Ein aussterbender Beruf - 400 Schafe, 15 Ziegen und zwei Hütehunde - Mit Kreisschäfermeister Franz Nolte auf der Weide

Ein gutes Team: Schäfer Franz Nolte mit seinen beiden Hütehunden Alin (links) und Marsch (rechts).
 
Die 400 Schafe und sieben Ziegen Franz Noltes im Bischofstal bei Ferna, eifrig bewacht von Hütehund Marsch.
Ferna: Bischofstal | Der Weg zu Fuß von Ferna auf die Schafweide hinaus zieht sich etwas, denn mit dem Auto ist an Kreisschäfermeister Franz Nolte und seine Herde kein Herankommen. Aber das Wetter zeigt sich von der freundlichen Seite, und ein bisschen Bewegung an frischer Luft schadet bekanntlich nicht.

Ein lauer Wind trägt den Geruch von Schaf und Schafkot heran, ein Zeichen, dass die Marschrichtung stimmt. 400 Merino-Landschafe - dazwischen noch 15 Ziegen - haben sich im Bischofstal über eine Wiese verteilt.

Sie fressen sich mit deutlich hörbaren Rupfgeräuschen zielstrebig durch das saftig-grüne Gras. Rund einen Hektar Fläche schaffen sie täglich. Und während vorn fleißig gerupft und gekaut wird, purzeln hinten sporadisch kleine Häufchen auf die Wiese und düngen sie.

Franz Nolte, der mittlerweile seit 47 Jahren in seinem Beruf tätig ist, steht am Rand der Weide und stützt sich auf seinen Schäferstab. Er trägt Gummistiefel, einen Schäferhut, die mit vielen glänzenden Knöpfen besetzte schwarze Schäferweste sowie einen Schäferranzen mit den Hundeleinen und Verpflegungsrucksack.

„Hätten ja beinahe Gewitter mitgebracht“, meint er mit einem kritischen Blick in Richtung Westen zu den bleigrauen Wolken am Himmel. Gewitter mag der Teistunger offenbar nicht, was durchaus nach zu vollziehen ist.

An seiner Seite sitzt Hütehündin Alin, die aufgrund ihres schon reiferen Alters längst nicht mehr so viel Agilität entwickelt, wie ihr schwarzfelliger Kollege namens Marsch, der unermüdlich die Herde umkreist und die Schafe beisammen hält.

„Marsch macht fast alles allein, treibt es aber auch manchmal zu doll mit den Schafen“, meint Nolte. „Er ist beinahe wie ein Kind, das schnell mal über die Stränge haut.“ Dann allerdings genügt ein kurzes Kommando, auf das der große Altdeutsche Gelbbacke sofort reagiert. Insgesamt sechs Hunde hat der 62-jährige Schäfermeister, die allesamt bei ihm ihre dreijährige Ausbildung zum Hütehund absolviert haben oder noch absolvieren.

Franz Noltes Arbeitstag beginnt sehr früh und endet erst am späten Abend - und das an sieben Tagen in der Woche. Es gibt viel Arbeit, denn beinahe alles muss selbst gemacht werden, damit sich die Schäferei rechnet.

Das reicht von der Stroh- und Futtererzeugung für den nächsten Winter bis hin zur Hilfe bei der Schafschur und beim Lammen der Schafe im Dezember. Franz Nolte ist nicht nur Schäfer, sondern auch Traktorist, Ackerbauer, Futtermann, Stallknecht, Hebamme und ein bisschen Tierarzt.

300 Lämmer haben seine Schafe im vergangenen Winter geworfen. Da ging es rund im Stall! Zugleich wurde nach dem launischen Sommer und der damit verbundenen schlechten Ernte das Futter für die Tiere knapp. Zum Glück blieb die kalte Jahreszeit fast schneefrei, sodass die Schafe auf die Weide konnten.

