 900 qm verbirgt viele interessante Einblicke in das Leben der damaligen jüdischen Gemeinde von Heiligenstadt und darüber hinaus über die Friedhofsarchitektur des 19. und 20. Jahrhunderts, welche leider auf unseren christlichen und kommunalen Friedhöfen in dieser Form nicht mehr zu entdecken ist", so Freitag weiter.

Daher ist es umso erfreulicher, dass Heilbad Heiligenstadt dieses Kleinod besitzt, welches selbst bei den jüngeren Generationen Interesse und Erstaunen weckt.

"So konnten Kinder und Jugendliche der Klassen 1 bis 12 während den vergangenen Sommerferien im Rahmen der stattgefundenen Religiösen Kinderwochen (RKW) der katholischen Pfarrgemeinden aus Saalfeld, Niederorschel, Kalteneber und der St. Gerhard-Gemeinde Heilbad Heiligenstadt in Führungen auf dem jüdischen Friedhof vieles über dass Leben nach dem Tod und die Besonderheiten der jüdischen Bestattungskultur erfahren", so Christian Stützer, Mitglied im Sprecherkreis des Initiativkreises Jüdisches Erbe in Heiligenstadt.

Dass dieses Interesse an der Begräbnisstätte, dem „guten Ort“, der ehemaligen Jüdischen Gemeinde von Heiligenstadt so gewachsen ist, sei nicht zuletzt der in der Osterwoche diesen Jahres stattgefunden Reinigungs- und Pflanzaktion von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V. in enger Kooperation mit der Stadt Heilbad Heiligenstadt und dem Initiativkreis Jüdisches Erbe in Heiligenstadt zu verdanken, so Christian Stützer weiter.

An dieser viertägigen Pflegeaktion auf dem jüdischen Friedhof haben neben Studenten aus Marburg, Dresden, Berlin, auch ein Ehepaar aus Dresden, Mitarbeiter des städtischen Bau-hofs, Freiwillige und Mitglieder des Initiativkreises Jüdisches Erbe in Heiligenstadt teilgenommen, die sämtliche Grabstätten gereinigt, die Erde ausgetauscht und anschließend die Grabflächen mit frischem Efeu bepflanzt haben.

Dabei sind auch bisher nicht bekannte Inschriften an den letzten Ruhestätten zum Vorschein getreten, die nun Rückschlüsse darauf geben, welche Personen dort beigesetzt wurden. Mit dieser Pflege- und Pflanzaktion wurde den einzelnen Grabstätten unserer jüdischen Mitbürger, wie auch dem gesamtem Friedhof, für die kommenden Jahre ein würdiges Ansehen verliehen, dass es jetzt auch zu erhalten und pflegen gilt.

Die Aktion Sühnezeichen mit Studenten und Freiwilligen aus dem gesamten Bundesgebiet, der Besuch von Kindern und Jugendlichen im Rahmen der stattgefundenen religiösen Kinderwochen und auch die Gespräche mit interessierten Bürgerinnen und Bürger unserer Heimatstadt sind gute und wegweisende Erfahrungen und Zeichen, dass das Interesse und die Erinnerung auch 69 Jahre nach der endgültigen Auslöschung, durch die Zwangsaussiedlung der letzten jüdischen Mitbürger im September 1942 nach Schacht „Felsenfest“ Hüpstedt, an jüdisches Leben in unserer Heimatstadt wach gehalten wird", zeigen sich Johann Freitag und Christian Stützer abschließend überzeugt.
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