Die Musik war schon immer sein Leben …

Dietmar Ackermann, ein heimatverbundener Küllstedter, zieht es seit 2008 immer wieder zur Schifffahrt, wo er als musikalischer Unterhalter seine Brötchen verdient.

Begonnen hatte alles schon im Alter von sieben Jahren. Sechs Kinder waren sie zu Haus. Eine Triola der Kinder einer befreundeten Familie nahm der kleine Dietmar gern zur Hand. Dies war sozusagen für ihn der erste Kontakt mit der Musik. Die Schwester lernte Akkordeon, ihre Begeisterung für das Instrument hielt sich allerdings in Grenzen. Ganz anders ihr Bruder, der sich das Spielen auf diesem Instrument ebenfalls selbst beibrachte. Die Orgel war damals sein großes Ziel. Um dieses Instrument aber spielen zu dürfen, musste eine dreijährige Klavierausbildung vorausgehen. Mit 11 Jahren nahm Dietmar Ackermann in Leinefelde klassischen Klavierunterricht. Es folgte eine fünfjährige Orgelausbildung in Mühlhausen und parallel an der Musikschule in Erfurt eine ebenfalls mehrjährige Klavierausbildung im Bereich Tanzmusik und Jazz.

Mehr oder weniger ins kalte Wasser wurde der junge Musiker geworfen, als er – dreizehnjährig – spontan eine gesamte Messe in der Pfarrkirche St. Georg & Juliana zu Küllstedt mit der Orgel begleitete, da die Organistin kurzfristig verhindert war. Daraufhin durfte er die Kindermesse begleiten, was für ihn ein praktisches Selbsterproben neben der Ausbildung darstellte.

Beruflich entschied sich der Tonkünstler für eine Ausbildung zum Kellner. Nachts arbeitete er in einer Bar in Mühlhausen und am Tage besuchte er die Musikschule. „Die Arbeit in der Bar ermöglichte es mir, viele Musiker kennen zu lernen und Kontakte zu knüpfen.“, blickt der Musiker zurück. Nach seiner Armeezeit bis hin zur Wiedervereinigung erfolgte sozusagen der fließende Übergang in die Selbstständigkeit.

Die Arbeit auf den Flussfahrtschiffen bereitet ihm seit 2008 große Freude. Allerdings muss zu Hause so Einiges organisiert werden. Das Orgelspiel wird von Ordensschwester Anita und dem ehemaligen Schüler Mathias Jakobi übernommen. Auch der Chor, den der 54-Jährige leitet, benötigt eine Vertretung. Hier springen gern der Wachstädter Gottfried Jäger und Beate Hey aus Heuthen in die Bresche.

Der Unterhalter ist auf Schiffen unterwegs, die 135 m lang sind und etwa 200 Passagieren beherbergen können. Die Reisen dauern jeweils ein bis zwei Wochen. „Meist bin ich 6 bis 8 Wochen am Stück unterwegs und das ganze zwei- bis dreimal im Jahr. Die Reisen führen mich auf die Donau, den Main-Donau-Kanal, den Rhein oder die Mosel sowie in Frankreich auf die Rhone und Saone. Die Reiserouten sind ganz unterschiedlich: z. B. Amsterdam - Budapest, Passau - Schwarzes Meer (Donaudelta), Köln - Basel, Köln - Holland - Belgien - Köln, Lyon - Chalon sur Saône - Avignon - Arles. Momentan bin ich auf der AROSA vorwiegend mit deutschsprachigem Publikum engagiert. Ansonsten sind es auch immer wieder internationale Reedereien wie Viking, Avalon, Scenic, Amawaterways, Select Voyagers oder Nikko - Japan mit Gästen aus aller Welt, auf denen ich unterwegs bin.“, erzählt der Musiker. Die Musik, mit der er seine Gäste unterhält, ist sehr vielseitig. Von Klassik über Jazz, Kaffeehausmusik, Country, Swing, Oldies, Rock und Pop, Schlager bis hin zu Latin, Tanzmusik und internationale Folklore ist alles dabei. Dietmar Ackermann spielt Keyboard, Klavier oder Akkordeon und seinen Gesang kann er entsprechend in vielen Sprachen an das Publikum anpassen. Ob deutsch oder englisch, französisch, italienisch, spanisch oder russisch, der Künstler ist sehr vielseitig und gerade das ist es, was sein Publikum ihm dankt. Einige Lieder singt er sogar auf japanisch oder in der Sprache der Maori (Neuseeland). Der Künstler unterhält seine Gäste am Abend mit Musik in der Bar Lounge oder bei schönem Wetter auf dem Sonnendeck. Ansonsten spielt er wechselnd Frühschoppen, Matinee, Teatime (Kaffeezeit) oder Cocktailhour. Natürlich gehören auch ab und an ein musikalisches Quiz oder musikalische Mottostunden dazu.

Neben der Liebe zur Musik empfindet Dietmar Ackermann schon sehr früh eine starke Zuneigung auch zur Literatur. Schon bevor er zur Schule kam konnte er lesen - nahm alles zwischen seine Augen, was er zu fassen bekam und hat sich mittlerweile eine Bücherschatz von mehr als 1500 Büchern ersammelt. Der Kriminalroman ist sein liebstes Genre. Gern würde der Musiker auch selbst einmal ein Buch schreiben. Historische Geschichten aus dem Küllstedt des 17. Jahrhunderts schweben ihm vor, wobei, so sagt er „diese Idee noch überhaupt nicht ausgereift ist. Für kurze Zeit würde ich gern einmal in diese Zeit zurückgehen.“, erwähnt er nebenbei. „Lange Zeit ging ich auf dem Weg zur Arbeit täglich in Mühlhausen an der Buchhandlung vorbei. Die Buchhändlerin kannte ich. Fast jeden Tag besuchte ich sie und meist kaufte ich auch ein Buch – unterm Ladentisch – in den Regalen standen nicht die Bücher, die mich interessiert hätten.“, berichtet der Küllstedter aus seiner Erinnerung.

Auf die Frage, was Heimat für ihn bedeutet, erzählt der Vollblutmusiker, dass diese für ihn extrem wichtig sei und vor allem die Menschen für ihn Heimat bedeuten. „Gerade, weil ich oft unterwegs bin, kann ich zum einen eine gewisse Freiheit genießen und schätze das Zuhause – meine Heimat Küllstedt und das Eichsfeld umso mehr, wo ich auch immer gern musikalisch tätig bin. Es ist das Gleichgewicht – das Unterwegssein und das Nachhausekommen und Wohlfühlen, was für mich persönlich wichtige Faktoren sind.
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