Die ehemalige Synagoge gibt es nun auch als Gebäude nicht mehr

Aus dem Jahre 2008 stammt ein in der Lokalpresse verbreiteter, viel beachteter Ansichtsentwurf der seit langem geplanten Stormpassage. Aus Sicht des Initiativkreises Jüdisches Erbe in Heiligenstadt dabei besonders beachtenswert die gelungene optische Integration der ehemaligen Synagoge.

Hoffnung keimte auf: Hier wird mit Klugheit, architektonischem Fingerspitzengefühl und Achtung vor unseren ehemaligen jüdischen Mitbürgern die Atmosphäre eines Denkmals geschaffen.

Im Jahre 2009 wurde diese Hoffnung jedoch im Keime erstickt. Die obere Denkmalschutzbehörde gab bekannt, dass die ehemalige Synagoge, so, wie sie heute zu sehen ist, unter striktem Denkmalsschutz steht. Diese Entscheidung stieß zwar bitter auf, ließ sich jedoch nicht revidieren; dachte „man“.

Doch siehe da: Plötzlich, wie von Geisterhand bewegt, wurde der strikte Schutzstatus aufgehoben. Und am 12. September stand sie dann schon gar nicht mehr. Sie wurde abgerissen. Einfach so.

Die Presse informierte die Bevölkerung. Auf diesem Wege erfuhren es auch die Menschen des Initiativkreises Jüdisches Erbe in Heiligenstadt. Dank sei der Presse gesagt!

Dass mit dem Gebäude, das ja kein x-beliebiges war, etwas passieren musste, war womöglich unausweichlich. Mussten dann aber auch Dinge fortgeschubst werden, die in ihrer Art unersetzlich sind, wie zum Beispiel der herrliche Sandsteinfries, der Haussockel, die Fensterbänke und vor allem auch die Eingangstür zum ehemaligen Gebetssaal mit der Mesusa-Einkerbung? Eine zugesagte fachwissenschaftliche Expertise zu diesen letzten Resten des einst Vorhandenen ist auf diese Weise ein für alle Mal im Staub des Abrisses verweht.

Auf seiner Sondersitzung beschloss der Sprecherkreis des Initiativkreises, den Investor zu einem Gespräch einzuladen und ihn auf diesem Wege zu bitten, die beabsichtigte Gestaltung aus dem Jahre 2008 mit der atmosphärischen Präsenz der Synagoge, wieder aufzugreifen.

Erst dann auch macht die Rettung der Gedenktafel und der Tür Sinn. Erst dann auch bleibt unserer Stadt ein Gedenkort zum Ausdruck von verspäteter Achtung und Wertschätzung, von Trauer und Scham erhalten.

Der Initiativkreis bemüht sich seit Jahren um die Erhaltung der vorhandenen wenigen Zeugnisse jüdischen Lebens in unserer Stadt. Dies geschieht auf breiter Ebene gesellschaftlicher Verantwortung. Dies geschieht, wie das Beispiel Jüdischer Friedhof gezeigt hat, auch mit großzügiger Unterstützung durch die Stadtverwaltung. Das nährt die Hoffnung auf eine zufriedenstellende Lösung auf breiter Basis.

Für den Initiativkreis: Pfarrer Ralf Schultz und Diakon i.R. Johann Freitag
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige