Eichsfelder wallen gern... - Gedanken von Anneliese Blacha aus Ferna zum bevorstehenden Besuch Benedikts XVI. im Eichsfeld

Das Bild zeigt, wie der Legende nach das Gnadenbild auf einem Feld nahe Etzelsbach gefunden wurde. Gemalt wurde es von Joseph Richwien, dem Vater Anneliese Blachas, im Jahre 1987. (Foto: Dagmar Blacha)
„Eichsfelder wallen gern“ mit diesen Worten begann zu DDR-Zeiten einmal eine Predigt in einem Hochamt anlässlich einer Wallfahrt in Etzelsbach. „Wallen“ bedeutet in steter Bewegung sein, und „pilgern“ soviel wie mit den Füßen beten.

Eine „Wallfahrt“ ist eine Reise oder Wanderung zu Stätten religiöser Verehrung. Wenn damals gesagt worden wäre: „Eines Tages wird der höchste Würdenträger der katholischen Kirche diesen Marien-Wallfahrtsort hier besuchen“, dann hätten garantiert alle Anwesenden das für völlig unmöglich gehalten, mit den Köpfen geschüttelt und am Prediger gezweifelt. Unser Eichsfeld hat viele schöne Wallfahrtsorte. -

Aber Etzelsbach wird durch den Besuch von Papst Benedikt XVI, der mit den dort versammelten Menschen gemeinsam die Marianische Vesper beten wird, für alle Zeit in die Geschichte als Jahrtausenderlebnis eingehen. Der Bekanntmachungsgrad des, von ihm auserwählten, Wallfahrtsortes wird steigen.

Alljährlich finden sich immer wieder Menschen zusammen, die zu den Wallfahrtsorten wallen, anreisen, bzw. unter Strapazen zu Fuß hinpilgern. Sie tun es völlig freiwillig, ohne jeglichen äußeren Zwang und ohne jegliche diktatorische Aufforderungen. Seit ihrem Bestehen überstand die Kirche allen Verfolgungen und Versuchungen.

Keine Macht der Erde konnte sie je zum Erliegen bringen! Keine Weltmacht vermochte sie abzuschaffen! Es hat auch noch niemand fertiggebracht, der Menschheit zu verbieten, die Knie nicht mehr vor Gott zu verbeugen oder sich davor nicht zu verneigen.
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Auch heutzutage trägt so mancher fromme Pilgerer ein Stück seines mitunter schicksalhaften Daseins still und tief in sich gekehrt oder singend und betend in einer Gemeinschaft, hin zu Wallfahrtsorten. Das vorhergehende Bitten und spätere Danken gehört als Gebet zum „Gespräch mit Gott“, denn beten bedeutet ja mit Gott sprechen. Der Beter bittet Gott und sehr oft auch die Gottesmutter um ihren Beistand und ihre Hilfe in seinem Anliegen. Und er setzt ihnen auch kein Ultimatum. Er denkt ganz einfach nicht: „Bis zum Monatsende hat das aber jetzt zu klappen!“

Die Uhren Gottes laufen ohnehin in einem anderen Rhythmus. Gott bestimmt die Stunde und den passenden Zeitpunkt. - Niemand kann irgendwo hingehen um sich eine Tüte Zuversicht, ein Kilo Gnade und ein Pfund Glaube zu kaufen. Diese Dinge sind nicht kauf- jedoch erwerbbar. Den Glauben muss man ver- oder übermittelt bekommen. Mit Sicherheit kann man ihn auch erwerben. Er liegt aber nicht wie ein Pflasterstein auf der Straße, den man nur aufzuheben braucht.. Gott kann ihn uns vermitteln oder schenken. Man kann den Glauben auch nicht anfassen.

Öfters jedoch die daraus entstandenen Wohltaten und deren Folgen. Diese können durchaus dem Leben eines Menschen richtungsgebend einen anderen Weg weisen. Auch jene, die nicht an unseren Gott glauben, begeben sich oftmals in Scharen zu ihren Pilgerorten. Ungläubige suchen oft auf Pilgerwegen innere Ruhe zu finden. Sie entspannen sich beim gemächlichen Gang durch die Natur und der Betrachtung und Bewunderung von herrlich sakralen Bauwerken.

So ziehen immerfort Menschen wallend, pilgernd und betend in der Berg- und Talfahrt des irdischen Lebens vertrauensvoll zu den von ihnen auserwählten Stätten, deren Entstehung immer besonderen Anlässen zuverdanken ist. Große Verehrung wird dabei den dort vorhandenen Gnadenbildern zuteil, an die sich Ereignisse frommer, geschichtlicher bzw. mystischer Art knüpfen.