Trotz allem, Franz Nolte hat es nie bereut, mit 15 Jahren in die Schäfer-Lehre gegangen zu sein und seitdem immer in diesem Beruf gearbeitet zu haben. Seine beiden Töchter und der Sohn wollen allerdings nicht in seine Fußstapfen treten. „Es ist eben ein aussterbender Beruf“, sagt der Schäfer aus Teistungen, und in seiner Stimme schwingt Bedauern mit.

Hintergrund

- Franz Nolte ist Jahrgang 50.

- Mit 15 Jahren begann er seine Schäfer-Lehre.

- 1972/73 absolvierte er seine Meisterausbildung.

- Seit der Wende ist er Kreisschäfermeister im Landkreis Eichsfeld, in dem es insgesamt nur noch sechs richtige Schäfer gibt.

- Seine Schafställe befinden sich im Hammertal bei Hundeshagen.

- Rund 80 Hektar Land hat Franz Nolte, vor allem für den Futtermittelanbau, gepachtet.

- Zu rund 70 Prozent werden die Schafe gehütet, zu rund 30 Prozent wird gekoppelt.

- Für zirka 100 Tage im Jahr (im Winter) muss gefüttert werden, da die Schafe nicht auf die Wiesen können.

- Mit seiner Schäferei kommt ihm eine wichtige Aufgabe in der Landschaftspflege zu.

- Haupteinnahmequelle sind denn auch die Gelder für die Landschaftspflege (zirka 60 Prozent) und der Verkauf von Lämmern (rund 40 Prozent).

- Mit der Schafwolle werden dagegen fast keine Einnahmen erzielt.

- Im Dezember erfolgt die Schafschur, die durch drei professionelle Schafscherer aus Polen innerhalb von zwei Tagen bewältigt wird.

- Pro Schaf fallen rund drei Kilo Wolle an, Franz Noltes ganze Schafherde bringt es auf rund anderthalb Tonnen Wolle jährlich.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
28 Kommentare
3.760
Annett Deistung (HarzWusel) aus Nordhausen | 26.05.2012 | 20:34  
12.762
Renate Jung aus Erfurt | 26.05.2012 | 21:06  
7.498
Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 26.05.2012 | 21:08  
1.616
Lutz Leipold aus Ilmenau | 26.05.2012 | 21:39  
7.498
Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 26.05.2012 | 21:41  
2.250
Ulf Wirrbach aus Gotha | 26.05.2012 | 22:04  
1.616
Lutz Leipold aus Ilmenau | 26.05.2012 | 22:04  
1.616
Lutz Leipold aus Ilmenau | 26.05.2012 | 22:07  
7.498
Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 26.05.2012 | 22:11  
6.472
Mariett Demirelli aus Erfurt | 26.05.2012 | 23:45  
3.886
Lydia Schubert aus Nordhausen | 27.05.2012 | 01:13  
9.688
Hannelore Grünler aus Artern | 27.05.2012 | 02:16  
7.498
Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 27.05.2012 | 07:33  
12.762
Renate Jung aus Erfurt | 27.05.2012 | 16:49  
3.865
Karin Jordanland aus Artern | 27.05.2012 | 20:46  
1.616
Lutz Leipold aus Ilmenau | 27.05.2012 | 22:12  
7.498
Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 28.05.2012 | 00:07  
12.762
Renate Jung aus Erfurt | 29.05.2012 | 22:19  
7.498
Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 29.05.2012 | 22:41  
12.762
Renate Jung aus Erfurt | 29.05.2012 | 23:15  
7.498
Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 30.05.2012 | 08:40  
12.762
Renate Jung aus Erfurt | 30.05.2012 | 10:39  
5.078
Joachim Kerst aus Erfurt | 31.05.2012 | 10:04  
3.865
Karin Jordanland aus Artern | 31.05.2012 | 13:50  
12.762
Renate Jung aus Erfurt | 31.05.2012 | 23:27  
3.865
Karin Jordanland aus Artern | 01.06.2012 | 13:09  
12.762
Renate Jung aus Erfurt | 01.06.2012 | 17:06  
7.498
Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 01.06.2012 | 17:34  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige