Die Retro-Welle auf dem Vormarsch - Von Pomade bis Jukebox, von Elvis-Tolle bis Rockabilly-Szene - Beim 50er-Jahre-Friseur in Heiligenstadt

Nostalgie pur: Der Friseurstuhl, der Spiegel und der Fön stammen original aus den 60er Jahren. Und die Pommade darf natürlich auch nicht fehlen!
 
Schon beim Eintreten macht ein Plakat klar, dass man gleich in die wilden 50er und 60er Jahre eintauchen wird.
Heiligenstadt Heilbad: Retro-Friseur 50er Jahre | „Ob in Film und Fernsehen oder bei den Verpackungen bestimmter Produkte, wer sich das anschaut, merkt sofort - die Retrowelle ist überall wieder auf dem Vormarsch“, zeigt sich Werner Sonntag überzeugt.

Mit dieser Einschätzung muss der Heiligenstädter wohl richtig liegen, denn das Friseur- und Schönheitsstudio, das er gemeinsam mit Ehefrau Karin als 50er-Jahre-Friseur betreibt, erfreut sich durchaus einiger Beliebtheit.

Zwischen Petticoat und Nierentisch geht man hier auf Zeitreise in die 50er Jahre, bekommt Nostalgie pur angeboten und in Form von Haartolle, Outfit oder Make-up auf Wunsch auch gleich verpasst. Das Flair im Salon - zarte Pastellfarben überwiegen hier - ist wirklich unverwechselbar.

Da spielt der „King of Rock ‘n‘ Roll alias Elvis Presley auf einem alten Poster an der Wand versonnen auf seiner Gitarre, während neben ihm Marilyn Monroe mit Schmacht-Blick von einem Wolkenkratzerbalkon in eine Straßenschlucht schaut. Auf dem alten Ledersofa darunter kann man es sich bequem machen und in Zeitschriften aus den 50ern und 60ern schmökern.

An einer Dekorationssäule und den Wänden kleben alte Zeitungsausschnitte mit protzigen Straßenkreuzern und Frauen, die mit ihren strahlenden Zahnpasta-Lächeln den Charme der damaligen Zeit wiedergeben. Und dann fehlt da in einer Ecke auch die obligatorische Jukebox nicht, die vor 70 Jahren in keiner Bar, keinem Cafè und keinem Restaurant fehlen durften. Selbstverständlich frisieren die Mitarbeiterinnen, wie etwa Anna Kreuschner, im passenden Outfit.

„Auf die Retro-Idee hat uns im August vergangenen Jahres unsere Tochter Claudia gebracht“, erzählt Werner Sonntag. Die 22-Jährige, die derzeit in Erfurt Lehramt studiert, hatte zuvor eine Berufsausbildung zur Gestaltungstechnischen Assistentin absolviert und sich dabei wohl auch mit der wieder aufkommenden Retro-Welle auseinander gesetzt.

„Wir haben im Internet recherchiert, was wir da alles machen können“, erinnert sich Sonntag. Tatsächlich ließ sich da wirklich einiges machen, wenngleich sich die Suche nach Dingen aus der damaligen Zeit gar nicht so einfach gestaltete. Originales Mobiliar, Kleidung im Retro-Stil, Poster, Zeitschriften, Gerätschaften, die Musikbox, ein nostalgischer Friseurarbeitsplatz mit Spiegel, ein Fön sowie ein 60 Jahre alter Friseurstuhl aus Düsseldorf und vieles andere mehr wurden innerhalb eines halben Jahres aus verschiedene Quellen zusammen getragen.

„Die Pomade aus den 50er Jahren mussten wir uns zuerst direkt aus Amerika kommen lassen, bis wir schließlich in München einen Vertriebspartner fanden“, verdeutlicht Werner Sonntag die nicht immer ganz einfache Suche. Besonders stolz ist er auf eine gut erhaltene Ausgabe des „Stern“ aus dem Jahre 1962. „Da kucken die Leute sehr gern rein und finden besonders die Werbung von damals sehr lustig.“

Doch lohnte sich die ganze Mühe wirklich? „Am Anfang lief es schleppend an“, gesteht der Heiligenstädter. „Jetzt sind wir aber zufrieden. Aus der Rockabilly-Szene haben wir regelmäßig Kunden, die sich bei uns Elvis-Tolle, Victory Rolls, Finger Ware oder den Fake Bob aus den 50ern machen lassen. Viele Besucher kommen auch einfach nur wegen des Flairs zu uns. Und vor kurzem erst hatten wir eine 50er-Jahre-Motto-Geburtstagsparty. Bei der haben sich gleich zwei Drittel der Gäste von uns entsprechend frisieren lassen. Das war sehr spaßig.“

Hintergrund:

- Der Begriff Retrowelle kennzeichnet eine Modewelle, deren Inhalt eine rückwärts-orientierte Mode ist. Retro ist seit geraumer Zeit wieder ein Trend und erfasst Alltagsgegenstände genauso, wie Kleidung, Architektur, Literatur und Musik.
- Pomade ist das „Gel“ unserer Eltern und Großeltern. Sie diente dazu, die Haare in Form zu bringen und ihnen einen schönen Glanz zu verleihen. Als Basis der Pomade dient Vaseline. In den 1920er bis 1950er Jahren war Pomade das Hairstylingmittel Nummer eins.

- Rockabilly ist eine der Spielarten des Rock ’n’ Roll. Sie entstand Mitte der 1950er Jahre, als junge, hauptsächlich weiße Musiker in den amerikanischen Südstaaten den schwarzen Rhythm & Blues auf ihre Art und mit den ihnen vertrauten Instrumenten neu interpretierten und mit Country-Musik vermischten.

- Eine Jukebox ist ein Automat, der durch den Einwurf von Münzen Musik abspielt. In den 1950er Jahren - dem „Silver Age“ - wurden bei der Gestaltung von Jukeboxen Stilelemente des Fahrzeugdesigns übernommen (Heckflossen, Panoramascheiben, Rücklichter und so weiter) Bevorzugte Materialien waren Chrom und Glas.
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