Vom Gnadenbild von Etzelsbach wurde berichtet, dass es beim Pflügen eines Ackers gefunden wurde. Die Pferde verharrten an einer Stelle und gingen nicht mehr weiter. Der Bauer sah nach, kniete nieder und er fand das Gnadenbild. Dazu möchte ich mitteilen, dass mein Vater, der 1992 verstorbene Kirchenmaler Joseph Richwien aus Lengenfeld u. Stein, 1972 das Gnadenbild, die Pieta restaurierte. Er fand, und das wissen meine Geschwister genau so gut wie ich, in den Vertiefungen der Skulptur, unter dem Farbanstrich, Erdkrümel. Diese sammelte er sehr sorgfältig und er zeigte sie mir auch. Ja, ich habe sie wirklich gesehen!

Bei meinem nächsten Besuch erzählte er mir, dass er die Schachtel dem zuständigen Pfarrer für Etzelsbach, Herrn H. Roth ausgehändigt habe. Herr Pfarrer Roth habe diese Erdreste und Proben vom Erdreich rings um die Kapelle herum, untersuchen lassen und es habe sich herausgestellt, dass sie identisch waren. Mein Vater malte später ein Bild vom Auffinden des Gnadenbildes, welches im Privatbesitz ist.

„Eichsfelder wallen gern“ und sie begeben sich auch mit freudigem Herzen zu Wallfahrtsorten im In- und Ausland, die der Muttergottes geweiht sind. Und jeder Wallfahrtsort besitzt seine ihm eigene Anziehungskraft und seine damit verbundene gnadenreiche Gebetsstätte. Wer nach Turzovka in die Slowakei reist, der findet auf dem Berge Živ
ák eine Votivtafel auf welcher steht:
„DANKE MARIA, Eichsfeld 2005.“

Hier auf dem Berge erblickte 1958 der Waldhüter Matusch Latusch (deutsche Ausdrucksweise), die Muttergottes als himmlisch schöne Frau wie in Lourdes gekleidet, wo sie genau 100 Jahre zuvor der Bernadette erschienen war. Trotz aller Folterungen und Drangsalen in der kommunistischen Zeit blieb der Visionär seiner Aussage getreu. Weitere glaubenstreue Bewohner der Slowakei trugen in frommer Verehrung Heiligenbilder und Statuen den Berg hinauf. Aus Schutt und Asche ward in jener Zeit jenes Bild geborgen, welches bis an den Rand der Konturen der Muttergottesdarstellung verbrannte, später restauriert wurde und als das Bild der Königin von Turzovka um die Welt geht.

Die Menschen, die auf den Berg pilgern, trinken von dem heilkräftigen Wasser in den Grotten und erneuern in Andacht versunken ihr Taufversprechen mit dem Glauben an Gott. Unter den Wallfahrern befinden sich viele junge Leute aus der Slowakei. Unwillkürlich hat man die Empfindung, sie geben ihren Glauben, als einen wahren Schatz an die ihnen nachfolgenden Generationen weiter. - Eine der ersten Mitteilungen der Muttergottes an den Seher lautete damals: „Betet für die Priester und Ordensleute.“

Dass der Papst unserem kleinen und bescheidenen Eichsfeld einen Besuch abstattet, ist eine hohe Ehre für unsere Region. Doch der Papst schenkt uns nicht nur die Ehre seines Besuches, sondern auch seiner Nähe und ein Stück seiner Zeit.

Ich könnte mir vorstellen, dass in dem Moment seines Eintreffens überall im Eichsfeld alle Glocken läuten werden und eine Ergriffenheit durch die dort versammelte Menschenmenge gehen wird, die keine Feder der Welt beschreiben kann. Vielleicht entsteht im Gedenken an den Papstbesuch jährlich am 23. September eine neue Wallfahrt, eine Papstwallfahrt nach Etzelsbach, in der in ganz besonderer Weise dem Wunsch der Muttergottes aus Turzovka gemäß um weiterhin gute geistige führungskräftige Oberhirten gebetet wird und um eine, dem Glauben treu verbundene praktizierende Christenheit. Wäre das dem Papst gegenüber nicht eine in Dankbarkeit verbundene Geste?

Vielleicht wird auch an der Stelle, an der der Papst seinen ersten Fuß auf die Erde des Wallfahrtsortes von Etzelsbach setzen wird, ein Gedenkstein, eine kleine Gebetsstätte oder Kapelle einmal errichtet, bezeugend als ein Stück geheiligter Erde. Mag das noch in den Sternen stehen, aber in irgendeiner Weise wird sein hoher Besuch Spuren, hinterlassen. Es ist ganz gut möglich, dass viele Deutsche den Papst gern in ihren Regionen willkommen geheißen hätten, aber er hat sich für unser Eichsfeld entschieden und es auserwählt.

Und wenn einst die jetzt zu der Marienvesper Anwesenden nicht mehr unter den Lebenden weilen werden, dann wird dieser 23. September 2011 für immer ein besonderer Tag in der Eichsfeldgeschichte unserer Nachkommenschaft bleiben. Und so mancher von ihnen wird zu diesem besonderem Gnadenorte pilgern und wallen, um dort allein oder in Gemeinschaft zu beten.

Anneliese Blacha, Ferna
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