Die geklaute Stunde - Zahlreiche Menschen leiden unter dem Minijetlag, den die Sommerzeit alljährlich verursacht

Freude über eine Stunde mehr Tageslicht und Missmut über eine fehlende Stunde Schlaf gehen bei der Sommerzeit Hand in Hand. Es ist ein Thema, bei dem sich die Geister scheiden. Dennoch ist es am kommenden Wochenende wieder soweit, die Sommerzeit beginnt und das bedeutet, dass die Uhren in der Nacht vom Samstag zum Sonntag um eine Stunde vorgestellt werden.
Doch diese „geklaute“ Stunde bereitet vielen Menschen gesundheitliche Probleme. „Wozu das Ganze?“, fragen sich deshalb viele. Einer von ihnen ist Reinhard Stützer, Leiter der Selbsthilfegruppe „Atmen und Leben“ im Eichsfeld. Im letzten Jahr hat die Gruppe beim Bundestag eine Petition zur Abschaffung der Sommerzeit eingegeben, denn sie glauben, dass die Zeitumstellung die Ursache verschiedenster gesundheitlicher Probleme ist. Laut Schlafforscher Jürgen Zulley ist es eine unnötige Belastung für den Körper. Gereiztheit, Nervosität und Schlafstörungen können auftreten. Besonders Kindern und Menschen mit einem geregelten Tagesrhythmus fällt die „geklaute“ Stunde schwer.
Außerdem führen die Kritiker an, dass der erhoffte wirtschaftliche Nutzen durch die Umstellung nicht nachweislich eingetreten ist. Statistiken zufolge steigt in der Woche nach der Umstellung das Unfallrisiko. Das kann auch Dr. Barbara Goldmann-Schnalke, Medizinerin im Heiligenstädter Schlaflabor bestätigen. Für sich selbst konnte sie zwar bisher keine negativen Folgen aus der Umstellung erkennen, medizinisch gesehen rät sie aber zur Abschaffung. „Wir müssen uns bewusst sein, dass wir diese Entscheidung nicht allein fällen können, da es eine mitteleuropäische Zeit ist“, gibt sie zu bedenken. Anders als beim Jetlag, den wir auf langen Flugreisen erleben, kann die Sonneneinstrahlung nicht zur Gewöhnung an die neue Zeit beitragen. Deshalb rät die Medizinerin am Samstag und Sonntag jeweils eine Stunde früher zu Bett zu gehen. So könne die fehlende Stunde am besten kompensiert werden und auch wenn die innere Uhr aus dem Takt gerät, könne die Müdigkeit am Montagmorgen dadurch ein wenig abgemildert werden.
Dennoch wäre es für viele ein Segen, sollte die Sommerzeit eines Tages doch der Vergangenheit angehören. „Die Abschaffung der Zeitstörung wäre grundsätzlich ein Gewinn“, findet Reinhard Stützer.
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4 Kommentare
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Antje Hellmann aus Jena | 21.03.2012 | 13:15  
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Tobias Schindegger aus Gotha | 26.03.2012 | 09:19  
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Peer Floeckner aus Erfurt | 29.03.2012 | 10:06  
3.230
Tobias Schindegger aus Gotha | 29.03.2012 | 10:09  
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